Kategorie | Flashback, WWE News

Flashback # 14: Review und Analyse zum Royal Rumble 1991

18.01.16, von Benjamin "Cruncher" Jung

Es ist mal wieder soweit: Der neue Flashback ist da. Und da am kommenden Sonntag wieder der Royal Rumble bevorsteht, geht es heute (als hätten wir es nicht erwartet) auch flashbacktechnisch um einen Rumble, dieses Mal um den aus dem Jahr 1991. Und der war von den damals aktuellen politischen Ereignissen mehr als nur leicht beeinflusst, was schon gleich zu Beginn deutlich wurde: Die Übertragung der Show begann im Geiste der damaligen Zeit mit einer im Wind wehenden US-Flagge und der in der Halle gespielten Nationalhymne – da wusste man also schon, wo hier vor dem Hintergrund des Irakkrieges die Reise storylinemäßig hingehen würde (überraschenderweise brüllte die Halle nicht lautstark singend mit, vielmehr verlegte man sich auf das Jubeln nach der Musik; da hatte ich von den Fans in der Arena doch deutlich mehr erwartet bzw. befürchtet).

Um danach die Zuschauer ein letztes Mal zu hypen, wurden wie immer alle Teilnehmer der Battle Royal noch einmal kurz vorgestellt, dann begrüßten uns Roddy Piper und Gorilla Monsoon (ich für meinen Teil trauerte derweil noch ein wenig Jesse Ventura hinterher), faselten etwas von Wrestling und Patriotismus – dann ging der Rumble endlich mit dem Opener los: Die Rockers mussten gegen den Orient Express ran.

1. Match
Tag Team Match
The Rockers (Marty Jannetty und Shawn Michaels) gewannen gegen The Orient Express (Tanaka and Kato) (with Mr. Fuji) via Pin

Shawn Michaels und Marty Jeanatty wurden wieder mit viel Jubel empfangen und machten von Anfang an klar, was die Stunde geschlagen hatte: Tempo, Technik und Spots en masse wurden geboten. Es waren kaum Botches erkennbar (wie es sonst ab und zu mal der Fall war), vielmehr erinnerte mich der fortgeschrittene Stil der Rockers in diesem Match sogar ein wenig an Daniel Bryan im Frühjahr 2014: Das waren keine jungen Spotmonkeys mehr, das waren schon erfahrene Techniker auf dem Weg zu einer ganz großen Karriere (dieses Versprechen konnte gerade Shawn Michaels auf imponierende Weise halten). Natürlich waren auch hier ab und zu mal Pausen drin, aber das tat diesem ausgesprochen guten Match kaum einen Abbruch, da es in jeder Phase technisch sehr gut geführt und die Matchstory einfach professionell erzählt wurde. Michaels zeigte sogar seinen Moonsault und (ebenso wie Marty) einen High Cross Body vom obersten Seil aus dem Ring – das war schon stark. Aber auch der Orient Express wusste durch saubere Aktionen zu gefallen. Natürlich kam auch Mr. Fujis Spazierstock wieder zum Einsatz, um die Heels wieder ins Spiel zu bringen, als die Rockers das Kontrolle übernahmen. Zwar war letztlich auch in diesem Match wieder vieles auf den Hot Tag ausgerichtet, aber dieser wurde dafür auch genau so aufgebaut, wie das eben zu sein hat. Kurz: So musste ein Tag Team Match aussehen! Am Ende gewannen tatsächlich die Rockers (das kam selten genug bei PPVs vor) nach einem wie gesagt verdammt starken Match durch einen Einroller. Leute, hier gab Meltzer nicht umsonst vier Sterne. Und das im Jahr 1991!

