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Buchrezension – Adam Copeland on Edge von Adam Copeland

20.02.23, von Benjamin "Cruncher" Jung

Autor: Adam Copeland | Titel: Adam Copeland on Edge
Verlag: WWE | Erscheinungsdatum: 2. November 2004
Seitenanzahl: 265 | Sprache(n): Englisch

 

Buchrückseite

Adam Copeland on Edge is what the author describes as “a mental picture.” It’s also a dream—“one of many”—that he decided to realize while at home convalescing from potential career-ending neck surgery. And it’s a journey that explores not only his life but also his innermost thoughts.
[…]
You think you know Edge? Then read on….

 

Autor

Adam Copeland, der unter seinem Ringnamen Edge bekannt ist, ist ein kanadischer Wrestler und auch als Schauspieler tätig. Die meiste Zeit seiner aktiven Wrestlingkarriere stand er bei WWE unter Vertrag. Zwischenzeitlich war er für acht Jahre verletzungsbedingt „retired“.

 

Inhalt

In „Adam Copeland on Edge“ beschreibt Adam Copeland seinen Weg zum Wrestling bis zu seiner Verletzung 2002/2003, die er sich bei einem Ladder-Match zugezogen hat und ihn ein Jahr pausieren ließ. Dabei beginnt er mit seiner frühesten Kindheit und erzählt chronologisch die Ereignisse. In dem Buch finden sich viele Anekdoten zu seinen Wrestling-Anfängen, zu den WrestlerInnen, die ihn auf seinem begleitet habe, wie Christian und Rhino, aber auch viel Backgroundinfo zu dem Start seiner Karriere bei WWE, wie Matches zustande kamen, wann er von Titelgewinnen erfahren hat und wie die Zusammenarbeit mit anderen Wrestlern war, z.B. den Hardy Boys.

 

Zitate

“It just happens that around this time another kid (one month younger, to be exact), names Jason Reso, had stumbled upon wrestling in the neighboring town (actually more like hamlet) of Grand Valley.”

„The power lines had frozen. This meant no heat, in a school gym with no sleeping bag…did I mention it was-minus 72 outside! I got two words for ya, and they are not Degeneration X’s ‘Suck it,” they uh and oh.”

“Suring a Six Man Tag match with Undertaker, Rikishi, and myself against Eddie, Kurt, and Benoit, I shoved Eddie’s face so far up Rikkishi’s ample rump that he was tickling my tonsils. The following week, I inserted Eddie’s face into his nephew Chavo Guerrero’s gluteus maximus.”

 

Rezension

„Adam Copeland on Edge“ ist ein sehr ungefilterter Blick auf Edges Karriereanfang. Er beginnt in seiner frühen Kindheit und erzählt, wie seine Liebe für Wrestling entstanden ist, wie er sich dafür entschieden hat Wrestler zu werden und welche Schritte er dafür gehen musste. Vor allem die Jahre, in denen er in den Indies unterwegs war und viel einstecken musste, beschreibt er sehr detailliert. Seine Karriere bei WWE beschreibt er etwas fokussierter auf die Highlights beschränkt, geht da aber auch in Details wie Booking-Entscheidungen und wie Matches zustande gekommen sind ein. Dazwischen gibt es eine Menge an Anekdoten zu Ereignissen aber auch zu anderen Wrestlern, wie Christian, Rhyno, Kurt Angle und den Hardy Boys.

Dieser ungefilterte Blick macht das Buch zum einen aus, zum anderen auch etwas schwierig zu lesen. Man merkt, dass er keinen Ghostwriter hatte und dass der Lektor, der drüber geschaut hat, viel vom O-Ton erhalten wollte. Der Erzählung an sich, also seiner Karriere, kann man ganz gut folgen, da er chronologisch erzählt, aber bei den Anekdoten hätte man manchmal dabei sein müssen, um sie zu verstehen. Edge schafft es einen nicht immer abzuholen und die Situation anschaulich zu erklären. Sein Humor ist auch sehr speziell und wird sicher nicht jeden abholen. Das liegt zum Teil auch daran, dass er die Person Adam Copeland mit dem Charakter Edge vermischt. Das macht es an vielen Stellen auch schwierig dann herauszufinden, was sich wirklich abgespielt hat, vor allem seine WWE-Zeit betreffend.
Gleichzeitig hat er aber ein Gefühl für gut platzierte Bilder, wenn es ums Wrestling bzw. Matches an sich geht. Auch wenn man diverse Events und Momente seiner Karriere nicht mitterlebt hat, schafft er es sehr gut ein Setting zu setzen und den Leser in das Publikum zu holen.

