Update zur Klage von AEW gegen Triller: Fast 5 Millionen US-Dollar aus PPV- und AEW+-Erlösen gefordert

17.05.26, von Jens "JME" Meyer

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AEW verklagt Triller: Fast 5 Millionen US-Dollar aus PPV- und AEW+-Erlösen gefordert

AEW hat wie erwartet Klage gegen TrillerTV und die Muttergesellschaft Triller Group, Inc. eingereicht. Hintergrund sind ausstehende Zahlungen in Höhe von knapp 5 Millionen US-Dollar, die sich aus Einnahmen der gemeinsamen PPV-Geschäfte sowie aus dem früher über Triller laufenden Abo-Angebot AEW+ ergeben sollen.

Die Klage wurde am 29. April 2026 im Duval County in Florida eingereicht, wo AEW seinen Unternehmenssitz hat. In den Unterlagen heißt es, Triller habe Erlöse aus der Verwertung von AEW-Inhalten – die laut den Dokumenten den mit Abstand größten Umsatzanteil bei Triller ausmachten – zur Finanzierung anderer Geschäftsbereiche genutzt, unter anderem eines Social-Media-Projekts, das sich nicht durchsetzen konnte. In einer Formulierung der Klage wird Trillers Vorgehen als Strategie beschrieben, Einnahmen aus dem Vertrieb der AEW-Inhalte abzuzweigen, um andere operative Kosten zu decken, was sich negativ auf die Beziehung und die Zahlungen an AEW ausgewirkt habe.

Die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten begann 2019 und lief laut Klage bis 2024 ohne größere Probleme. In einer SEC-Einreichung aus dem Jahr 2024 wird demnach festgehalten, dass Inhalte von AEW rund 24 Prozent der gesamten Triller-Einnahmen generierten. Die Verträge sahen dabei für AEW einen Anteil von 75 Prozent an den PPV-Erlösen in den USA und 65 Prozent außerhalb der USA vor (Triller erhielt entsprechend 25 bzw. 35 Prozent). In den Anfangsjahren der Kooperation lag die Beteiligung zunächst bei 50/50, ehe AEW 2019 eine höhere Gewinnbeteiligung aushandeln konnte. Für das Abo-Angebot AEW+ auf Triller lag die Verteilung bei 60/40 zugunsten von AEW.

AEW gab an, in Schreiben im Januar und März 2025 auf Zahlungsrückstände hingewiesen zu haben. Bei Einreichung der Klage im April 2026 habe Triller Group, Inc. demnach noch 4.988.989,13 US-Dollar an AEW zu zahlen gehabt. Verspätete Zahlungen würden laut Vertrag mit zwei Prozent monatlichem Zinsaufschlag belegt. Am 1. März 2025 sei lediglich ein Bruchteil der offenen Summe überwiesen worden. Triller Group, Inc. war im Dezember von der NASDAQ genommen worden, wurde am 15. April 2026 nach Einreichung eines Jahresberichts kurzzeitig wieder gelistet und am 17. April erneut delistet, nachdem der Aktienkurs unter einen US-Dollar gefallen war.

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Parallel dazu befindet sich auch TrillerTV selbst in einer angespannten finanziellen Lage und hat seinerseits Klage gegen Triller Group, Inc. eingereicht. In Delaware beantragte TrillerTV vor dem Chancery Court die Erlaubnis, entweder das Unternehmen zu verkaufen oder Insolvenz anzumelden. CEO Kosta Jordanov und Präsident/COO Eric Winter erklärten gegenüber der Muttergesellschaft, man sei zahlungsunfähig und könne unter anderem offene Verbindlichkeiten gegenüber AEW in Höhe von 3,7 Millionen US-Dollar nicht bedienen. In der Klage heißt es weiter, TrillerTV sei gezwungen gewesen, hochverzinsliche Kredite auf Immobilienbasis aufzunehmen, um Schulden an AEW zu begleichen – ein Darlehen über 1.475.000 US-Dollar habe dabei weitere 600.000 US-Dollar an Zinskosten verursacht.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass AEW im Januar 2025 eine Zahlung über 1,5 Millionen US-Dollar forderte. Winter traf sich daraufhin mit Triller-Group-CEO Wing-Fai Ng in Beverly Hills, wo Ng zugesagt haben soll, die ausstehenden Gelder zu überweisen. Laut Klage sei die Zahlung jedoch nie eingegangen, und Ng habe weder auf E-Mails noch auf Textnachrichten reagiert. Ein weiterer Telefontermin im März 2025, bei dem Ng erneut eine Überweisung von 1,5 Millionen US-Dollar zugesagt und Triller-Group-CFO Desmond Shu als Ansprechpartner benannt haben soll, habe ebenfalls zu keiner Zahlung geführt. Mehrere Versuche Winters, Shu sowie andere Kontaktpersonen zu erreichen, seien ohne Antwort geblieben. Bei einem weiteren Treffen Ende März in Miami sollten konkrete Pläne zur Begleichung der AEW-Schulden vorgelegt werden, was laut Klage ebenfalls nicht umgesetzt wurde.

