Wie wertvoll sind die WWE-Shows für die TV-Sender? Zahlen USA Network und FOX zu viel?

23.08.19, von Jens "JME" Meyer

– In der TV-Industrie werden immer mehr Millionen für die Übertragungsrechte von Live-Sport investiert und auch WWE profitiert bekanntlich immer stärker von diesem Umstand. Der Wert von Shows liegt für die TV-Sender vor allem darin, wie gut man Werbespots während der entsprechenden Sendungen verkaufen kann. In der aktuellen Ausgabe des Wrestling Observer Newsletters hatte Dave Meltzer diesbezüglich einige interessante Zahlen parat. Generell vorneweg: Wrestlingprogramme sind im Vergleich zu anderen Sendungen verhältnismäßig schwer an Werbepartner zu vermitteln, so bringen 1 Mio. Zuschauer während einer UFC-Show prozentual beispielsweise deutlich mehr Geld ein, als 1 Mio. Zuschauer während einer WWE-Show.

Während der WWE-Shows im US-Kabelfernsehen im Jahr 2018 (RAW, Smackdown, Hall of Fame Special, Tribute to the Troops, WrestleMania Preshow, RAW 25 Special, Mania’s Greatest Moments, Road to Evolution und A Year in Review) brachten Werbespots insgesamt 198 Millionen US-Dollar ein. Auf die Flaggschiffshow „Monday Night RAW“ entfielen dabei mit 122,9 Millionen US-Dollar der Großteil dieser Summe. Dies ist besonders deswegen interessant, da das USA Network ab Herbst satte 265 Millionen US-Dollar pro Jahr für die Rechte an „Monday Night RAW“ zahlt, also mehr als das Doppelte, trotz weiter sinkender Ratings. Wirtschaftlich darf man diesen Deal also durchaus infrage stellen, auch wenn USA an RAW vor allem auch deshalb festhält, um im Ranking der US-Kabelsender nicht weiter abzufallen.

Mit Werbespots während „Smackdown Live“ nahm das USA Network derweil im Jahr 2018 „nur“ 72,4 Mio. US-Dollar ein. Man bedenke hier, dass FOX ab Herbst 205 Mio. US-Dollar pro Jahr für die Übertragungsrechte zahlt. Während USA wie gesagt ein Auge auf das Ranking der US-Kabelsender hat, wird Smackdown für das Standing von FOX kaum eine ausschlaggebende Rolle spielen. Inwiefern dieser Deal sich für FOX am Ende auszahlt, bleibt abzuwarten. Beim Sender selbst glaubt man, dass die Zahlen von Smackdown durch die Decke gehen werden, man spricht sogar von einer neuen Boom-Periode für WWE. Viele Experten halten diese Euphorie allerdings nicht für gerechtfertigt. WWE ist mit Smackdown ab Oktober also durchaus in einer Bringschuld, den es gilt zu beweisen, dass man das viele Geld auch wert ist.

Insgesamt verteilen sich die 198 Millionen US-Dollar folgendermaßen:
Monday Night RAW = 122,9 Millionen US-Dollar
Smackdown Live = 72,4 Millionen US-Dollar
Einstündiges Hall of Fame Special = 521.000 US-Dollar
Tribute to the Troops = 756.000 US-Dollar
Eine Stunde der Wrestlemania Preshow = 191.000 US-Dollar
RAW 25 Special = 411.000 US-Dollar
WrestleMania Greatest Moments Special = 527.000 US-Dollar
Road to Evolution Special = 86.000 US-Dollar
Year in Review Special = 235.000 US-Dollar

Quelle: Wrestling Observer Newsletter

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6 Antworten zu “Wie wertvoll sind die WWE-Shows für die TV-Sender? Zahlen USA Network und FOX zu viel?”

  1. Michhier sagt:

    @JME
    Danke erstmal für die Zahlen, aber eine Frage habe ich noch zu „Generell vorneweg: Wrestlingprogramme sind im Vergleich zu anderen Sendungen verhältnismäßig schwer an Werbepartner zu vermitteln, so bringen 1 Mio. Zuschauer während einer UFC prozentual beispielsweise deutlich mehr Geld ein, als 1 Mio. Zuschauer während einer WWE-Show.“ Wie ist das zu erklären? Ist die Zielgruppe zahlungskräftige?