Beim Schreibstil merkt man das Ungefilterte auch. Das Buch ist so geschrieben, wie man Edge auch aus Interviews, Podcasts etc. kennt, sowohl damals als auch heute. Die Sprache wird schon mal explizit, aber dafür wirkt sie sehr echt. Diese gesprochene Sprache macht das Buch an vielen Teilen nahbar, da sie auch recht einfach gehalten ist, an anderen hätte man sich mehr redaktionelle Einmischung gewünscht, vor allem, wenn es um das Thema Klammern und Einschübe geht. Es gibt immer wieder gedankliche Einschübe in Klammern, einmal auf einer Seite sieben Stück, die einem aus dem Lesefluss reißen. Am nervigsten ist, dass er, wenn er von Jay Reso/Christian spricht, jedes fünfte Mal Jay und dann in Klammern Christian schreibt.

Zuletzt zum Buchdesign: Das ist leider tiefste 90er. Die verzierten Seitenzahlen, die Zitate und die Platzierung der Bilder erinnern eher an ein weniger hochwertiges Magazin als eine Autobiographie. Man gewöhnt sich dran, sodass es beim Lesen nicht ablenkt, aber es ist schon sehr plakativ.

 

Fazit

On Edge war mein erstes Wrestling-Buch, weil Edge auch einer der ersten Wrestler war, dessen Karriere ich aktiv verfolgt habe bzw. von dem ich Fan war/bin und ich habe es für die Rezension nochmal gelesen. Hätte ich es nach dem ersten Lesen bewertet, hätte ich vielleicht weniger streng bewertet. Beim zweiten Lesen fiel mir sprachlich mehr ins Auge. Das nur als Anmerkung, damit euch mein Fazit nicht allzu abschreckt.

„Adam Copeland on Edge“ ist wirklich ein ungefilterter Blick auf Edges Werdegang als Wrestler. Das ist Vor- und Nachteil des Buches. Vorteil, weil es spannend ist, einem Wrestler in den Kopf schauen zu können und Nachteil, weil es das Buch schwieriger zu lesen und zu verstehen macht. Vor allem, dass er an vielen Stellen zwischen Adam und Edge nicht unterscheidet bzw. auch hin- und herspringt, ist schwierig.

Das andere, was es schwer macht, dieses Buch zu empfehlen, ist, dass er zum Zeitpunkt des Schreibens gerade mal Ende 20 war und noch vor seinem „Money in the Bank“-Gewinn bei Wrestlemania 21 und vor seinem WWE Championship-Reign 2006 stand, d.h. Vieles aus seiner spannenden Karriere ist noch gar nicht passiert.
Das soll kein „Lest es auf keinen Fall“ werden. Ich würde dennoch eher Edgeheads empfehlen, das Buch zu lesen. Solche, die einfach hinter die Kulissen des Wrestlings schauen sollen, empfehle ich unter anderem Chris Jerichos und Mick Foleys Bücher. „On Edge“ ist für mich eine Vorgeschichte und ich hoffe sehr, dass Edge irgendwann den Elan findet, eine Fortsetzung zu schreiben. Ich traue ihm zu, die Fehler dieses Buches zu vermeiden und vor allem glaube ich, dass er noch weitaus interessantere Geschichten zu erzählen hat, als die, die sich in diesem Buch finden.

Anmerkung zur englischen Sprache: Das Buch ist recht einfach geschrieben, aber erhält gesprochene Sprache. Wer gerne mal einen englischen Film sieht, sollte keine Probleme habe. Selbst Wrestling-Terminologie ist recht einfach gehalten.

 

Bewertung: **




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