AEW: Fight Forever – Eine ernsthafte Konkurrenz für WWE2K? Der Spielspaß steht im Vordergrund! – Gamescom 2022

06.09.22, von Stephan "PBC_BayBay" Leven

Quelle: All Elite Wrestling

Wenn in Köln großer Aufruhr herrscht, ein Hotel den vierfachen Preis für ein Zimmer verlangt und man in einer viel zu vollen Straßenbahn von Son-Goku und Jinx eingequetscht wird, kann das nur eines bedeuten: Gamescom! Unzählige Spieleentwickler und -Publisher aus jedem erdenklichen Genre stellen ihre Games vor und hunderttausende Fans kommen für Merchandise und Beta-Versionen zum Messegelände in Köln-Deutz gepilgert. Der Videospielmarkt der Wrestlingwelt wird seit einigen Jahren vom Marktführer dominiert. Sei es „SmackDown vs. RAW“ (THQ) oder die 2k-Reihe seit dem Jahr 2011, wenn es um einen neues Wrestlingspiel ging, war (zumindest im westlichen Teil der Welt) immer die Rede von WWE. Nachdem Europas größte Spielemesse zwei Jahre coronabedingt ausfallen musste, war sie 2022 wieder am Start, aber von WWE2k fehlte jede Spur. Dennoch gab es ein Game aus der Welt des Wrestlings, das mit starker Präsentation die Blicke auf sich vereinte: „AEW: Fight Forever“. Deswegen hat Wrestling-Infos keine Kosten und Mühen gescheut, um Stephan (PBC_BayBay) und Marko (Killcobain) für euch zur Gamescom zu schicken, die „AEW: Fight Forever“  vor Ort anspielen und währenddessen sogar mit einem der leitenden Entwickler sprechen konnten.

Wir durften aber nicht nur die Demo des Spiels anzocken, sondern hatten zusätzlich die Gelegenheit, mit einigen Producern und Wrestlern zu sprechen, die vor Ort waren. Dabei konnten wir einige unterschriebene T-Shirts und Poster sammeln, die selbstverständlich an die Community verlost werden, dazu aber später mehr. Bei der Gamescom ging es aber nicht nur um Videospiele. So fuhren THQNordic und AEW scharfe Geschütze auf und präsentierten gar einen Ring samt Entrancekulisse, in dem einige Matches verteilt über die verschiedenen Tage der Spielemesse ausgetragen wurden (wir berichten HIER).

Erster Eindruck des Spiels:

Die Version, die wir anspielen durften, verfügte über sechs verschiedene Wrestler, mit denen man in Singles Matches antreten konnte. Zur Verfügung standen dem Spieler CM Punk, Kenny Omega, Adam Cole, Paul Wight, Thunder Rosa und Dr. Britt Baker. Das Geschlecht der Worker ist übrigens irrelevant. Nicht nur in der Demo, sondern auch im fertigen Spiel wird Intergender-Wrestling, also Kämpfe zwischen Männern und Frauen möglich sein. Die Begründung hierfür ist überraschend naheliegend. Es soll ein Videospiel sein, bei dem der Spielspaß über allem anderen steht und damit ist eine perfekte Logik oder Realismus nicht immer notwendig. Dass Paul Wight im wahren Leben gegen Thunder Rosa in einem Ladder-Match antritt, ist unwahrscheinlich und wäre unglaubwürdig, aber auf der Konsole? Warum nicht? Konträr hierzu werden jedoch nicht die Gesetze der Physik ausgehebelt, so sind Gewichtsklassen relevant, wenn es darum geht, welcher Star sich von einem anderen Wrestler hochheben lässt. Das Motto „Spielspaß steht über allem“ zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Game, dazu aber später mehr. Leider war es noch nicht möglich den vollständigen Einzug der Talente zu sehen, da dieser bisher nur aus einzelnen Momenten bestand. Die Präsentation der Entrances inklusive vieler kleiner, liebevoll gestalteter Gimmicks und Details vermitteln unmissverständliche AEW TV Show Vibes! Die ersten Eindrücke machten aber eines deutlich, „AEW: Fight Forever“ ist auf dem Vormarsch, um das gegenwärtige Monopol aufzubrechen und dabei sich als feste Größte auf dem Videospielmarkt zu etablieren.

