»Irgendwie bin ich da reingerutscht, das definiert so ein bisschen meine Karriere.« Nick Schreier im großen Wrestling-Infos.de Exklusivinterview! – 16 Carat Gold 2025 Special

19.02.25, von Benjamin "Cruncher" Jung

nick schreier interview beitrag

Wir befinden uns wieder auf dem Weg zum größten Wrestling-Festival Europas, dem wXw „16 Carat Gold“-Tournament. Vom Freitag, 7. März, bis Sonntag, 9. März 2025, präsentiert die wXw ihr alljährliches Wrestling-Festival, natürlich mit dem namensgebenden Turnier, aber auch vielen weiteren Veranstaltungen. Als offizieller Sponsor des Events haben wir von Wrestling-Infos.de wieder die Möglichkeit erhalten, einige der Teilnehmer*innen zu befragen.

In unserem dritten Interview durfte Katha mit Nick Schreier sprechen. Der junge Wrestler beantwortet Fragen dazu, wie er Wrestling begonnen hat, wie „Hardcore Nick“ zum Leben erwacht ist und über welchen Sieger er sich beim Carat freuen würde. Viel Spaß beim Sehen, Lesen oder Hören!

Anmerkung: Das Interview wurde am 10. Februar aufgezeichnet.

Lest, hört und schaut auch gerne in unsere anderen Interviews und Podcasts, welche im Rahmen des „16 Carat Gold 2025“ stattfinden, rein:
    
   

Transkript

Katha (Wrestling-Infos.de): Hallo Liebe Wrestling-Fans, mein Name ist Katha von wrestling-infos.de und bei mir ist Nick Schreier, manchmal auch als Hardcore Nick unterwegs. Wie geht’s dir? 

Nick Schreier: Erstmal danke für die Einladung. Mir geht es sehr gut. Ich bin gerade zu Hause eingetrudelt und jetzt bin ich bereit fürs Interview. Bin gespannt.

Katha: Wir befinden uns auf dem direkten Weg zum 16 Carat Gold-Wochenende. Auf was freust du dich denn am meisten? 

Nick Schreier: Aufs komplette Carat-Feeling, auf dieses Festival Feeling. Es ist immer wie – wir haben gesagt – wie ein Klassentreffen, bloß, dass es auf die Fresse gibt. Das ganze Drumherum ist einfach cool, ist jedes Mal ein cooles Erlebnis. Es ist jetzt nicht speziell ein Match, sondern einfach dieses ganze Drumherum. Vom Privaten einfach nur, sagen wir mal, in diesem Festival-Vibe einfach mal Kopf ausschalten und drei Tage, vier Tage Wrestling genießen. Genau, darauf freue ich mich am meisten.

Katha: Das Glück war beim Qualifier zwar nicht auf deiner Seite, aber wer wäre denn dein/deine Traumgegner*in gewesen? 

Nick Schreier: Ich glaube, wegen der Historie: Laurance Roman, auf jeden Fall, weil einer meiner größten Mentoren sozusagen. Das wäre schon ein cooles Ding. Wir haben schon mehrfach bei wXw oder Catch Factory gegeneinander gekämpft. Ich glaube, das wäre für mich so das schönste, wenn es geklappt hätte. Aber Fast Time Moodo war an dem Tag der bessere.

Katha: Nächstes Jahr vielleicht. Ist so dein nächstes größeres Ziel, bei Carat zu sein? 

Nick Schreier: Nicht nur Carat, vielleicht, wenn es klappt, auch ein anderes Festival. Das Tag Team Festival wird es in dem Rahmen nicht mehr geben, aber vielleicht irgendwie – auf jeden Fall als Festivalteilnehmer an einem Festival bei wXw mitzumachen. Das wäre schon das nächste Goal. Aber, wenn ich mich aufs Carat fokussieren würde, dann sowieso. Also das wäre natürlich eine große Herausforderung, worauf ich übelst Bock hätte. Ja, mal gucken, wo die Reise hingeht.

Katha: Was wäre denn dein Tipp für den Sieger oder die Siegerin dieses Jahr? 

Nick Schreier: Mein Tipp. Ich würde es Axel Tischer am meisten gönnen. Dem fehlt noch dieser eine Punkt im Karrierehöhepunkt. Ich glaube, das wäre, auch weil er einer meiner Trainer ist, natürlich, aber es wäre, so vom ganzen Allround das coolste.