Es folgte ein Interview mit dem Macho King, der sich ganz verlegen als größten WWF-Champion überhaupt bezeichnete (mit solch bescheidener Zurückhaltung holt man halt überall Pluspunkte) und kundtat, dass seine Sympathien im bevorstehenden Kampf um die WWF-Championship beim Herausforderer Sergeant Slaughter liegen würden, da dieser im Falle eines Sieges dem Macho King irgendwann in der Zukunft einen Titelkampf gewähren würde (schon damals konnte man in der WWF storylinetechnisch also dann und wann offenbar selber bestimmen, gegen wen man wann antreten wollte). Aber Savage, der alte Fuchs, wollte sich daraüber hinaus ganz abgebrüht nach allen Seiten absichern, um auch für den Fall, dass der aktuelle Champion mit Namen Ultiamte Warrior den Titel verteidigen sollte, seinen Titelkampf bekommen würde. Zu diesem Zweck hatte er raffiniert Sherri als Kirke eingesetzt, die eben jenen Warrior dahingehend bezirzen sollte, dem Macho King im Falle eines Warrior-Sieges ebenfalls ein Titelmatch zu geben.
Passend, dass man daraufhin direkt in die Arena schaltete, wo (genauso passend) Gene Ukerlund mit ebenjener Sherri stand. Die machte ihrerseits deutlich, dass der Warrior als Ehrenmann, der er doch ist, genauso wie Slaughter dem Macho King einen Titelkampf geben müsste. Um ihn davon zu überzeugen, forderte sie ihn auf, doch zu ihr herauszukommen. Der auf diese Weise gerufene Urmensch-Champion kam dann auch unter dem Jubel der Fans tatsächlich aus seiner Höhle in die Halle – und das mit einer USA-Jacke (sehr passend zum Gimmick des Psycho-Höhlenmenschen). Aber alles Anflirten von Seiten Sherris blieb erfolglos. Der Warrior als eiserner und standhafter (hahaha, welch Wortwitz) Amerikaner ließ sich natürlich nicht hinters Licht oder aufs erotische Glatteis führen, sondern grunzte nach der Verweigerung eines Kusses von Sherri (dieser Depp!) nur ein „Noooo“ ins Mikro – und ging stiften. Das brachte den Macho King natürlich auf 180! Daher wollte er umgehend den bösen Warrior noch in der Halle stellen, fand dort aber nur noch eine verzweifelt schreiende Sherri vor.
Wie würde es wohl weitergehen, das war die spannende Frage, die keinen kalt ließ. Aber bevor es hier Klarheit gab, ging es zunächst weiter mit Wrestling – oder zumindest mit so etwas Ähnlichem…

2. Match
Singles Match
The Big Boss Man gewann gegen The Barbarian (with Bobby Heenan) via Pin

Der Big Boss Man hatte es nämlich im folgenden Match mit dem Barbarian zu tun – und es gab einen Brawl, wie man ihn sich von diesen beiden nicht anders erwarten durfte. Schläge, viele Pausen und wenig Akionen, so lief das Mach. Beeindruckend war allerdings die mächtige Clotheline, mit welcher der Boss Man den Barabrian und sich selber über das oberste Seil aus dem Ring beförderte. Ansonsten war Technik natürlich Mangelware, aber da musste man eben durch. Stellenweise gab es dafür einige sehr stiffe Aktionen, die gerade vom Boss Man klasse gesellt wurden. Aber auf die Dauer wurde das Bearhug-Festival ziemlich schnell ziemlich langweilig. Gegen Ende kam aber wieder etwas Tempo rein, als der Boss Man (unter uns, der deutlich besser der beiden) zur Schlussoffensive blies. Er durfte sich schließlich auch als Sieger einer Partie feiern lassen, die bis zum letzten Drittel wie erwartet schwach war, gegen Ende aber durchaus ordentlich wurde.

Weiter ging es mit dem Aufbau des Kampfes um die WWF Championship. Der zum SummerSlam 1990 zurückgekehrte Sergeant Slaughter hatte in den vergangenen Monaten mit antiamerikanischen Promos auf sich aufmerksam gemacht. Aber es war nicht Hogan, sondern der Ultimate Warrior, der sich als WWF Champion berufen sah, die amerikanische Ehre beim Royal Rumble zu verteidigen. Das genügte als Rechtfertigung für das Titelmatch.
In den nun folgenden Hype-Segmenten wurde Sergeant Slaughter mit dem putzigen General Adnen interviewt. Letzterer begeisterte mich nicht nur mit herrlichem arabischen Kauderwelsch und beständigen Allah-Heraufbeschwörungsformeln, sondern war auch sonst ein interessanter Zeitgenosse, zählte er doch zu den High-School-Freunden von Saddam Hussein, besiegte 1971 in Bagdad André the Giant und hielt 1976 zusammen mit Jay Strongbow auch einmal den WWF Tag Team Gürtel – wer kann dies alles schon von sich behaupten? Slaughter, als gegen das eigene Land geturnte Army Sergeant, nahm sich Adnen (gegen den er während seiner Zeit bei der American Wrestling Association noch fehdete) als Manager – und blieb auch beim Rumble im sicheren Storylinefahrwasser: Alle Amerikaner seien feige und faule Maden, aber Slaughter werde ihnen schon den richtigen Weg zeigen – die Araber aus dem mittleren Osten seien da im Allgemeinen ohnehin schon eher auf der sicheren Seite (was wohl auch sein modisch eher gewagtes Outfit, bestehend aus US-Uniform kombiniert Palituch, erklären mag). Gegen den von ihm so bezeichneten Ultimate Puke sah er sich selbstredend leicht in der Favoritenrolle.
Trotz dieser für den Irakkrieg typischen Nationalsoße muss man sagen, dass es Slaughter promotechnisch einfach drauf hatte. Er spielte den bösen Sergeant so charismatisch und sich immer wieder selber parodierend, dass man ihn einfach klasse finden musste.
Im Vergleich dazu wirkte der Warrior im folgenden Interview mit Gene Ukerlund eher blass, zumal er sich als amerikanischer Nationalheld nur bedingt eignete, da er sich weniger auf Reden, als vielmehr auf Knurren und Grunzen verlegte. Mit Steroiden aufgepumpte Höhlenmenschen passten einfach nicht so richtig in die damalige Zeit, die eher nach einem smarten Patrioten verlangte. Aber im Hintergrund wetzte Hulk Hogan bereits die Messer und übte fleißig die Nationalhymne…

