CMLL entlässt Rush und Dragón Lee und stellt die Kooperationen mit NJPW und ROH damit auf eine Bewährungsprobe

02.10.19, von Claudio "blackDRagon" Cancello

– Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass das Consejo Mundial de Lucha Libre (CMLL) seine zwei Top-Stars Rush und Dragón Lee mit sofortiger Wirkung gefeuert hat. Diese Entlassungen könnten nachhaltige Auswirkungen auf mehrere Partnerschaften haben. Die Promotion gab über Twitter an, dass die beiden Brüder mehrfach gegen die Richtlinien verstoßen und sich den Anweisungen der Company widersetzt haben sollen. Eine Zuspitzung der Situation zwischen den Mitgliedern der Munoz-Familie und CMLL hatte sich in den letzten Wochen und Monaten bereits angedeutet und scheinbar war die Teilnahme von Dragón Lee am „Battle of Los Angeles“ von Pro Wrestling Guerrilla (PWG) der Tropfen, der das Fass letztlich zum Überlaufen brachte.

Ursprünglich war neben Dragón Lee auch Bárbaro Cavernario für das große Indy-Turnier gebookt, allerdings hatten die Offiziellen von CMLL erfahren, dass mit Laredo Kid, Rey Fenix, Pentagon Jr. und Black Taurus auch vier Wrestler des großen Konkurrenten AAA am „BoLA“ teilnehmen werden. Bárbaro Cavernario bekam ein Ultimatum von seinem Arbeitgeber und sollte dafür sorgen, dass die AAA-Wrestler weder gegen die CMLL-Talente, noch am selben Tag wie die CMLL-Talente auftreten. Bei PWG lehnte man diese Forderung aber ab, sodass Cavernario zum Schutz seiner CMLL-Karriere seine Teilnahme am Turnier letztlich absagte. Dragón Lee hingegen ignorierte die Anweisungen von CMLL und workte das „Battle of Los Angeles“ wie geplant. Die Konsequenz daraus war, dass CMLL ihn von allen Cards der vergangenen Woche nahm, auch bei der großen „86th Aniversario“-Show am vergangenen Freitag durfte er nicht auftreten. Zeitgleich fand in den USA der „Death Before Dishonor XVII“-PPV von Ring of Honor statt, in dessen Main Event Dragón Lees Bruder Rush die ROH World Championship von Matt Taven gewinnen konnte. Kurz nach dem Pay-per-view verkündete Rush in einem Video, dass er und sein Vater Bestia del Ring die Promotion verlassen und von nun an Independent auftreten werden. Místico, ein weiterer Bruder von Dragón Lee und Rush, kommentierte die Entscheidung. Er wünschte seiner Familie alles Gute und deutete somit an, weiterhin für CMLL aufzutreten.

Später verkündeten KAOZ und The Crash, zwei Indy-Promotions in Mexiko, dass sie Rush für ihre Shows gebookt haben. Der 31-jährige wird aber mit dem Namen El Toro Blanco auftreten, da CMLL die Rechte an den Namen Rush, Dragón Lee, Los Ingobernables und Bestia del Ring besitzt. Das Consejo verkündete daraufhin, dass man Rush und Dragón Lee mit sofortiger Wirkung gekündigt hat. Beobachter der Lucha Libre Szene waren aber ohnehin der Meinung, dass das Verhalten von Rush und Dragón Lee ohnehin bereits einer Kündigung ihrerseits gleichkam. Lee kommentierte seine Entlassung auf Facebook und zeigte sich „überrascht“, bedankte sich aber bei dem vor wenigen Monaten verstorbenen CMLL-Besitzer Paco Alonso. In einem Interview erklärte sein Bruder Rush mittlerweile, dass er CMLL’s Verhalten gegenüber Dragón Lee als respektlos empfand, da die Munoz-Brüder den CMLL-Brand mit vorangebracht haben. Er erwähnte explizit, dass der verstorbene Paco Alonso, der immer loyal gegenüber ihnen war, nun spürbar kein Teil der Company mehr sei und es zuletzt bergab mit CMLL ging. Die Munoz-Familie habe nichts gegen Sofia Alonso und sie könne immer auf sie bauen, aber ihre Loyalität galt Paco.

Diese Entlassungen könnten nun auch zu einer Zerreißprobe für die Partnerschaften von CMLL mit NJPW und ROH werden. So sollte Dragón Lee eigentlich an der anstehenden Super Jr. Tag League teilnehmen, doch möchte New Japan weiterhin mit dem Consejo zusammenarbeiten und Young Lions zu Exkursionen nach Mexiko schicken, müsste seine Teilnahme wohl gestrichen werden. Die Japaner planen aber wohl, ihn weiter einzusetzen. Jetzt ist also Okumura gefragt, der als Vermittler zwischen New Japan und CMLL agiert und auch dafür sorgt, dass die Exkursionen der Talente bestmöglich ablaufen. Schaut man auf die letzten drei Talente (SHO, YOH und Hirai Kawato), die NJPW auf Exkursion zu CMLL schickte, wurden alle drei früher als abgesprochen zurückgeholt. Dies ist wohl auch der Grund dafür, warum Hirai Kawato seit Ende Juli kein Match mehr bestritten hat, obwohl er nicht verletzt ist. Die Beziehungen zwischen NJPW und CMLL sollen aktuell auf jeden Fall nicht so gut sein, wie in früheren Jahren.

Noch etwas verzwickter ist die Situation für Ring of Honor, da man Rush am vergangenen Freitag zum ROH World Champion machte. Auch Dragón Lee setzte man am Wochenende bei beiden „Death Before Dishonor XVII“-Shows ein, obwohl er nicht angekündigt und wie bereits erwähnt eigentlich sogar am Freitag für die „86th Aniversario“-Show von CMLL gebookt war. Rush besitzt einen gültigen und gut dotierten Vertrag bei ROH, aber die CMLL-Offiziellen werden wohl wenig Interesse daran haben, die eigenen Talente zu ROH-Events zu schicken, so lange dort Rush und Dragón Lee eine wichtige Rolle spielen. Bei Ring of Honor sieht man die Beziehung zu Rush laut eines Berichts des Luchablog derweil als wichtiger an, als eine weitere Zusammenarbeit mit CMLL. Bei NJPW und ROH hat man das Gefühl, dass CMLL hier kaum Druckmittel ihnen gegenüber hat, während die Mexikaner in Zukunft wohl noch misstrauischer bezüglich der Zusammenarbeit mit ausländischen Wrestling-Promotions sein werden. Aktuell gibt es bereits Gerüchte dahingehend, dass man die CMLL-Talente auch von RevPro’s „British J-Cup“ abziehen wird.

Die Situation wird nun von allen Seiten beobachtet und Sofia Alonso, die nach dem Tod ihres Vaters die Führung von CMLL übernommen hat, wird sich dieses schwierigen Problems annehmen müssen. Darüber hinaus heißt es aktuell, dass viele CMLL-Talente mit der Bezahlung unzufrieden sind. Die Finanzen der Company liegen in der Hand von Salvador „Chavo“ Lutteroth Jr., der wenig Geld für die Talente ausgibt und offenbar auch nicht daran denkt, dies zu ändern. Vor dem Hintergrund, dass CMLL die Bookings der eigenen Wrestler stark reguliert und somit auch des Öfteren lukrative Auftritte verhindert, sorgt dies natürlich für keine gute Stimmung. Sollte CMLL nun auch noch Auftritte bei ROH, NJPW und/oder RevPro verbieten, so würde dies wohl einen Backlash zur Folge haben, da die CMLL-Stars bei diesen Shows sehr gut bezahlt werden.

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