Katha: Es ist ja dein zweites Carat-Jahr, zumindest als Teilnehmer. Was war denn so dein Lieblingsmoment an dem letzten Carat-Wochenende? 

Nick Schreier: Von mir selber oder so generell.

Katha: Beides gerne. 

Nick Schreier: Ist schwierig. Ich würde es unterteilen und einmal, bei mir persönlich, war natürlich das ECW-Match mit Masato Tanaka eine große coole Sache, auf die ich gerne noch zurückschaue. Und so generell in diesem Kosmos dann der Gewinn von Lauri vom 16 Carat. Das sind, glaube ich, so diese zwei Sachen, die immer in meinem Kopf drinnen bleiben werden.

Katha: Ein Schelm, wer Böses denkt. Ich wollte vielleicht auch die Überleitung machen zu dem ECW Rules Match mit Masato Tanaka. Wie kam das denn zustande? 

Nick Schreier: Durch eine dummen Zufall tatsächlich. Es gab ja einige Verletzte an dem Wochenende letztes Jahr und da bin ich sozusagen eingesprungen und habe dann, glaube ich, einen guten Job gemacht, dass einfach dann das wXw-Office, und die Fans vor allem, das so gut fanden, dass da jetzt ein Charakter, eine Charaktergeschichte draus geworden ist, mit Hardcore Schreier und allem drumherum. Und ja, irgendwie bin ich da reingerutscht, so das definiert so ein bisschen meine Karriere. Ich habe das schon mal in einem anderen Podcast erzählt, also, dass ich irgendwie immer reinrutsche und dann doch einen guten Job mache und dass das irgendwie meine Karriere definiert bisher.

Katha: Wie war das denn für dich, in diesem Match zu stehen? Hast du viel drüber nachgedacht oder einfach gemacht, weil das so spontan war?

Nick Schreier: Ich habe davor viel nachgedacht. Ich weiß noch, weil es das erste Hardcore ECW Relaxed Rules Match gewesen ist, was ich je gearbeitet habe und das ist natürlich ein komplett anderes Match, wie ich sonst hatte. Sonst waren es normale Matches, Tag Team, was auch immer. Aber gerade mit Wrestling-Gimmicks beziehungsweise Wrestling mit Kendo Sticks, mit Stühlen, allem drumherum, alles was dazu gehört, war natürlich noch mal eine andere Herausforderung, mit der ich erstmal klarkommen musste und mich ein bisschen mental drauf vorbereiten musste. Ich bin dann einfach mit Masato Tanaka zu seiner Musik raus und dann war ich im Moment gefangen, und war im Tunnel sozusagen.

Katha: Hattest du dich denn vorher mit ECW und Masato Tanaka auseinandergesetzt gehabt? 

Nick Schreier: Ja, auf jeden Fall. Als Masato Tanaka angekündigt wurde, das war schon so, oh krass, der kommt nach Oberhausen. Ich habe seine Matches bei ECW geschaut gegen Mike Awesome oder wen auch immer. Also das waren coole Sachen, die er damals schon gemacht hat und generell, also ECW war für mich immer ein Begriff und ich habe auch paar Sachen angeschaut. One Night Stand 2005 und so, also die ganzen Classics würde ich mal behaupten. Aber dann, mit diesem neuen Charakterzug, sozusagen, von meinem Wrestling-Charakter habe ich mich jetzt dann noch mehr damit befasst und bin bisschen mehr in die Tiefe gegangen, oder musste in die Tiefe damit gehen, dass es bisschen organisch bleibt oder wird.

Katha: Hast du dich dann auch mit der Hardcore Wrestling-Geschichte von wXw auseinandergesetzt? Also den alten Matches von Thumbtack Jack und so? 

Nick Schreier: Tatsächlich eher weniger. Das ist noch, sagen wir mal, eine härtere Schiene, die sie damals gefahren sind, im Bereich Deathmatch Wrestling. Was mich tatsächlich auch nicht wirklich interessiert, was nicht meine Art von Wrestling ist. Aber eher so, dann doch die, sagen wir mal, mainstream-artigeren Dinge wie ECW oder WWE Hardcore Events oder was auch immer. Genau damit habe ich mich am meisten beschäftigt.

Katha: Was wäre denn so ein typisches Hardcore Match, was du gut findest oder was mit dir „viben“ würde? 

Nick Schreier: Was mit mir viben würde? Also, was schon stattgefunden hatte oder was?

Katha: Ja.

