WWE kooperiert mit Front Office Sports: Fragen zur Unabhängigkeit der Berichterstattung
Am 17. März haben WWE und Front Office Sports (FOS) eine Partnerschaft bekannt gegeben. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen beide Seiten bei der kreativen Entwicklung und Umsetzung von Storytelling-Projekten rund um Premium Live Events wie WrestleMania sowie beim internationalen Wachstum von WWE kooperieren. Front Office Sports wird künftig Einblicke hinter die Kulissen großer WWE-Events auf der eigenen Website und über Social-Media-Kanäle geben, beginnend mit dem Aufbau zu WrestleMania.
FOS-CEO Adam White bezeichnete sein Unternehmen in der Ankündigung als führend in der Berichterstattung über das Sportbusiness und betonte, man freue sich auf die Zusammenarbeit mit WWE. Die Sportmedienlandschaft werde zunehmend von Ereignissen „abseits des Feldes“ geprägt, und diese Partnerschaft solle Fans ihren Lieblingsathletinnen und -athleten, Entertainerinnen und Entertainern sowie wichtigen Momenten auf neue Weise näherbringen.
Die Kooperation wirft allerdings Fragen zur redaktionellen Unabhängigkeit auf. Front Office Sports gehörte zu den wenigen medienübergreifenden Plattformen außerhalb der Wrestling-Bubble, die die Janel-Grant-Klage gegen WWE auch über die Ersteinreichung hinaus weiter verfolgt haben. Zudem sind Brandon Thurston (Wrestlenomics) und John Pollock (Post Wrestling) auf der FOS-Website als Autorennamen gelistet, auch wenn sie 2024 nur eine gemeinsame Story für FOS verfasst haben.
Im weiteren Kontext steht die Partnerschaft auch vor dem Hintergrund, dass WWE laut Bericht durchgesetzt haben soll, dass ESPN-Reporter Andreas Hale seine Praxis aufgibt, WWE PLE-Shows und einzelne Matches mit klassischen Schulnoten zu bewerten, während er UFC-Events auf der ESPN-Plattform weiterhin in dieser Form beurteilt. ESPN hatte seinerzeit betont, die Berichterstattung werde trotz der geschäftlichen Verbindung journalistisch unabhängig bleiben – eine Formulierung, die man theoretisch auch von FOS im Zusammenhang mit der neuen Kooperation erwarten würde.
Beobachterinnen und Beobachter sehen vor allem zwei Punkte kritisch: Zum einen, ob Thurston und Pollock künftig noch Beiträge bei FOS veröffentlichen und ob Front Office Sports weiterhin über die laufenden Klagen gegen WWE berichtet. Zum anderen, ob und in welcher Form AEW auf der Plattform künftig Thema sein wird. Bereits jetzt wird von Beteiligten aus der Branche die Sorge geäußert, dass eine kritischere oder tiefgehende Berichterstattung über WWE zugunsten eher PR-naher Inhalte zurückgedrängt werden könnte.
Die Skepsis speist sich auch aus früheren Erfahrungen mit Front Office Sports. 2021 veröffentlichte FOS einen Artikel über die Irritation des Sponsors Domino’s wegen des Einsatzes eines Kartonschneiders im Match Chris Jericho vs. Nick Gage bei AEW. Bereits im Vorfeld hatten Stimmen aus der Wrestling-Szene – unter anderem der Voices-of-Wrestling-Account – behauptet, WWE habe versucht, eine entsprechende Story in Mainstream-Medien zu platzieren. Das Online-Magazin Babyfaces vs. Heels berichtete später von einem Screenshot, aus dem hervorgegangen sein soll, dass ein Reporter eines großen Nicht-Wrestling-Mediums explizit erwähnte, von WWE wegen einer Berichterstattung zum Domino’s/AEW-Vorfall kontaktiert worden zu sein. Eine Sprecherin oder ein Sprecher von WarnerMedia hatte zu den damaligen Gerüchten und der Kontroverse keinen Kommentar abgeben wollen.
Eine Person, die für FOS geschrieben hat, brachte gegenüber dem Wrestling Observer die Bedenken vieler Medienschaffender auf den Punkt: Wer bei FOS an einer Recherche arbeite, müsse im Hinterkopf behalten, dass ein Beitrag im Zweifel kurzfristig zurückgezogen werden könnte. Aus dieser Sicht sei die Medienstrategie von WWE zunehmend durchschaubar: Kooperationen mit Plattformen wie FOS und ESPN, verstärkter Austausch mit wohlgesonnenen Medien (auch mit ehemaligen Klientinnen und Klienten von Nick Khan) und die Position zwischen Sport und Entertainment schaffen ein Umfeld, in dem das Unternehmen sich oftmals einer wirklich kritischen, unabhängigen Berichterstattung entziehen könne.
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2 Antworten auf „WWE kooperiert mit Front Office Sports: Fragen zur Unabhängigkeit der Berichterstattung“
@Blackswan
Ist für dich nur ein Problem, wenn Meltzer eine AEW-Show besucht, was? Wenn Journalisten, inklusive Meltzer, WWE-Shows besuchen, hab ich irgendwie noch gar nichts von dir gelesen.
Es würde mich aber interessieren, wo genau du die unterschiedlichen Maßstäbe siehst. Ich wünsche mir, dass du uns allen das doch einmal faktisch beweist. Sollte bspw. anhand der Bewertungen auf Cagematch doch ganz einfach sein. Gerne auch mit Zitaten von Dave Meltzer. OK, wir wissen alle, dass das niemals passieren wird, weil du es nicht belegen kannst und es nur das übliche Geblubber eines WWE-Fanboys ist, der es nicht erträgt, wenn viele seine Lieblingscompany als Mittelmaß ansehen.
natürlich wirft so eine Kooperation dann fragen auf. wie neutral kann diese dann berichten. trotzdem ist der Schachtzug von TKO nachvollziehbar und legitim. vorallem wenn man den so unwichtigen Konkurrenten aus Jacksonville hier Aufmerksamkeit wegnehmen kann..
typsche Aktionen von TKO, alle legitim aber eigentlich unnötig, weil AEW sie nicht einholen kann…. aber die Angst vor ein paar tausend potentieller Dollar, die man mehr einnehmen könnte und das wieder mal ein Wrestler sich gegen WWE und für AEW entscheiden könnte, scheint zu gross zu sein.
was auch nachvollziehbar und legitim ist, aber anders als das AEW Ding, dann doch sehr sehr grenzwertig…..das man hiermit… und ich denke der Punkt ist der Hauptgrund für die Kooperation….dann Grant Ding für die Öffentlichkeit etwas weniger transparent werden lässt…also von der Reichweite.
so zumindest nehme ich das auf, wenn ich den Text hier lese. wenn ein Medium, dass mit am meisten davon berichtet, plötzlich gar nicht mehr oder deutlich weniger und kürzer berichtet…..naja. aber so läuft das nunmal in der Wirtschaft, leider.