Grafik & Präsentation:

Bereits hier werden die oben angesprochenen Ambitionen deutlich. Um eines vorwegzunehmen: Die Grafik überzeugt. Natürlich muss auch gesagt werden, dass das Spiel noch nicht fertig ist und man bisher erst sechs Akteure sehen konnte, aber das, was geboten wurde, zeigt, dass sich die Grafik vor der Konkurrenz im Genre „Wrestling“ oder „Sport“ nicht verstecken muss. AEW: Fight Forever versteht sich jedoch nicht als Sportsimulation, sondern als Arcade-Wrestling-Game, weshalb man sich bei der Gestaltung der Modelle auch insbesondere an Fanlieblingen des Genres wie den frühen SmackDown Teilen, aber auch dem legendären WWF No Mercy inspirieren ließ. Die Arenen sind detailliert ausgearbeitet und die Wrestler liebevoll animiert. Selbst schwierigere Aspekte, wie Haare oder Gesichtsausdrücke funktionieren einigermaßen, sodass nicht behauptet werden könnte, dass die Konkurrenz eindeutig besser wäre. Dazu sind die Fans differenziert genug gestaltet, sodass diese nicht wie trister Einheitsbrei wirken. Ein weiterer Pluspunkt: THQNordic konnten sich die Rechte der beiden Fernsehsender sichern, damit in den Hallen von Dynamite und Rampage auch die Logos von „TNT“ respektive „TBS“ zu sehen sind. Während man während der Einzüge, auch dank den eingeblendeten Kampfstatistiken, oder auch diverser eingeblendeter Fakten zu den entsprechenden Wrestlern, das Gefühl bekommt, auf der heimischen Couch eine Dynamite Ausgabe zu verfolgen, kommt es nach den Ansagen von Ringsprecher Justin Roberts zu der nächsten vielversprechenden Neuerung. Wer bereits Albträume vor dem exzessiven Gebrauch des Wortes „Slobberknocker“ hegte, den können wir beruhigen. Sobald die Action im Ring beginnt, ändert sich auch die Atmosphäre des Spiels schlagartig und gleicht jener, einer Live-Wrestling-Veranstaltung. Im Zuge dessen verzichtet man hier bewusst auf übergriffigen und absehbar repetitiven Kommentar und lässt so den Moves und den Zuschauerreaktionen Luft zum Atmen. Übrigens, einige der letztgenannten aus vergangenen AEW Shows wurden handverlesen und in das Spiel implementiert. Die Demoversionen haben, so wie wir es miterleben konnten, frei von Bugs funktioniert, was die 2K-Reihe zumindest nicht jedes Jahr von sich behaupten konnte.

Gameplay:

Auch hier wird der Fokus auf das Spielerlebnis deutlich. Die Wrestler wurden von THQNordic zwar, wie es für einige vergleichbare so Sportspiele üblich ist, für das Motion Capturing, sprich das Aufzeichnen und Digitalisieren der Bewegungen eingeladen, jedoch bedient man sich auch hier geliebten Features der Vergangenheit. Jede Aktion wurde eigenhändig animiert, was im Endprodukt für eine erfrischende Synergie aus modernen Möglichkeiten und herrlich überzogenen Animationen sorgt. Wenn wir an dieser Stelle in Erinnerung an das Sahneträumchen eines Last Ride des Undertakers aus „SmackDown: Here Comes the Pain!“ denken, wird der ein oder andere unter euch direkt wissen, was euch erwartet. Natürlich kann man an dieser Stelle kritisieren, dass ein Videospiel durch diesen vermeintlichen technischen Rückschritt leiden könnte, da es weniger realistisch wirkt, aber wie zuvor erwähnt, das ist nicht das Ziel. Das Spiel wurde so konzipiert, dass einige Bewegungen und Aktionen extravaganter sind und das Tempo mitunter erhöht wird, sodass der Spieler gelegentlich das Gefühl entwickelt, dass es kein Wrestlingspiel, sondern eines aus dem Marvel-Universum ist. Dies mag vielleicht negativ klingen, aber eines können wir versichern. Das Game hat uns wirklich viel Spaß gemacht. Bei der Steuerung haben die Entwickler selbstverständlich auch nicht das Rad neu erfunden, sodass eingefleischte Zocker und Kenner der WWE-Videospiele sich ziemlich schnell daran gewöhnen können. Einige Tastenbelegungen sind zwar verschieden, aber im Großen und Ganzen kann man die Steuerung schnell lernen. Auch bei der Steuerung ist der omnipräsente Arcade-Gedanke spürbar, wobei man im Vergleich zur Konkurrenz bemüht ist, Steuerungskommandos zu entschlacken und ein benutzerfreundlicheres Spielerlebnis zu bieten. Producer Dave fasste dies großartig zusammen: „Die Steuerung des Spiels lässt sich einfach adaptieren und Spieler werden sehr schnell mit ihr vertraut. Die Steuerung zu meistern, wird jedoch ein wenig Zeit und Skill erfordern!“ Doch keine Sorge, auch hierbei lassen euch die passionierten Entwickler nicht im Stich und stellen euch Sir William Regal als Moderator der Tutorialschritte zur Seite!

