
© AEW/TNA/WWE
Nielsen-Messmethode erneut überarbeitet: Wrestling-Ratings ziehen wieder an, Probleme in der Kernzielgruppe bleiben
Die jüngsten TV-Quoten mehrerer Wrestling-Shows in den USA zeigen spürbare Zuwächse – der Hintergrund liegt in einer Anpassung der Messmethode durch Nielsen. Wie das Branchenmagazin Variety am 26. Januar berichtete, hat das Unternehmen seine sogenannte „Big Data + Panel“-Methodik überarbeitet. Diese Änderung ist in der vergangenen Woche in Kraft getreten und fällt mit den besten Werten seit Monaten für mehrere Wrestling-Formate im klassischen Fernsehen zusammen.
Für SmackDown wurde in der werberelevanten Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen (P18-49) ein Rating von 0,29 gemessen – der höchste Wert seit dem 21. November 2025. AEW Dynamite erreichte mit 653.000 Zuschauenden die höchste Gesamtzuschauerzahl seit dem 17. September 2025 sowie ein P18-49-Rating von 0,09, den besten Wert seit dem 10. Dezember 2025. Auch die Ausgaben TNA iMPACT! vom 29. Januar 2026 (201.000 Zuschauende) und AEW Collision-Ausgabe vom 31. Januar 2026 (492.000 Zuschauende) erzielten die besten Werte seit langer Zeit. Laut Variety betreffen die Anpassungen offiziell den Kabelbereich, dennoch legte auch NXT auf dem Broadcast-Sender CW Network zu: Die Show kam mit 674.000 Zuschauenden auf die höchste Gesamtreichweite seit dem 14. Oktober 2025, das P18-49-Rating blieb mit 0,08 allerdings unverändert gegenüber der Vorwoche.
Die Anpassung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Verschiebungen seit dem Start der „Big Data“-Ära im vergangenen September. Damals wurde die kombinierte Messung aus klassischer Panel-Stichprobe und zusätzlichen Big-Data-Quellen zur maßgeblichen Währung für Werbedeals erklärt. Insbesondere die Zuschauerzahlen unter 50 Jahren waren daraufhin deutlich eingebrochen, während die Werte über 50 Jahre vergleichsweise stabil blieben. Interne Kritik aus mehreren großen Wrestling-Promotionen blieb zunächst weitgehend nicht öffentlich, um Nielsen nicht direkt anzugreifen. Eine Ausnahme bildete das CW Network, das gegenüber Wrestlenomics in einer ausführlichen Stellungnahme seine „tiefe Frustration“ über Prozess, Kommunikation und Methodik der Big-Data-Einführung ausdrückte und die starken Abweichungen bei den NXT-Zahlen im Vergleich zu langjährigen Mustern als nicht glaubwürdig bezeichnete.
Konkret sanken die NXT-Werte in der Zielgruppe 18–49 unter der neuen Methode um rund 30 Prozent. Auch SmackDown und AEW Dynamite verzeichneten Rückgänge von mehr als 20 Prozent. In einem Beispiel sank ein Dynamite-Rating von 0,14 (nur Panel-Messung) auf 0,08, wenn die Big-Data-Daten einbezogen wurden – ein Rückgang um 43 Prozent. Eine SmackDown-Ausgabe fiel im gleichen Vergleich von 0,29 auf 0,21, was einem Minus von 28 Prozent entspricht. Solche Verluste von 22 bis 30 Prozent und mehr würden sich direkt in gesunkenen Werbepreisen für Wrestling-Shows niederschlagen.
Am 26. Januar informierte Nielsen seine Kundschaft, dass man künftig Ergebnisse der DASH-Studie der Advertising Research Foundation in die Berechnung einfließen lasse. Die Advertising Research Foundation setzt sich für einheitliche Standards in der Werbe- und Medienforschung ein. Die DASH-Studie wird seit 2021 jährlich durchgeführt und liefert Daten zum Nutzungsverhalten von TV- und digitalen Medien. Laut Variety wurde erwartet, dass die Einbindung dieser Studie zu höheren Reichweiten für Broadcast- und Kabelsender und im Gegenzug zu niedrigeren Werten für Streaming-Plattformen führt. Nielsen erklärte in einem Statement, man sei verpflichtet, „die genauesten und relevantesten Daten“ bereitzustellen, und verwies auf die Akkreditierung der DASH-TV-Universumsstudie durch den Media Ratings Council (MRC).
