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Kurz gemosert… #148

23.02.17, von Benjamin "Cruncher" Jung

„Kurz gemosert…“ beschreibt die Welt des Mainstream-Wrestling mit den Augen eines meckernden „Smart Marks“. In unregelmäßigen Abständen spricht Manuel Moser in der wohl umstrittensten Wrestling-Kolumne aller Zeiten Dinge und Tatsachen an, welche sich manch einer vielleicht nicht traut auszusprechen oder die es aus den Tiefen der „Smart Mark“-Fangemeinde nicht an die Öffentlichkeit schaffen. Harte Worte und eventuelle Spoiler inbegriffen.

 

Dear Wrestling-Fan. This is an introduction to a text with words you can, like we say in Germany, probably get into your wrong throat. Total disaster.

Wisst ihr… Ich glaube, ich könnte eine Kolumne von vor fünf Jahren ausgraben, den Namen des aktuellen Protagonisten ändern und einfach hier einfügen und keiner würde es merken.
Nein das liegt nicht an der Blindheit des Lesers, sondern am schablonenartigen Programm der WWE. Gerade kurz vor Wrestlemania hat man das Gefühl, dass es nur darum geht, zum einen Triple H auf die Card zu pressen, den Undertaker zu bringen, einen Vince-Guy gut aussehen zu lassen und einen Promi-/Legenden-Overkill zu booken.
Bei Triple H ist es offensichtlich. Der lange und halbwegs logische Aufbau für ein Match zwischen ihm und Seth Rollins sollte in einem Wrestlemania Match enden, in welchem sich Triple H nach einer großen Schlacht für Rollins hinlegt. Das kann er ja. Jemanden over bringen. Vor allem sich selbst. Als den Heilsbringer und den der alle over bringt. Und die Leute sind auch immer erst over, wenn er sie over gebracht hat. Das kann kein anderer. Nein, wirklich kein anderer kann so ein verblendeter Idiot sein wie Triple H.
Jetzt wo Rollins aber verletzt ist, sollte man meinen, dass sich Triple H am Wrestlemania-Abend freinehmen und sich um seinen eigentlichen Job kümmern kann. Pustekuchen. Jetzt sucht man für ihn bestimmt schon einen Ersatzgegner und damit hätte sein Wrestlemania-Auftritt einzig und allein egoistische Gründe und es ist ihm am Ende egal, wer mit ihm an diesem Tag im Ring steht. Hauptsache er ist Teil der Attraktion.
Und Big Show gegen Shaquille O’Neill? Ich bitte euch… Wenn der nicht kürzlich in einer Folge “Fresh off the Boat” aufgetaucht wäre hätte ich schon lange vergessen, dass es den gibt. Und ich komme aus der Zeit in der Shaquille O’Neill gerade eine große Nummer und Basketball in Deutschland hoch populär war. Aber ich sage es mal so: Besser den gegen Big Slow, weil beide große sind, als Tim Wiese gegen Cesaro, nur weil beide Deutsch sprechen.

RAW zu schauen ist im Moment komisch. Man hat das Gefühl, dass man eine Show in der Show verfolgt. Zum einen haben wir RAW mit den Fehden Goldberg/Lesnar und dem Universal Paper Champion Kevin Owens, sowie ein bisschen Tag Team und Weiber-Geklatsche. Zwischendrin wird uns in einer Art Parallel-Universum immer wieder aufs Neue deutlich gemacht, wie geil eigentlich Roman Reigns ist und wir uns schon noch mal überlegen sollten ihn nicht doch eher zu lieben als nervig zu finden.
Reigns bestreitet dann mal eben neben der eigentlichen Show Matches gegen mehrere Leute und führt Fehden gegen Monster, bei denen er meistens ebenbürtig oder überlegen dargestellt wird. Überwinden kann man ihn sowieso nur mit einer Überraschung oder verbotenen Hilfsmitteln. So wirkt Roman Reigns aktuell nicht nur durch die Reaktionen des Publikums wie ein Idiot, sondern auch durch sein Booking vollkommen isoliert vom Rest des Rosters. Man hat das Gefühl als würde Vince McMahon das RAW-Booking zähneknirschend akzeptieren und sich während den drei Stunden Sendezeit mit den Reigns-Einspielern bei Laune halten.

