
thomas-giesen2026-interview-beitrag
Das größte Wrestling-Festival Europas, das wXw „16 Carat Gold“-Tournament, ist zwar vorbei, aber wir haben noch einige Interviews für euch im Gepäck.
Das zweiteInterview unserer 16 Carat Gold 2026-Reihe durften wir mit Thomas *Thommy* Giesen führen. Es wurde am 13. März 2026 aufgenommen.
Das ganze Interview könnt ihr euch auf YouTube ansehen oder in unseren Podcast-Kanälen anhören.
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Interview
Thommy Giesen ist schon lange Teil der deutschen Wrestlingszene. Seit 1999 ist er Ringsprecher und auch wenn er bei den allerersten wXw Shows nicht dabei war, ist er bereits kurz nach Start der Promotion als Ringsprecher engagiert worden und vor allem war er bei jedem einzelnen 16 Carat Gold-Turnier/-Wochenende mit dabei.
„Richtig ich hatte da ziemlich Glück, dass ich bis jetzt noch nie verhindert war, noch nie krank war und ansonsten steht das bei jedem, der irgendwie mit wXw und mit Wrestling generell zu tun hat, sowieso immer fest im Kalender. Also außer Weltuntergang und Krankheit kann da nicht viel dazwischenkommen. Dann ist man beim Carat einfach dabei und ich als Alterspräsident habe da das Glück, immer ganz vorne und direkt in der Mitte dabei sein zu dürfen. Und ich versuch so ein bisschen meine Streak zu halten, sozusagen.„
Der Aufstieg des „16 Carat Gold“
Auch wenn beim ersten Turnier nur etwa 100 bis 150 Zuschauer*innen, je nach Abend, anwesend waren, 2008 hatte sich das Carat schon verdoppelt. Richtig durchgestartet ist Carat dann in den 2010er Jahren.
„Also das sind so die herausragenden Jahre mit den bekannten Siegern, mit Walter irgendwann, wo das zwischen den Top Ten im Wrestling sozusagen, im europäischen Raum, immer hin und her ging. Wer wird jetzt Carat-Sieger? Wer wird sein Gegner im Finale und so weiter. Also ein bestimmtes Carat kann ich nicht sagen, aber die Zehnerjahre waren da definitiv die prägendsten. Das muss man sich wirklich so vorstellen, wenn man da noch nicht dabei war, dass das ganz langsam entstanden ist und sich aufgebaut hat.
Auf keinen Fall hatte irgendjemand die Idee, dass das mal dahin führt, wo das heute ist. Das ist auch heute noch schwer zu sagen, was da in den nächsten zehn Jahren daraus wird. Es ist immer so, dass es bei jedem Carat immer eine Entwicklung gibt und irgendwelche neuen Dinge gibt, irgendwelche Punkte, die wir wieder ganz neu machen und so war das in den Anfangstagen auch. Aus einer normalen Show mit dem Turnier als Inhalt ist das immer mehr gewachsen und gewachsen.“
Mit dem Turnier sind parallel auch die Wrestler*innen gewachsen. Viele, die zu Zeiten ihrer Teilnahme am 16 Carat-Turnier noch relativ unbekannt waren, sind heute große Namen im Business, wie z.B. Bryan Danielson, Seth Rollins oder Cody Rhodes. Auch wenn Thommy einen seiner liebster Werstler, Rick Flair, nicht gesehen hat, ist er immer noch erstaunt über die Namen, die er im Laufe seiner Karriere anmoderieren durfte.
„Ich denke absolut noch: krass, die waren dabei! Ich habe mal vor ein paar Jahren, einfach so aus Jux, weil mich immer wieder Fans oder Leute generell darauf angesprochen haben, ‚wen hast du denn schon alles angesagt?‘, eine Liste gemacht und es ist unglaublich, muss ich sagen, nicht nur bei wXw. Früher gab es noch sehr viel mehr etablierte kleinere Ligen, wo ich auch Ringsprecher war. Aber über die Jahre sind da echt große Namen zusammengekommen. Teilweise habe ich die nach ihrer großen Karriere angesagt, dann auch bei wXw oder aber eben viele Leute vor ihrer großen Karriere.
Das ist ja das Schöne an wXw oder am europäischen Wrestling generell, Indie-Wrestling, dass man Leute im Ring sieht, die die Stars von morgen sind. Das ist nicht nur so ein Spruch, sondern das, was wir mittlerweile oder das was wir teilweise früher als Spruch gemacht haben: ‚kommt hier hin, da seht ihr die Stars von morgen‘ – heute können wir das mit eindeutigen Fakten und mit Personen belegen.“
Highlights im 16 Carat Gold
Thommy hat in der Vergangenheit bereits regelmäßig betont, dass der Main Event vom zweiten Carat-Abend, also dort, wo meistens der World Wrestling Championship auf dem Spiel steht, etwas ganz Besonderes ist.
„Besonders die Titelmatches über zwanzig Jahre sind immer was Besonderes. Unsere Storylines laufen selbstverständlich auf diesen Abend hinaus. Ein besonderes kann ich da schwer rausheben, aber es stimmt tatsächlich, der Samstag ist so ähnlich wie der WrestleMania Main Event in Europa, möchte ich mal sagen. Also wer da in dem Match steht, der kann auf jeden Fall was vorweisen, was nicht viele auf der Welt können.“
Ein Match, was immer als Highlight in der wXw-Geschichte bezeichnet wird, ist das Comeback von Ilja Dragunov im Main Event von Nacht 2 in 2018, als Walter das Match zu einem Three-way Dance erklärt hat. Thommy war der Ringrichter des Matches.