  2. JME sagt:

    @Michhier

    An was denken Nicht-Wrestlingfans wenn sie Wrestling hören? Doch wohl meist an niveauloses „Fake-Gekloppe“ und dank Vinny auch an Pippi/Kacka-Humor. Viele Werbepartner möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden. Und es hält sich eben auch der Glaube, dass die Zielgruppe nicht unbedingt die finanzkräftigsten, schönen und intelligenten der Gesellschaft sind. Der Ruf des Wrestling ist bescheiden und Vince hat in den letzten 30 Jahren sehr viel dazu beigetragen. Man hat in den letzten Jahren versucht das eigene Image etwas auzubessern, was auch gelungen ist, die Lücke zu anderen Programmen hat man aber noch längst nicht geschlossen.

    Selbst UFC ist aufgrund der Gewaltvorwürfe nicht ganz oben auf der Skala, aber MMA wird als „echter“ Sport wahrgenommen, der vor allem ein Publikum in der Hauptzielgruppe (18-49) anspricht. Große TV-Serien, oder auch NBA und NFL, sind da natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Andere Sportarten hätten mit den Zuschauerzahlen, die WWE erzielt, etwaige Ausgaben für TV-Rechte im Bereich von 250 Millionen schon locker reingeholt.

  3. crossrhodes sagt:

    Im grunde ist es für die sender also ein minusgeschäft. Das bei stagnierenden oder gar weiter fallenden ratings noch größer wird. Aber mich freut der optimismus (oder sollte man schon von vorweggenommenen durchhalteparolen sprechen?) von fox.
    Das programm von smackdown wird einige wochen oder monate ansprechend bis gut werden. Aber bis sich das zu denen, die wegen einheitsscheiße abgeschaltet haben rumgesprochen hat, gibt es wieder die vinnie-typische einheitsscheiße.

  4. Base4ever sagt:

    Danke für die Zahlen! Das ist ja mal echt interessant…
    Ich bin mal gespannt wie die WWE das reinholen will.

  5. Rikibu sagt:

    Ich finde eher, dass die Werbebranche an sich ein elementares Kernproblem hat.
    Insbesondere in den USA, wo man extrem viel für die Fernsehsender zahlt und diese noch ein vielfaches mehr Werbung ausstrahlen als es hierzulande die privaten Sender tun, muss man sich doch fragen, warum man für ein Produkt zahlen soll, dass während das Produkt läuft voller Werbung steckt und während der Pausen auch noch mit Werbung zugeschmiert wird?

    Gemessen an der Frequenz der werbung wird das im US TV doch noch viel mehr zum Nervensägenfaktor als hierzulande.
    Oder hat der US Amerikaner so ein tumbes Gemüt und konsumiert die Werbung? Habe mal gehört, dass die da irgendwie empfänglicher für diesen Dauertrigger sind als zb. in Europa.

    Ich finde es aber paradox, wie die Preisgestaltung in den USA im TV Bereich aussieht. Da kaufste nen ppv für 50 Dollar und dir wird in jede Ritze werbung geschmiert… müsste dann wenn doch werbung läuft, das ganze nicht umsonst sein, wenn ich schon genötigt werde mir Werbung anzugucken?

    Vom theoretischen Modell der Werbewirksamkeit und dem Wert von Werbeplätzen, Quoten usw. rede ich gar nicht erst. Die tatsächlichen Quoten werden in Realität ganz anders aussehen. Wie werden die Quoten in den Staaten überhaupt ermittelt? hierzulande ermittelt ja die GFK mithilfe einer gemischten Gruppe von 5% der Bevölkerung inkl. Ausschluss diverser Gesellschaftsteile, die für die quote nicht berücksichtigt werden. diese 5% werden auf alle hochgerechnet, aber wie will man wissen, wieviele den driss tatsächlich gesehen haben? und wie will man Desinteresse am TV Produkt messen, wenn nur die gemessen werden, die tatsächlich schauen? hier ist doch ein methodischer Fehler im System…

  6. Michhier sagt:

    @JME
    Danke dir für deine Antwort. Es erscheint mir jetzt beim zweiten drüber nachdenken auch logisch. Habe nur an die zahlungskraft und nicht an das Gesamte Bild gedacht. Erscheint ja logisch das bestimmte Firmen nicht mit Wrestling, oder Wwe in einen Topf geworfen werden wollen. Hasbro, oder Mattel haben ja auch durchgesetzt das es keine intergendermatches bei wwe gibt.

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