„Aaah there he is again! Great guy! Great american hero! Look at this hair! Look at this pythons! Phenomenal guy!“

Zum kotzen wie dominant und wichtig dieser unsympathische Affe dargestellt wird, anstatt das Geld einfach in jemanden zu stecken der es auch wieder rein holt. Jemand wie Kevin Owens hat da leider keine Chance. Zu fett. Auf den kann sich Vince keinen von der Palme wedeln. Genauso wie Samoa Joe. Der nächste den sie mit der neverending Authority-Story verheizen. Es gab seit dem Stone Cold-Vince-Angle in der Attitude-Ära kein Jahr mehr ohne, dass man diese Geschichte die damals und nur damals funktioniert hat, wieder versuchte aufzuwärmen. Es gibt immer nur zwei Szenarien. Entweder läuft die Fehde des Top Dogs gegen die bösen „Powers that be“ oder gegen einen übermächtig wirkenden Heel. Am liebsten natürlich ein Ausländer. Gerne Asiate, Russe oder Buschmann. Im Grunde ist WWE sogar der rassistischste Arbeitgeber, den ich kenne. Bist du kein Amerikaner, hast du schon mal schlechte Karten. Als Kanadier wirst du wenn du Glück hast gerade noch geduldet. Bist du fett kannst du gleich den Abgang machen, denn ein Bodybuilder wie Vince hat für „solche Leute“ nichts übrig. Und wenn man dich aus irgendwelchen Gründen doch bookt, dann siehst du aus wie der letzte Depp. Bist nun mal fett. Selber schuld. Als Frau hast du es noch schwerer. Du musst optisch genau dem Frauenbild von Vince McMahon entsprechen und darfst im Ring auf gar keinen Fall was können.
Man kann sich vorstellen, unter welchem Druck seine Tochter aufwachsen musste und versteht dann sicherlich, warum sie so viel an sich herumschnippeln lassen hat und warum es am Ende ausgerechnet ein Bodybuilder sein musste, der ihr die Hüften verbiegt. Dieser Vaterkomplex ist nicht zu übersehen. Und genau deswegen bekommt auch die kleine Tochter das Erbe und nicht der fette Sohn. Egal wie oft er sich noch von irgendwo auf irgendwas runterwirft. Bist fett. Hast Pech gehabt. Die Tochter hat nur fette Titten. Das macht den Papa geil.
Bei Fastlane geht es dann endlich richtig ab! Oder bergab. Kevin Owens darf seinen „Championship“ an eine Legende abgeben, die dem Titel endlich Prestige verleiht. Beziehungsweise wird diese Legenden den Titel dann relativ schnell wieder an eine andere Legende abgeben und ab dann ist der Titel sowieso unsterblich. Man kann davon ausgehen, dass Owens einer Racheaktion von Chris Jericho zum Opfer fallen wird, denn die beiden benötigen noch ein Match in der Wrestlemania-Pre-Show. Vielleicht auch in der Aftershow. Dann bekommen es noch weniger Leute mit. Wäre mal eine Idee. Warum nicht auch eine Aftershow anbieten, wo dann die noch viel unwichtigeren Matches als Füller zwischen den Analysen von Jerry Lawler, Booker T und irgendeinem austauschbaren kleingewachsenen Moderator ausgestrahlt werden. NETWORK EXCLUSIV natürlich. Hat eigentlich irgendwer noch im Hinterkopf, dass eigentlich Finn Balor, der einzige Lichtblick in 2016, noch amtierender Champion wäre, wenn er nicht dem schusseligen Seth Rollins zum Opfer gefallen wäre? Wollen die den dann echt ernsthaft in einem „Rematch“ gegen Lesnar stellen? Aber ein Sieg von Owens über Goldberg bzw. kein Titelverlust bei Fastlane würde bedeuten, dass beide World Champions bei Wrestlemania in der Midcard landen und das wäre wohl der Todesstoß für diese Championships. Auch wenn ein Match Owens vs. Jericho vs. Balor wohl ein Match oft he Year Kandidat werden würde. Natürlich nur mit genug Zeit. Also vielleicht doch in der Aftershow.

