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Kurz gemosert… #142

13.07.16, von Benjamin "Cruncher" Jung

„Kurz gemosert…“ beschreibt die Welt des Mainstream-Wrestling mit den Augen eines meckernden „Smart Marks“. In unregelmäßigen Abständen spricht Manuel Moser in der wohl umstrittensten Wrestling-Kolumne aller Zeiten Dinge und Tatsachen an, welche sich manch einer vielleicht nicht traut auszusprechen oder die es aus den Tiefen der „Smart Mark“-Fangemeinde nicht an die Öffentlichkeit schaffen. Harte Worte und eventuelle Spoiler inbegriffen.

 

Ich glaube ich stehe im Wald… Licht aus!

Das WWE ein typisches großes Unternehmen ist hat die letzte RAW-Ausgabe wieder deutlich gezeigt. Sogar On-Air wird der sogenannte administrative Wasserkopf aufgebläht und somit nicht nur die Entscheidungskette verlängert, sondern auch das Verhältnis zwischen Angestellten und Führungskräften immer unausgewogener.
Um in der sinnbildlichen Sprache zu sprechen könnte man von zu vielen Häuptlingen und zu wenigen Indianern reden.

Jetzt bekommen die beiden Main Shows also nicht nur jeweils einen „Commissioner“, sondern auch noch einen „General Manager“.
Als On-Air Autorität hatten wir bisher schon die Bezeichnungen „President“, „Commissioner“, „General Manager“ und die verschiedenen „Corporate Officers“ sei es COO oder CEO oder was auch immer. Diese autoritären On-Air-Persönlichkeiten hatten im Prinzip immer die gleichen Berechtigungen.

Jetzt soll es also so sein, dass jeweils eines der McMahon-Heulsusen eine Show als Commissioner leitet und zusätzlich einen General Manager für das Tagesgeschäft an die Seite gestellt bekommt. Der Sinn und Zweck dahinter erschließt sich mir bisher nicht. Wie soll die Aufgabenteilung zwischen den beiden Parteien aussehen? Wer hat am Ende das letzte Wort und viel wichtiger wie oft? Denn je öfter der General Manager von seinem Commissioner überstimmt wird, desto mehr schrumpft seine Autorität, sowie seine Bedeutung in den Shows.
Im Prinzip wird es darauf hinaus laufen, dass sich regelmäßig einer der Main Events mit den Diskrepanzen der beiden Führungsspieler beschäftigen wird, denn die werden sicherlich eher selten einer Meinung sein. Beide Commissioner werden im Laufe der Zeit mit ihren General Managers unzufrieden sein oder sich gegen einen Putsch wehren müssen.

All diese Spielchen werden sich negativ auf das Roster auswirken, denn somit bleibt wieder nur Zeit für einen tatsächlichen Main Event.
Damit haben wir dann am Ende dasselbe Problem welches wir bei RAW seit vielen Jahren haben und was im Grunde einer der Hauptgründe ist warum sich kein Schwanz mehr für Wrestling interessiert.
Für den Fan ändert sich also gar nichts, außer, dass er jetzt sozusagen zwei RAW-Sendungen hat. Aber für den Fan wird WWE ja auch nicht produziert, wie wir mal wieder vom großen Geschäftsmann Vince McMahon zu hören bekommen haben. Warum auch? Andere Unternehmen arbeiten auch nicht für den eigentlichen Endverbraucher, sondern für die Aktionäre. So ist das wirtschaftliche System welches uns in eine zwei Klassen Gesellschaft aufteilt doch auch gestrickt.