In einem internen Schreiben warnte Winter im Dezember, dass die Plattform untragbar werde, falls AEW den Vertrag beenden oder TrillerTV kritische Zahlungsverpflichtungen nicht mehr einhalten könne. Man rechnete demnach mit Einbußen von 9 bis 12 Millionen US-Dollar pro Jahr allein beim US-PPV-Geschäft, was Rückschlüsse auf geschätzte PPV-Buy-Zahlen zuließ. Gleichzeitig wurde angegeben, dass TrillerTV zu diesem Zeitpunkt 32 Mitarbeitende mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 82.500 US-Dollar beschäftigte, die Personenzahl jedoch seitdem zurückgegangen sei.

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Bereits im Mai 2025 hatte AEW TrillerTV die Möglichkeit entzogen, die eigenen PPV-Shows in den USA live zu vertreiben, zugleich aber vorerst den Vertrieb außerhalb der USA erlaubt. Triller war seit 2019 über Jahre hinweg der einzige internationale PPV-Distributor für AEW, bis die Promotion weitere Partnerschaften unter anderem mit YouTube und PPV.com einging. In jüngerer Zeit wurde der Dienst AEW+ auf Triller eingestellt und durch den hauseigenen Service MyAEW ersetzt. Zudem darf Triller seit dem PPV Dynasty am 12. April keine AEW-PPVs mehr live verkaufen, sondern nur noch Aufzeichnungen nach Showende anbieten.

TrillerTV teilte gegenüber Post Wrestling mit, dass man die „schwierige Entscheidung“ getroffen habe, die Belegschaft leicht zu reduzieren, um besser zu den aktuellen Geschäftszielen zu passen, während die siebenjährige Zusammenarbeit mit AEW zu Ende gehe. Man betonte, dies sei keine Bewertung der Arbeit der betroffenen Mitarbeitenden, sondern eine Maßnahme zur Sicherung der langfristigen Stabilität des Unternehmens.

Gleichzeitig versucht TrillerTV, eine Zukunftsperspektive zu finden. Nach eigenen Angaben hätten drei Unternehmen konkrete Angebote zum Kauf von TrillerTV abgegeben. Besonders hervorgehoben wird ein Angebot von Fubo vom 10. Oktober 2025 über insgesamt 19,6 Millionen US-Dollar für TrillerTV und den Anteil an Bare Knuckle Fighting Championship (BKFC), aufgeschlüsselt in 16 Millionen US-Dollar für den BKFC-Anteil und 3,6 Millionen US-Dollar für TrillerTV. Triller-Group-CEO Ng lehnte das Angebot ab, da man den BKFC-Anteil nicht unter 64 Millionen US-Dollar verkaufen wolle. TrillerTV behauptet, diese Entscheidung sei ohne dokumentierten Boardprozess oder belastbare Marktanalyse getroffen worden. Weitere Interessenten wurden unter anderem aus dem Umfeld von Praetorian (einem Cybersecurity-Unternehmen), Anthem Sports (Muttergesellschaft von TNA), Source Digital, Offspin Ventura, Midas Atlantic und Critical Point genannt.

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Triller Group selbst hatte die frühere Plattform FITE TV für 51,4 Millionen US-Dollar übernommen. Vor der Übernahme durch Triller soll es Gespräche gegeben haben, in denen auch WWE als möglicher Käufer im Raum stand. Ex-Boardmitglied Bobby Sarnevesht verließ Triller im Mai und klagte später gegen Triller Group wegen angeblich nicht eingehaltener Zusagen, darunter das Versprechen, 500 Millionen US-Dollar an externem Kapital zu beschaffen. In diesem Verfahren verteidigte sich Triller Group nicht, sodass ein Versäumnisurteil erging. Sarnevesht fordert mehr als 500 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugunsten der Anteilseigner:innen.

Gegenüber Post Wrestling erklärte Triller-Group-CEO Wing-Fai Ng, man nehme die Berichte ernst und prüfe die rechtliche Angelegenheit sorgfältig, habe zum jetzigen Zeitpunkt aber keinen weiteren Kommentar.

Auch aus der Wrestling-Szene kommen Einordnungen. GCW-Promoter Brett Lauderdale, dessen Shows über Triller+ laufen, bezeichnete TrillerTV/TrillerTV+ als „im Grunde die frühere FiteTV-Plattform“, also den Wrestling-Bereich unter dem Dach von Triller, der operativ weitgehend unabhängig agiere. Das Kernproblem sei jedoch, dass die dort erwirtschafteten Einnahmen in die Kasse der Muttergesellschaft flössen, die diese Mittel nach eigenem Ermessen für andere Projekte nutze – teils zulasten der Verpflichtungen gegenüber Partnern wie AEW, GCW und weiteren Promotions. Er zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass ein Verkauf von TrillerTV und eine Fortführung der Plattform ohne die finanzielle Belastung durch die Muttergesellschaft möglich sein könnten.

Insgesamt zeichnen die vorliegenden Dokumente und Stellungnahmen das Bild einer stark belasteten Geschäftsbeziehung, in deren Mittelpunkt die Frage steht, ob und in welchem Umfang Triller Einnahmen aus AEW-Inhalten zweckentfremdet und damit vertragliche Pflichten verletzt hat. Über den weiteren Verlauf der Verfahren und mögliche Auswirkungen auf andere Wrestling-Partner, die ihre Inhalte über TrillerTV vertreiben, ist derzeit noch nichts Konkretes bekannt.

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