Und Smackdown? Nach dem Draft wird alles besser. Bei Smackdown zählt das Wrestling. Jo. Was war noch mal der Grund, warum AJ Styles seinen Titel für wenige Tage an John Cena verlieren musste? Warum konnte er ihn nicht direkt in der Chamber an Bray Wyatt verlieren? Gibt es dafür irgendeinen logischen Grund? Wohl kaum. Genauso wie man das aktuelle Booking bei Smackdown nur mit fehlender Kreativität beschreiben kann.
Da lässt man Randy Orton den Rumble gewinnen, was schon eine Schande ist, nur um ihn angeblich bei Wrestlemania gegen Bray Wyatt zu stellen und verplempert seine Zeit dann jetzt bis Wrestlemania damit einen neuen No. 1 Contender zu finden, weil Orton sich angeblich Wyatt unterordnet und seine Belange hinten anstellt? Genau… Gerade Orton. Dem nimmt man das bestimmt direkt ab. Der Käse führt doch zu nichts oder? Am Ende gibt es dann doch Orton vs. Wyatt bei Wrestlemania in einem Midcard Match unter Beteiligung des WWE Champions und des aktuellen Rumble Siegers, weil der Main Event mit den Altstars Goldberg, Lesnar, Triple H Undertaker und Cena/Bella vollgeknallt ist. Vielleicht auch einfach ein Random Multi-Match in der Pre-Show, gebt Wyatt ein großes stinkendes Stück Scheiße mit zum Ring und nennt ihn „WWE Ziegenmasken fickender Hundescheiße Champion“. Vielleicht bekommt ihr dann endlich euren Retorten World Championship bei RAW over. Sagt am besten immer noch dazu, dass der aktuelle RAW-Titelträger immer den Längsten hat. Außer er ist fett. Dann hat er einfach Pech gehabt.

Ich ruf jetzt mal CM Punk an. Mal gucken, ob sein Ohr mittlerweile abgeschwollen ist und er das Telefon wieder hört. It’s clobberin time!
 

Für Kritiken jeglicher Art stehe ich gerne im Forum von Wrestling-Infos.de, unter kurzgemosert@gmail.com oder auf Twitter zur Verfügung.





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10 Antworten zu “Kurz gemosert… #148”

  1. Eddie4life sagt:

    Super unterhaltsam. Danke

  2. Ghost sagt:

    Mega geil!

  3. Batista sagt:

    Das letzt Mal mosern ist viel zu lange her, endlich mal wieder 🙂

  4. Torfbold sagt:

    Das ist der erste Kommentar den ich hier schreibe. Ich bin generell nicht oft im Internet. Aber wegen dieser einen Kolumne hier dann doch mal. So gut. So perfekt. Ich danke diesen Moser Typen aufs herzlichste. Bitte weiter so !!!!!!

  5. murphysto sagt:

    „Und genau deswegen bekommt auch die kleine Tochter das Erbe und nicht der fette Sohn. Egal wie oft er sich noch von irgendwo auf irgendwas runterwirft. Bist fett. Hast Pech gehabt. Die Tochter hat nur fette Titten. Das macht den Papa geil.“

    Oh Mann, zu geil. Lachflash 🙂

  6. MusSan Sin Cara sagt:

    Warum habe ich das Gefühl, dass du Triple H und Vince McMahon nicht leiden kannst? 😀

  7. Shawny sagt:

    Hammer!!!!! Endlich, King Moser is back!!!
    Vielen Dank

  8. bistefetthastepechgehabt sagt:

    Ich glaube ja Vince entscheidet sich für ein Triple Fat Match zwischen Samoa Joe, Kevin Owens und Mick Foley. Natürlich in der Pre-Show.

  9. MusSan Sin Cara sagt:

    @bistefetthastepechgehabt

    Dieses Match setzt er an, weil sie „fett“ sind. 😀

  10. Michimii sagt:

    War AJ Styles nicht ein Lichtblick? Wollten nicht alle Kevin Owens als Champions sehen? Versteh das Gemoser nicht!!;)
    Der Rassismuszuschreibung wird man aber nur gerecht wenn man der Wwe auch offensichtlichen Sexismus vorwirft. Ist zwar mittlerweile deutlich dezenter als noch in der Attitude-Ära mit Stacy Keibler und Trish Status (was es da für Segmente gab ey), aber wird einem dennoch permanent vor Augen geführt.

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