Politiker werden zum Teil vom Volk bestimmt. Diese Volksvertreter richten ihre Politik dann nach den großen Unternehmen aus. Einen anderen Grund hat das Zulassen von Lobbyisten im Bundestag nämlich gar nicht. Die Unternehmen schauen dann wie sie beim wählenden Volk, respektive ihren Mitarbeitern, am besten Geld einsparen können, um ihren Aktionären, unterm Strich auch irgendwie Wähler, eine fette Dividende auszahlen zu können.
Wer jetzt anfängt auf die bösen Arbeitgeber zu schimpfen sollte sich mal in seinem Betriebsrat und/oder seiner Gewerkschaft umschauen. Dort passiert nämlich genau das gleiche. Die Gewerkschaften bzw. deren in Unternehmen ausgesandte Vertreter sind auch nichts anderes als Lobbyisten. Dadurch, dass Gewerkschaften heutzutage leider keinen Einfluss mehr auf die Politik üben können versuchen sie die Betriebsratsgremien sozusagen zu unterwandern. Betriebsratsarbeit, so wird es dem Fußvolk verkauft, geht nicht ohne eine „starke Gewerkschaft“ und ein Betriebsratsmitglied das kein Gewerkschaftsmitglied ist muss zwangsläufig mit dem Arbeitgeber unter einer Decke stecken.
Mitarbeiter die Hilfe beim Betriebsrat suchen werden schon nach wenigen Minuten gefragt, ob sie denn überhaupt in der Gewerkschaft sind und man ihnen nur richtig helfen kann wenn sie auch in die Gewerkschaft eintreten. Somit streuen die Gewerkschaften durch ihre Lobbyisten Lügen in die Belegschaften, um sich selbst als die einzig wahren Retter der Mittelschicht zu verkaufen und Mitglieder zu gewinnen. Und warum? Um den eigenen wirtschaftlichen Gewinn zu maximieren.

Sind wir eigentlich gerade vom Thema abgekommen?

Macht ja nix wir haben ja Zeit… Oder hattet ihr heute noch was vor? Bestimmt nicht, denn Wrestling ist euer Lebensinhalt. Das muss auch so sein, denn bei wem das nicht so ist der bekommt doch gar nicht alles unter einen Hut was WWE so wöchentlich ausstrahlt.
Drei Stunden RAW am Montag, aktuelle zwei Stunden Smackdown, jeweils eine Stunde Superstars, Main Event und NXT. Hinzu beinahe jeden zweiten Sonntag ein PPV.
Hallo!? Ich stelle mir gerade vor ich würde diesen Weg konsequent verfolgen und mir jedes WWE-Produkt antun. Schon alleine alle zwei Wochen einen PPV und dann gleich hinter her fünf Stunden für die Weeklys verteilt auf zwei Tage. Da drehst du doch am Rad…
Wrestling ist doch immer noch nichts anderes als die „Lindenstraße“ nur mit Leuten die sich gerne eins auf die Fresse geben. Soll heißen mehr als eine Soap ist WWE nicht. Welche Soap ballert seine Zuschauer mit so viel Material zu? Man merkt dem Produkt doch an, dass es die Writer vor eine nicht zu stemmende Aufgabe stellt so viele Stunden im Monat mit Wrestling und den Geschichten drum herum zu füllen.

Eine eventuelle Lösung könnte ein Konzept sein mit dem TNA kürzlich einen Versuch gestartet hat. Wer es noch nicht gesehen hat der sollte sich in jedem Fall mal das letzte Aufeinandertreffen der beiden Hardy-Brüder anschauen. Dieses sogenannte „Final Deletion“-Match war eine willkommene Abwechslung zum WWE-Einheitsbrei. Das hat übrigens auch WWE gemerkt und das Ganze in dieser Woche gleich mal mit dem Segment zwischen The New Day und den Wyatts geklaut.
An dem „Final Deletion“-Match scheiden sich sicherlich ein wenig die Geister. Ist so etwas für viele doch eher Klamauk und hat nichts mit Wrestling zu tun. Und ja natürlich hat dies nichts mit klassischem Wrestling und dem typischen Ablauf seit den 80er Jahren zu tun. Aber muss das denn so sein?
Ist es nicht gerade das was uns seit vielen Jahren so aufregt? Sind es nicht genau diese festgefahrenen Prozesse die das Wrestling so langweilig und vorhersehbar machen? Der immer wiederkehrende (meist amerikanische) Held der nie aufgibt und sogar übernatürliche Feinde besiegen kann? Plus der immer wiederkehrende typische Ablauf bei Tag Team Matches mit dem guten Start der Babyfaces und der lange anhaltenden dominierenden Heel-Phase wo das schwächere Babyface von seinem Partner gefühlte Stunden isoliert wird, nur um nach einigen misslungenen Comeback-Versuchen endlich den „Hot Tag“ zu schaffen?
Warum sollten diese Elemente wie wir sie bei IMPACT oder RAW gesehen haben nicht einen größeren Anteil in den Shows einnehmen? Immerhin waren solche Matches eigentlich immer Dinge die einem positiv im Gedächtnis geblieben sind. Es ist ja nicht so, dass es solche „Real Life Segmente“ erst seit letzter Woche gibt. Erinnern wir uns an den Kampf zwischen Goldust und Roddy Piper oder dem Heizungskeller-Match zwischen dem Undertaker und Mankind. Ich kann mich auch an ein WCW-Match erinnern bei welchem der junge Goldust (als Dustin Rhodes) während des „King of the Road“-Matches mit seinem Kontrahenten Barry Darsow nicht nur in einem fahrendem Truck kämpfte, sondern sogar auf dem Dach. Beide wurden übrigens nach dem Match gefeuert. Nicht etwa weil sie sich beinahe umgebracht hätten, sondern wegen „Bladings“… Crazy.