Parallel dazu hatte die Branchenorganisation VAB in einer Analyse darauf hingewiesen, dass die neuen Big-Data-Daten insbesondere in den Kernzielgruppen 25–54, 18–49 und 18–34 sehr instabil seien – ein Effekt, der sich speziell Wrestling-Fans schon früh anhand der teils ungewöhnlichen Zahlen auffiel. Der MRC hatte zudem angeregt, unabhängige Quellen für die Schätzung der Medienuniversen zu nutzen, um die Repräsentativität zu verbessern. Bereits im September hatte Nielsen TV-Sendern nahegelegt, sich bei geschäftsrelevanten Entscheidungen nicht mehr auf die reinen Panel-Projektionen zu verlassen, sondern die kombinierten Big-Data- und Panel-Zahlen zu verwenden.
Für die Wrestling-Promotions haben die Veränderungen unterschiedliche Auswirkungen. Die deutlich gesunkenen P18-49-Werte treffen die WWE bei ihren Partnern CW und USA tendenziell etwas stärker, während AEW zwar ebenfalls Einbußen verzeichnet, aber beim Rechtepartner Warner Bros. Discovery (WBD) seit einiger Zeit verstärkt die Zielgruppe 25–54 im Vordergrund steht. Dort gelten 50- bis 54-Jährige teilweise als wertvoller als 18- bis 24-Jährige, die weniger Einkommen und geringere TV-Nutzung aufweisen. In vielen Märkten, etwa in Kanada, ist 25–54 die zentrale Werbedemo.
Die ersten Zahlen nach der jüngsten Anpassung zeigen nun deutliche Zuwächse bei den Zuschauenden über 50 Jahren, während die Steigerungen unter 50 deutlich kleiner ausfallen. So gewann AEW Dynamite im Vergleich zur Vorwoche lediglich rund 15.000 Zuschauende in der Zielgruppe 18–49 hinzu, während die Gruppe über 50 Jahre um etwa 146.000 Personen anwuchs. NXT legte in 18–49 um rund 6.000 Zuschauende zu, in der Altersgruppe 50+ jedoch um etwa 60.000. SmackDown bleibt trotz der methodenbedingten Einbrüche weiterhin die mit Abstand meistgesehene wöchentliche Wrestling-TV-Show.
In der Summe deuten die ersten Daten darauf hin, dass die Integration der DASH-Studie die negativen Effekte der Big-Data-Umstellung auf die Gesamtzuschauerzahlen teilweise ausgleicht, die Schäden in der für Werbekunden wichtigsten Zielgruppe 18–49 aber kaum korrigiert. Für die Sender bedeutet dies, dass die Wahrnehmung einer wieder steigenden Reichweite nur eingeschränkt in einer höheren wirtschaftlichen Bewertung der Wrestling-Formate ankommt. Bei AEW relativieren die gestiegenen 50- bis 54-Zahlen die bisherigen Verluste aus Sicht von WBD etwas, während die Gesamtbewertung des Produkts zunehmend auch von den – nicht öffentlich bekannten – Streamingzahlen bei HBO Max abhängt. Laut Bericht könnte sich dieses Bild im Sommer erneut verschieben, wenn WBD und HBO Max organisatorisch getrennt werden und der Streamingdienst in ein eigenständiges Unternehmen mit neuem Eigentümer übergeht, nach Einschätzung des Artikels voraussichtlich Netflix.
Quellen: Variety, Wrestlenomics, Wrestling Observer
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1 Antwort auf „Nielsen-Messmethode erneut überarbeitet: Wrestling-Ratings ziehen wieder an, Probleme in der Kernzielgruppe bleiben“
Bald gucken in den USA mehr Menschen TV als es Einwohner gibt. 😊