Nick Schreier: Ne gute Frage. Sandman gegen Tommy Tuner von 19…wann war es 97? Und Rob Van Dam gegen Jerry Lynn, das war tatsächlich auch ein sehr cooles Match.

Katha: Okay interessant. Du hast auch gesagt, die ganz harte Schiene würdest du nicht gehen. Was würdest du denn in einem Hardcore Match niemals einsetzen wollen? 

Nick Schreier: Als ich bei GCW in Oberhausen den Rasentrimmer gesehen habe, war mir da dann doch etwas zu viel und ich glaube, solche Objekte wären mir zu krass. Auch, wie heißen die Dinger? Neonröhren, Neonlichter. Das wäre, glaube ich – auch schon oder Glas generell, das wär nichts für mich.

Katha: Also wenn Hardcore Nick bleibt, dann eher auf der Schiene, die du bis jetzt gefahren wirst? 

Nick Schreier: Richtig, richtig.

Katha: Ist es denn etwas, was du tatsächlich so unterscheidest – du hast quasi zwei Gesichte? Oder könnten die sich zu was Neuem verbinden? Ist da irgendwas geplant? 

Nick Schreier: Na ja, das ist ja sozusagen – jetzt ist es noch diese andere Fassade von meinem Charakter, der gebraucht wird, wenn es nötig ist. Aber ich versuche jetzt keine billige Kopie von Sandman oder wem auch immer zu sein, sondern meinen eigenen Touch reinzukriegen in den Charakter. Und ich will auch tatsächlich den Charakter nicht so oft benutzen, weil irgendwann haben sich auch die Leute daran satt gesehen. Soll schon was Besonderes bleiben, gerade bei Back to the Roots oder bei Extreme Wrestling Party hat es gepasst, aber es muss jetzt auch nicht in jedem Match sein.

Katha: Was denkst du denn, welcher Wrestlingstil passt am besten zu dir oder worin fühlst du dich am wohlsten? 

Nick Schreier: Gerade schon in den Techniker-, High Flying-Sachen auf jeden Fall. Da zeige ich gerne meine Aktion, da fühl ich mich wohl, da weiß ich, was ich kann. Ich kenne meine Grenzen auch im Highflying-Bereich und versuche, so viel wie möglich noch zu catchen ohne dumme Unfälle. Und habe so in den letzten Jahren so ein bisschen meinen eigenen Stil entwickelt, wo alles so ein bisschen reinkommt. Genau.

Katha: Du hattest vor vier Jahren dein Debüt, richtig? 

Nick Schreier: Ja, genau.

Katha: Siehst du dich denn noch als Rookie?

Nick Schreier: Rookie, das ist so immer so ein Begriff, den die Leute gerne benutzen. Gerade im internen Bereich: ab hundert Matches ist man kein Rookie mehr. Ich habe erst einen Podcast gehört von Kurt Angle, der meinte, ab dem vierten, fünften Jahr versteht man Wrestling langsam. Und ich glaube, ich bin gerade in diesem Prozess dabei, nicht mehr diese Rookie-Fehler, sozusagen, zu machen. Es kommt auch immer auf die Erfahrungen an. Es gibt auch Wrestler, die sind seit zehn Jahren dabei, haben keine hundert Matches, also das ist immer so ambivalent. Aber jetzt generell würde ich einfach behaupten, von meiner Erfahrung her, bin ich kein Rookie mehr oder würde mich nicht mehr auf diesen Status setzen.

Katha: Dann springen wir mal gedanklich zurück zum Rookie-Sein. Du hast in der Pro Wrestling School Dresden trainiert. Bist du da einfach hingegangen zum Testen oder stand für dich da schon fest „Hey, ich will Wrestler werden“? 

Nick Schreier: Es bestand irgendwie schon immer seit meiner tiefsten Kindheit der Wunsch, dass ich das mal ausprobieren will und bin dann zum Carat 2019 gefahren und fand das dann, dieses Event generell, das Festival, so cool, dass ich dachte, komm, jetzt bist du achtzehn, jetzt hast du ein Auto, fährst du aus dem Erzgebirge einfach mal hoch nach Dresden. Und dann bin ich dort hingefahren in die Pro Wrestling School Dresden. Und da war ich direkt geflasht und der Sport hat mir so gut gefallen, dass ich gleich geblieben bin, sozusagen. Und ja, so hat sich das dann irgendwie entwickelt.

Katha: Wer war dein größter Einfluss am Anfang? 