Mein Aufruf lautet also „Mehr davon!“.
Vielleicht schafft man es ja mit solchen Elementen wieder Interesse beim Publikum zu generieren. Man darf es natürlich nicht übertreiben, aber man darf ruhig auch mal etwas Neues ausprobieren.

Schöne Grüße möchte ich an den User LesnarAsylum ausrichten. Ich habe deine Kritik an den wenigen Absätzen zur Kenntnis genommen.
Hinzu vermisse ich Ohje von dem ich immer am allerliebsten in die Pfanne gehauen werde.
Zusätzlich noch Grüße an die treuen Leser hornswoggle-fan, Kevin Starke und HollywoodHogan, sowie an Suplex City B $&%₩ dessen Kommentare ich immer gerne lese.

 

Für Kritiken jeglicher Art stehe ich gerne im Forum von Wrestling-Infos.de, unter kurzgemosert@gmail.com oder auf Twitter zur Verfügung.





Sag was zu diesem Thema!

11 Antworten zu “Kurz gemosert… #142”

  1. CM Funk sagt:

    Man könnte fast meinen der Moser arbeitet beim Spiegel! 😀
    Sehr erfrischend wieder einmal die Kritik zu lesen und mal wieder kann ich nur voll und ganz zustimmen! Wenn man sich nur einmal die Zahlen der Parteimitglieder in Europa anschaut, kann man sich leicht zusammenreimen wie heute Politik funktioniert: Kleine unkomplizierte Basis, großer Kopf der sich aber der kleinen Basis nicht erklären muss und irgendein Wähler findet sich schon. Die einzigen die wirklich Druck machen können auf die Politik, sind nun mal Aktionäre, Großunternehmer und -industrielle. Das nützt aber den Bürgern immer weniger. Tragisch aber wahr. Daher der Vergleich mit WWE gar nicht so abwegig! Solange Geld in die Kasse kommt ist alles egal, allerdings wird eine immer weiter schwindende fanbase das Ende bedeuten. Wrestling wird immer mehr zum Randsport verkommen, wir erleben wohl gerade die letzten Atemzüge des Wrestlings…

  2. Booker DeWitt sagt:

    Hmmmm, bin ich jetzt verrückt, Weil ich mir wöchentlich das gesamte WWE Programm angucke….??? Ich glaub ich muss zum Meisen-Doc!!!

  3. Batista sagt:

    Endlich wieder Moser !

  4. SmartSmartSmartMark sagt:

    Als ob irgendeiner der GM, geschweige denn die Commissioners in irgendeinen Entscheidungsprozess eingebunden würden. Die WWE ist Vinnies Spielfeld und da hat kein anderer Platz. Man kann sich natürlich auch künstlich über jeden On Air gescripteten Sch… aufregen.

  5. Manuel Moser sagt:

    @SmartSmartSmartMark
    Gut erkannt…
    Künstlich kurios über etwas kurios Künstliches aufregen.
    Genau darum geht es hier 🙂

  6. JennyTG sagt:

    Ich fang mal OT an..