Spielmodi:

Jeder Wrestlingfan der 90er-Jahre sollte sich an die „SmackDown vs. RAW“-Reihe erinnern können. Unvergessen dabei, die „Road to WrestleMania“, die einige sonderbare Storylines zu bieten hatte. So tauschten einige Wrestler ihre Körper und diese konnten sogar durch die Zeit reisen. Wer bisher aufmerksam gelesen hat, weiß, „AEW: Fight Forever“ und „SmackDown vs. RAW“ wurden beide von THQ bzw. THQNordic, wie sie heute heißen, publiziert. Im Laufe der Jahre und nach dem Wechsel zu 2K wurden die Spielmodi realistischer und genossen dafür andere Vorzüge. Ein weiteres Highlight der früheren Ära war der GM-Mode. In diesem konnte man in die Rolle von unter anderem Teddy Long schlüpfen und die Geschicke bei RAW oder SmackDown (in einigen Jahren auch ECW) leiten.

Jetzt kommen wir aber mal zurück zu „AEW: Fight Forever“. Zu den Spielmodi konnten wir leider noch nicht viel erfahren, aber es wird einen Career Mode geben. Wie dieser aussieht und ob er sich an Elementen aus dem Fantasy-Genre bedienen wird, ist allerdings noch unklar. Wir können auch bedauerlicherweise noch nicht bestätigen (aber auch nicht widerlegen), dass es erneut einen GM-Mode geben wird. Die Producer konnten uns aber versichern, dass es einen sehr ausgereiften Creative Mode geben wird. So können eigene Wrestler, Movesets, Einzüge und vieles mehr erstellt werden. Bei den Matcharten wird es zwar zu Release eine eher eingeschränkte Anzahl geben, wenn man es mit der Konkurrenz vergleicht, aber dennoch wird man auch hier auf seine Kosten kommen. Neben Singles-, Tag Team- und Ladder Matches, gibt es ebenfalls Casino Battle Royals und Exploding Barbed Wire Death Matches. Ja, ihr habt richtig gehört. Wer den Stacheldraht berührt, fliegt in die Luft! Zwar befinden wir uns natürlich noch an einem frühen Zeitpunkt, doch ließen die Producer durchaus durchblicken, dass man für etwaige Erfolge gewappnet ist und das Game über eine längere Zeitspanne mit nachträglichen Content-Additionen via DLC versorgen möchte.

Fazit:

„AEW: Fight Forever“ wird im Jahr 2023 erscheinen und auch wenn das Spiel noch sehr unfertig war, konnten die Producer uns einen genauen Einblick gewähren. Ein weiter Pluspunkt für viele Fans ist die Tatsache, dass AEW und THQNordic möglicherweise nicht jedes Jahr ein Spiel herausbringen werden, sondern auch nach dem Release noch langfristig an dem Game festhalten und regelmäßig Updates, Patches und Erweiterungen liefern werden. Für den ersten Versuch eines Videospiels für alle Konsolen und Computer wirkt die Demoversion des Spiels sehr gelungen. Es kann in allen Belangen mit der Konkurrenz der Sportwelt mithalten und bleibt sich in allen Punkten selbst treu. Der Spielspaß soll nämlich überwiegen. Es ist keine realitätsgetreue Simulation der Welt des Pro-Wrestlings, sondern es soll Spaß machen und andere Eindrücke liefern als die Shows des wahren Lebens. Neben all der bereits erläuterten Stärken und Schwächen des Titels, hätten wir fast den wohl wichtigsten Aspekt hinter dem Spiel vergessen, die Menschen, die an dessen Entstehung beteiligt sind! Für uns war es ein Leichtes, zu sehen, mit welcher Passion das Team von THQNordic, Yuke’s und auch die Wrestler von AEW hinter AEW: Fight Forever stehen. Eines können wir euch jedoch versichern: AEW: Fight Forever ist in guten Händen! Wir versuchen natürlich euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten und erneut über „AEW: Fight Forever“ zu berichten, sobald uns weitere Informationen zur Verfügung stehen. Wer noch nicht genug Impressionen gesammelt hat, der kann sich gespannt auf unseren kommenden Podcast zu unserer GamesCom Erfahrung freuen! Was würdet ihr gerne über das Spiel wissen und was gefällt euch bisher am besten daran? Schreibt es uns in die Kommentare!