Nick Schreier: Ich würde schon sagen Lauri, auf jeden Fall. Auch muss man sagen Franz Engel, der mir am Anfang die Grundschritte gezeigt hat, aber dann, wo es dann mehr in die Tiefe ging, war dann auf jeden Fall Lauri die große Nummer sozusagen, wo ich auch immer Feedback geholt habe, wie wir das machen, genau.

Katha: Und in der wXw Academy hast du ja auch zwischendurch trainiert, richtig? 

Nick Schreier: Ja, eher so als Stay für eine Woche. Das kam glaub ich am Commentary immer ein bisschen so rüber, als wär ich so ein wXw Academy-Guy, aber tatsächlich war ich immer nur in der Pro Wrestling School Dresden und bin zu den Academy Shows rübergefahren, als es dann gepasst hat von der Erfahrung her oder habe da mal einer Woche oder zwei Wochen dort verbracht. Aber für einen längeren Zeitraum war ich da nie.

Katha: Ist es denn von Vorteil unterschiedliche Stile des Trainings zu haben oder ist es eher schwierig zu kombinieren? 

Nick Schreier: Nee, das ist sehr praktisch. Das würde ich auch jedem empfehlen, egal in welcher Wrestling-Schule man ist. Den Einfluss von Lauri, Axel [Anm.: Tischer] oder von Robert [Anm.  Dreissker] zu bekommen, unterschiedlichen Eindrücke, Erfahrungen, Feedbacks oder die, wie sagt man, Sichtweisen auf das Wrestling zu bekommen. Das hilft auf jeden Fall sehr, seinen eigenen Stil zu erkennen, was für einen richtig ist und was falsch ist. Der eine Trainer, sagen wir mal, in Berlin oder in Hamburg sagt A oder B und in Gelsenkirchen wird C gesagt und du findest da so deinen Mittelweg. Das ist, glaube ich, eine wichtige Erfahrung, die man macht. Man muss aber erst mal am Anfang lernen, dass nicht jeder Trainer alles kann, in dem Sinne, und, dass es gut ist, sich überall auch über Seminare oder was auch immer, überall sein Wissen ranzukriegen.

Katha: Wie war für dich der Sprung dann in richtige Matches? Wusstest du irgendwann einfach, dass du bereit bist oder wurde dir das von außen zugetragen? 

Nick Schreier: Ich war nie in meinem Kopf schon bereit richtige Wrestling-Matches zu machen, weil ich einfach noch gar keine Vorstellung hatte, wie das ist. Wir hatten aber dann zum Glück im geschützten Rahmen, hatte ich, dann die Möglichkeit, meine ersten Matches zu machen. Gerade von unserer Wrestling Schule aus. Die haben bei den Harley Days veranstaltet, wo kaum Wrestling-Publikum da war, wo man einfach sich mal ausprobieren konnte und das hat gut funktioniert und das hat mir ein bisschen Sicherheit gegeben. Und da habe ich dann auch gleich sozusagen meinen Fühler nach Außen ausgestreckt, bin auf Tour mitgekommen mit Axel oder Lauri oder bin selber in die Academy rübergefahren, um mir da einfach Erfahrungen anzueignen und einfach so viel zu wresteln wie möglich. Gerade in den ersten Jahren ist das super sinnvoll, Erfahrungen sammeln, weil, was nützt dir das ganze Training – man kann drei, vier Mal die Woche zum Wrestling-Training, aber am Ende hat man keine Matches. Das bringt einen Punkt weiter, aber irgendwann stagniert man da und deswegen wollte ich direkt gleich hundert Prozent geben, oder habe direkt hundertfünfzig Prozent, gegeben und bin direkt überall hingefahren.

Katha: Dieses da zu sein und mitzufahren, habe ich schon von vielen gehört, dass das Nonplusultra ist. Denkst du, dass es die unterscheidet von denen, die auf einem kleineren Level bleiben und dann nicht eben die größere Ligen oder zu wXw schaffen? Weil die sich so engagieren?