„Diese Sache wusste ich bis zuletzt nicht. Das war für mich eine absolute Überraschung und das war ein genialer Moment einfach, weil die Leute haben mit allem gerechnet, mit sämtlichen Stipulations. Ich spreche immer gerne mit Fans, die dann zu der Show kommen und die haben sich die wildesten Sachen ausgedacht, aber dass dann ein Three-way daraus wird, da hat überhaupt keiner mit gerechnet. Und diese Szene wird auch immer wieder hervorgeholt. Also wenn du fragst nach einem bestimmten Carat-Moment fragst, ist das sicherlich einer der größten in der Geschichte des Carats, weil damit überhaupt keiner gerechnet hat.“
Die holprigen 2020er
Mit Corona hat auch 16 Carat Gold Ungewissheiten erlebt. 2020 im März war die Situation noch nicht absehbar und die Lage war undurchsichtig, trotzdem konnte Carat stattfinden. Das Jahr darauf musste das 16 Carat Gold zum ersten Mal ganz ausfallen, umso intensiver war auch das Carat 2022. Trotzdem merkt man, laut Thommy, die Auswirkungen der Pandemie bis heute.
„Ich möchte mal behaupten, dass wir erst jetzt so langsam wieder auf dem Niveau sind, wie von 2020, was Zuschauerzahlen und so weiter anbelangt, was den Standard anbelangt. Die letzten Jahre haben wir immer noch gestruggled und damit zu kämpfen gehabt, was uns die Pandemie da beschert hat. Es war da wiederum 2022 dann eher das Gefühl, endlich geht es wieder los.“
Das Carat-Wochenende (heute)
Auch wenn alle das Carat-Wochenende genießen, anstrengend ist es, auch für die Fans, aber insbesondere für die Crew.
„Von spät ins Bett kommen, am nächsten Tag wieder fit sein, Konzentration. Man muss ja gucken, dass man die Show gut über die Bühne kriegt. Alle Vorbereitungen, die man da so braucht, fängt an Wrestler nach Größe und Gewicht fragen, der ganze Ablauf, welche Besonderheiten gibt es und so weiter…das schlaucht über vier Tage, die ich dann tatsächlich mache, die die meisten von uns machen. Mittlerweile sind es sogar fünf Tage.“
Für die Stimme ist das natürlich anstrengend, verloren hat er sie noch nicht, aber Elijah Blum hat Thommy dieses Jahr an seine Grenze gebracht.
„Also ich höre mich dann am Montag wie ein Ofenrohr an. Das ist normal. Das gehört dazu und ich lasse mir das ja dann auch nicht nehmen, da bis ans Limit zu gehen. Ich habe diesmal beim Carat, wenn ihr euch das bei wXw now vielleicht noch mal anschaut, im Main Event die Ansage von Elijah Blum. Es ist ja immer ein Name, den man besonders gut und sehr lange aussprechen kann und ich habe schon zwei, drei Mal zu Leuten Backstage gesagt, das war mein Limit. Wenn ich eine Sekunde länger gemacht hätte, dann hättet ihr mich ohnmächtig am Ringboden gesehen. Also da ging nicht mehr als das. Ich bin da bis absolut an die Grenze gegangen, aber das ist halt Carat-Samstag. Da macht man sowas.“
Aber auch wenn es anstrengend ist, Thommy kann die Shows trotz Arbeitseinsatz genießen.
„Ich habe ja mit einen der besten Plätze da am Ring, nicht erste Reihe, aber ich hab immer sehr gute Sicht auf den Ring. Nein, ich genieß das total und ich bin dann auch in dem Match und denke dann nicht so viel darüber nach, was gleich kommt. Das ist natürlich auch ein Teil. Dann fällt mir nach ein paar Minuten etwas ein, ich muss dann überlegen, was als nächstes kommt, dann gucke ich mal so auf die Karten, dann überlege ich. Ich muss ja meistens so ein bis zwei Sätze zwischendurch sagen, irgendeine Überleitung oder sowas machen. Aber das ist nur ein kleiner Teil, also die große Zeit bei Carat oder generell bei Shows fiebere ich bei den Matches mit.“
Und nach Carat?
Am Ende, nach Carat, muss Thommy erst einmal herunterfahren, bevor er wieder ins normale Leben einsteigen kann.
„Der Abend nach Carat, der dauert immer noch ziemlich lange, obwohl man total kaputt ist. Man will nicht, dass das vorbei ist. Man will nicht, dass dieses Gefühl von ein paar tausend Menschen in der Halle, die dieses Festivalwochenende feiern, diese geniale Stimmung, dass das vorbei ist. Ich bin danach völlig fertig auf der Couch mit Fernsehen an oder irgendwelchen YouTube-Sachen an oder so. Ich komme da sehr, sehr, sehr schwer ins Bett. Das kann Stunden dauern, bis morgens, weil man das nicht loslassen will. Ich werde zum Glück immer gut aufgefangen von meiner Frau, dann wieder ins normale Leben zu kommen, aber der Abend nach Carat, man ist nach vier Tagen völlig fertig und ist auf der Couch und trotzdem, wenn man jetzt schlafen geht, dann ist Arbeit, normales Leben und Carat ist erst wieder nächstes Jahr. Das will man nicht loslassen.“
Das ganze Interview könnt ihr auf YouTube, iTunes und Spotify sehen bzw. hören. Die Links findet ihr oben.
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