11 Antworten auf „AEW: Fight Forever – Eine ernsthafte Konkurrenz für WWE2K? Der Spielspaß steht im Vordergrund! – Gamescom 2022“

Edelmann sagt:

Hab gehört Colt Cabana war in Köln vor Ort. Wäre doch mal lustig gewesen wenn CM Punk auch da gewesen wäre. 😁

Haki sagt:

Ich hoffe es wird einen Universe Modus geben 🙂 den spiele ich persönlich am liebsten

Michhier sagt:

Exploding Barbed Wire Death Matches…. AEWs Meisterstück. Das Spiel wirkt bei YouTube ganz gut, hat aber bei vielen moves und Bewegungen starke Ähnlichkeit zu dem Marktführer, so als ob thq sich der der Copy und einfügen Funktion bedient hätte.

Im ganzen bin ich aber sehr gespannt und voller Vorfreude auf das Spiel.

NO_Stress sagt:

„Es kann in allen Belangen mit der Konkurrenz der Sportwelt mithalten“

Der Satz killt den gesamten Artikel.

Bash sagt:

Michhier:

Es wird wenn eher an alte Wrestlingspiele erinnern. 2k und THQ arbeiten bei ihren Games auf komplett verschiedenen Engines.

Y2Jerricholic sagt:

Das Game wird der Hammer! Gut FTR (Figuren wurden erstellt aber es gab mit den Animationen und Move Sets Probleme), Jake Hager, Private Party, The Acclaimed, und Santana & Ortiz wurden wieder aus dem Spiel genommen aber die kommen garantiert als DLCs (bei FTR wurde es schon bestätigt!).

Der Bericht liest sich so wie ich es erwartet habe und mir seit langem ein Wrestling Spiel gewünscht habe.
Glaube nach 2k14 hatte mich kein WWE Spiel mehr richtig beeindruckt und davor auch nur noch SvR 2009 von der alten Reihe.
Eigentlich war da auch SvR 2006 eher das letzte gute bis 2009 dann wegen dem Online Modus mich lange fesselte.
Sicherlich wird es in vielen Bereichen nicht so üppig (Creation Modus) wie die WWE Spiele sein aber okay das muss man dann sehen wie sehr mich das stört/ unterhält.

Haki sagt:

Wann und wie wurde das denn bestätigt?
Auf der Gamescom wussten sie doch noch nicht mal den Roster 🤷🏼‍♂️

Y2Jerricholic sagt:

Oh mit FTR hatte ich schon am 31.8. erfahren und jetzt am Wochenende von den anderen Wrestlern / Tag Teams.

Realsport101.com ist da immer gut informiert.

https://realsport101.com/misc/aew-fight-forever-roster-loses-ftr-capture-issues-may-cause-more-changes/

Michhier sagt:

@Bash
Ja, die Grafik unterscheidet sich schon, aber es gibt da ein schönes Video das zeigt das Grade Aktionen fast 1zu1 übernommen wirken. Ich sage auch nicht das das schlecht ist, es wäre nur logisch, da einige der Aktionen in 2k wahrscheinlich noch von thq Zeiten drin sind.

Happy_Pain sagt:

Da es ja nun auch für PC kommen soll warte ich erstmal die Steam Reviews zum fertigen Spiel ab. Auch wenn die manchmal nicht verlässlich sind. Ich bin auch auf die Charaktererstellung gespannt.

Grundsätzlich bin ich erstmal optimistisch.

Y2Jerricholic sagt:

Ja vor allem wie Mod freundlich es hoffentlich am PC werden wird.

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