Nick Schreier: Ich würde jetzt gar nicht sagen, die engagieren sich nicht. Manchmal wird es auch gar nicht so gepredigt. Bei uns im Training wurde es gepredigt: Fahrt überall hin, wo ihr könnt. Manche wollen auch nicht, dass die eigenen Schüler irgendwo anders hinkommen, weil sie vielleicht dann merken, bei uns ist es gar nicht so geil oder die Qualität entspricht gar nicht so, wie es sein sollte, und dann entsteht ein Hinterfragungsprozess der eigenen Wrestling-Schule. Jeder kann in Deutschland eine Wrestling-Schule eröffnen, aber das spricht ja nicht direkt für Qualität. Ich habe schon von vielen Menschen gehört, oder von vielen Rookies, Wrestlern, was auch immer, dass die erst mal aus ihrer eigenen Komfortzone oder aus ihrer eigenen Bubble raus sind und gemerkt haben, okay hier spielt ein ganz anderer Rhythmus und der andere Rhythmus gefällt uns auch und davon wollen wir mehr. Das ist auf jeden Fall, wie du schon sagst, das Nonplusultra sozusagen, was ich auch wie gesagt jedem empfehle, einfach unterwegs sein. Wenn irgendwo ein Autoplatz frei ist, einfach mitfahren oder selber fahren, wie auch immer. Genau. Es kommt auch natürlich immer auf die Situation drauf an.

Katha: Du hast vorhin gesagt, bei dem Match mit Masato Tanaka, du hattest viele Situationen, in die du einfach reingerutscht bist. Hast du denn das Gefühl, dass dieses „Reinrutschen“ dir persönlich oft passiert? 

Nick Schreier: Tatsächlich ja. Meine ersten Matches waren immer so. Ich bin irgendwie nach Kiel gefahren, einfach um mit unterwegs zu sein, um mir eine Wrestling Show anzuschauen und dann wurde ich gefragt, ey, hast du eine Wrestling-Klamotten mit, denn jemand ist ausgefallen. Du bist jetzt in einem 4-Way, wenn du deine Gear hättest. Ich so OK, ja passt, machen wir so. Und so hat es auf jeden Fall meinen Anfang meiner Karriere definiert.

Katha: Was war denn bis jetzt dein Bestes „reingerutscht“? 

Nick Schreier: Also das ECW-Match natürlich. Und was noch? Ich weiß nicht mehr welches Match – mein Match gegen Erkan Sulcani bei GWF. Da hatte ich das erste Mal ein GWF Maincard Spot. Das fällt mir jetzt gerade spontan ein. Genau, ich war einfach da, zum richtigen Zeitpunkt. Oder bei Maximum in Kiel einen 4-Way gehabt gegen Heisenberg und Michael Knight und – ich weiß nicht mehr wer der Vierte war, aber egal.

Katha: Es gibt auch viel Etikette im Wrestling. Gibt es da auch Fettnäpfchen, in die man automatisch tritt, wenn man Rookie ist? 

Nick Schreier: Ja, ich würde schon sagen, es gibt viele Fettnäpfchen, in die man reintreten kann. Ich glaube, in jeder professionellen Wrestling-Schule wird einfach gelehrt, da auf die Etikette zu achten. Einem wird beigebracht, wie man sich zu verhalten hat, Backstage, wie auch bei einer Show, und ich glaube, wenn man danach geht – und es kommt auch tatsächlich immer drauf an, wie alt die Person ist. Jeder, der mit fünfzehn anfängt Wrestling zu machen oder mit sechszehn oder frisch achtzehn ist, kann mit dieser noch nicht vorhandenen Reife, wie bei einem Dreißigjährigen, kann schnell ein Fettnäpfchen mitnehmen. Ich war da auch so ein Patient, muss man so sagen. Ich habe da mal das ein oder andere Fettnäpfchen mitgenommen, aber ich habe mich da zum Glück immer rausbekommen, oder musste nicht rausgenommen werden. Es ist immer alles gut gegangen. Aber man merkt natürlich einen Unterschied zwischen einem achtzehnjährigen Rookie und einem, der erst später angefangen hat, der einfach menschlich schon viel weiter oder seine Persönlichkeit viel weiter ist. Dieser ganze Wrestling-Prozess ist nicht nur rein sportlich eine Sache, es ist auch eine Lebensschule. Also, wenn man permanent on Tour ist, man muss sich irgendwie selber verwalten, man muss sein privates Leben auch noch irgendwie unterkriegen. Also es ist eine komplette Lebensschule.

Katha: Was ist denn die größte Lektion aus dieser Lebensschule für dich bisher? 