    Mit deiner Analsyse der Klassen UND deiner Kritik an der Gewerkschaft hast du im Grunde recht ABER

    „…durch ihre Lobbyisten Lügen in die Belegschaften, um sich selbst als die einzig wahren Retter der Mittelschicht zu verkaufen und Mitglieder zu gewinnen. Und warum? Um den eigenen wirtschaftlichen Gewinn zu maximieren….“
    Wenn die Gewerkschaften die „Mittelschicht“ (also das kleinbürgertum vertreten wolen haben sie ihren Zweck völlig verfahlt. Sie sollen der Kämpferisch- organisatorische Arm der Arbeiterklasse sein… 😉

    An sonsten wieder einmal eine Gute Ausgabe. Hat spass gemacht zu lesen

  7. Manuel Moser sagt:

    @JennyTG
    Im Grunde definiert sich die Arbeiterklasse aber automatisch als Mittelschicht, da sie vom statistischen finanziellen Blickpunkt genau in diese Klasse passt. Auch wenn die Mittelschicht immer kleiner wird und wir uns in „Besserverdiener“ und „Geringverdiener“ aufteilen zu drohen..

    Die Gewerkschaften haben übrigens dadurch, dass sie sich nicht davon abbringen lassen konsequent rein für prozentuale Gehaltsanpassungen zu kämpfen einen nicht wirklich kleinen Anteil daran, dass die eigene Zielgruppe, im Vergleich zu den „Besserverdienern“ die im Übrigen auch zu einem nicht zu vernachlässigendem Anteil zur sogenannten Arbeiterklasse gehören, immer kleiner und /oder ärmer wird.
    Prozentuale Erhöhungen sorgen logischerweise flächendeckend dafür, dass die berühmte Schere immer weiter auseinander geht.

    Welcher Idiot hat eigentlich mit diesem Thema angefangen!?

    🙂

  8. crazyjo sagt:

    @Manuel Moser
    Eine Gewerkschaft ohne Mitglieder hat auch keine potenziellen Wähler die sie der Politik unter die Nase reiben kann.
    Bei der Einkommensschere wirds schwierig, den schon ein Abteilungsleiter kriegt vom Arbeitgeber einen AT-Vertrag (Außer Tarif) und verdient deutlich mehr als alles was die Tariftabelle hergibt.
    Und die Frage ob man Mitglied ist oder nicht, stellt so auch der Richter am Arbeitsgericht, denn der Tarifvertrag wird nur zwischen den Gewerkschaften (im Auftrag deren Mitglieder) und den Arbeitgebern geschlossen. Theoretisch müssten die nicht-Mitglieder ihren Vertrag mit ihrem Arbeitgeber selbst aushandeln. Die Arbeitgeber sind aber so „Kulant“ und geben allen den Tarifvertrag, nicht zuletzt um einen größeren Zulauf zu den Gewerkschaften zu vermeiden.

    Sonst, wie immer Gut Gemosert!!!

  9. TRF sagt:

    Kristallkugelklugscheisser kann ich einfach nicht ernst nehmen. Die typische Kolumne eben, wo mit simplen behauptungen, stammtischparolen und übertreibungen mit bildniveau auf likefang gegangen wird…

    billig für billige…weitermachen…

  10. JennyTG sagt:

    Manu…
    Ich als alte rote socke teile noch in Klassen ein. Arbeiter Klasse, Bürgertum und „zwischenklassen (<– Mittelaschicht) 😉

    Und versteh mich bitte nicht so dass ich die aktuellen Gewerkschaften veiteidigen wollte. Nicht sliegt mir verner… Die sind Handlanger des Kapitals. Punkt ende aus…
    (Übrigens hast du damit bnegonnen 🙂 )

    So und jetzt zurück zu thema *hust*

  11. HollywoodHogan sagt:

    Beste Grüße zurück, warum Mosert es eigentlich nicht jede Woche? 🙂

    @TRF: Zeitlose Haterkommentare kann ich in einer (ich muss es nochmal in Anführungszeichen setzen) „Kolumne“ nicht ernst nehmen … das ist mir zu markig.

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