Nick Schreier: Dass Freundschaften schneller kaputtgehen, als man denkt. Also gerade als es anfing, jede Woche irgendwo rumzureisen, dann ist es halt so, dass Freundschaften, wo man dachte, die werden mein ganzes Leben halten, die waren schneller kaputt oder man hat den Kontakt schneller verloren zueinander, wie man dachte. Auch mein Umzug nach Dresden zum Beispiel, fürs Wrestling, hat natürlich da auch noch mal diese ganze Situation gefördert. Aber ich glaube, so einfach, es gibt wenige Menschen, die das akzeptieren und man muss dann einfach diese Menschen für sich für immer behalten, weil die das sozusagen mit dir aushalten.

Katha: Wenn du noch mal beginnen könntest, was würdest du anders machen? 

Nick Schreier: Anders machen? Ich glaube, ein Kampfsport-Hintergrund wäre praktisch, um Wrestling vielleicht zu beginnen, aber es ist jetzt auch schwierig. Ich habe keinen Kampfsport-Hintergrund gebraucht, um gut da reinzurutschen, aber ich glaube so einfache Basics von einer Kampfsportschule mitzubekommen, vorher, und dann ins Wrestling zu gehen, das könnte noch mal ein paar Sachen verschnellern. Aber jetzt in meiner Situation, ich bin so happy, wie das bisher alles gelaufen ist, bin verletzungsfrei um alles drumherum gekommen, habe so viel gewrestelt, wie nur ging, auch in meinem ersten Jahr. Das waren glaube ich vierzig Matches oder so. Da weiß ich jetzt gerade keinen Verbesserungsvorschlag. Tatsächlich bin ich super happy, wie das bisher so gelaufen ist und ich hoffe es wird auch weitergehen.

Katha: Du sprichst die Zukunft an, da würde ich auch gerne noch mit dir drüber reden. Du hast zwar auch in Polen und Tschechien gewrestlelt, aber du warst schon hauptsächlich in Deutschland unterwegs. Was wären denn so andere Länder, in denen du unbedingt wrestlen möchtest? 

Nick Schreier: In England auf jeden Fall würde ich gern mal und in Irland und natürlich in Amerika, weil dort der große Markt ist. Welche Ligen weiß ich jetzt tatsächlich nicht. Ich glaube, das sind die drei Länder, wo ich einfach mal reinschnuppern möchte. Mal gucken, wo die Reise hingeht. Wir schauen es. Also ich will nichts erzwingen, weil dann wird es eh nichts.

Katha: Hast du denn irgendwelche Pläne nach dem Carat?

Nick Schreier: Nach dem Carat? Na ja, wir fliegen mit unserer internen Wrestling-Gruppe nach Las Vegas fürs Wrestlemania-Wochenende und vielleicht, wenn wir Glück haben, weil da alle Formen von Wrestlern sind, rutschen wir irgendwo wieder rein und dann klappt das. Aber mal gucken. Also jetzt ist noch nichts geplant. Ich kann auch nichts ankündigen. Ich würde mich freuen, wenn ich was ankündigen könnte, aber leider noch nicht.

Katha: Um das Interview abzuschließen, ich habe noch ein paar etwas kürzere Fragen für dich und zwar: 3 Worte um dich zu beschreiben?

Nick Schreier: Fröhlich. Empathisch. Mhm. Wissbegierig.

Katha: Was ist dein Lieblingsmatch? 

Nick Schreier: Mein Lieblingsmatch? Was ich live gesehen hab oder generell?

Katha: Generell. 

Nick Schreier: Warte, aber trotzdem live gesehen habe, ich glaube es war Ilja Dragunov gegen Walter 2017 beim Carat.

Katha: Und dein Lieblingsmatch, was du bisher hattest?

Nick Schreier: In der Catch Factory, würde ich jetzt mal behaupten, gegen Laurance Roman.

Katha: Und dann, wie folgt man dir am besten, deiner Karriere, dem, was du so tust? 

Nick Schreier: Am besten auf Social Media oder verfolgt wXw oder alle deutschen Ligen, wo ich aktiv bin. Instagram unter @nickschreier, glaube ich und bei x, oder Twitter wie man es auch immer nennt, unter @nickschreier.

Katha: Ich verlinke deine Social Medias. Ok, hat wirklich Spaß gemacht mit dir zu reden. Vielen Lieben Dank. 

Nick Schreier: Danke auch.

Katha: Und an alle anderen, die zuschauen, schaut euch unbedingt auch unsere anderen Interviews an, die wir im Rahmen des 16 Carat Gold-Wochenendes gemacht haben und noch machen werden. Und ja, bis zum nächsten Mal. Macht es gut. Tschaui.

 

 

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