3. Match
WWF Championship
Sgt. Slaughter (with General Adnan) gewann gegen The Ultimate Warrior (c) via Pin – Titelwechsel

Relativ früh (und seinem Stellenwert damit eigentlich unwürdig) stand dann das Titelmatch auf dem Programm. Slaughter und Aden liefen hierbei mit Irakflagge ein, während der Warrior wie üblich von allen guten Geistern verlassen in die Halle stürmte, Slaugter und Adnen aus dem Ring warf, die Irakflagge zerriss und damit den verräterischen Sergeant fütterte. Das war natürlich ein Start, wie die Fans ihn sich wünschten, zumal Slaughter auch in der Folgezeit nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen wurde. Aber irgendwann kam Sherri an den Ring (keiner wusste so recht, wieso), stand dort dumm herum und plante Böses. Außerhalb des Rings würgte allerdings zunächst der Warrior weiter den armen Sergeant mit der Flagge – und der Ringrichter griff ganz hart durch, indem er beide anzählte (Merke: Wer mit einem illegalen Gegenstand gewürgt wird, wird angezählt). Irgendwann hielt Sherri den Warrior aber am Bein fest und suchte danach das Weite. Der Champion hatte vielleicht durch diese Aktion seinen Sexualtrieb wiederentdeckt, stürzte ihr sabbernd nach – und lief genau in die Arme des Macho Mans, der dem Warrior auflauerte, ihn attackierte und ihm auch arg zusetzte. Wieder im Ring war dann natürlich Slaughter gegenüber dem angeschlagenen Warrior am Drücker. Die Story des Matches war ab diesem Zeitpunkt nur noch, wie sich der hinterrücks angegriffene Warrior gegen Slaughter würde behaupten können. Das Tempo wurde auch dadurch spürbar herausgenommen, dass Slaughter einen schier ewig dauernden Bearhug ansetzte, aus dem sich der Warrior erst nach gefühlt zwei Stunden befreien konnte. Auch danach lief das Match nach dem typischen Hogan-Muster ab: Der Heel dominierte, der Star musste einstecken. Da durfte natürlich auch das Comeback nach der Aufputschphase des Helden nicht fehlen, das auch durch ein zweites Auftauchen von Sherri nicht beeinträchtigt wurde – der Warrior slamte sie einfach auf den ebenfalls wieder aufgetauchten Savage. Der so gedemütigte Macho King ließ sich seinerseits nicht lumpen und setzte sein Zepter als Schlaginstrument gegen den ultimativen Krieger ein. Slaughter staubte ab – und wurde auf diese Weise tatsächlich neuer WWF Champion. Das Publikum reagierte wie geplant und schrie sogar allen Ernstes nach Hogan (diese Deppen!), während der Warrior hinter die Bühne rannte, um den Macho King in die Finger zu bekommen. Damit war der Warrior für die Zukunft aber mal so was von aus dem Rennen und der Boden ein weiteres Mal für Hogan bereitet – dieses Mal für ein Mega-Match bei bei Wrestlemania VII, doch dazu später mehr.
Das Championship-Match selber wurde ordentlich erzählt und aufgebaut, aber wrestlerisch blieb es über weite Strecken für mich allenfalls Hausmannskost.

4. Match
Singles Match
The Mountie (with Jimmy Hart) gewann gegen Koko B. Ware via Pin

Im folgenden Match musste der Birdman gegen den Mountie ran. Bei letzterem handelte es sich um einen der fabelhaften Rougeau-Brüder (Jaques), der nun als Single-Wrestler mit dem Gimmick des unfreundlichen kanadischen Provinzpolizisten durchstarten wollte (bedauerlicherweise hatte er beim Rumble noch nicht sein großartiges Theme, das jeder Fan der alte Garde auswendig zu können hat – „I’m the Mountie, I’m handsome, I’m great, I’m strong…“ – großartig!).
Das Match, naja, der Crowd war es recht egal, man musste noch den Schock aus dem vorangegangenen Kampf verdauen.
Wirklich klasse war der nun stattfindende Kampf aber auch wirklich nicht. In erster Linie gab es Halte- und Würgegriffe, Matchfluss kam nur selten auf. Nach einem Chokeslam des Mounties war es dann auch vorbei – und ich muss gestehen, dass ich darüber nicht unglücklich war. Doll war diese Ansetzung wie gesagt nun echt nicht…

In dem darauffolgenden Backstageinterview stellte der Macho King unmissverständlich klar, dass und warum niemand zu ihm „nein“ sagen sollte – was dann passiert, habe der Warrior ja gerade eben selber erlebt. Dass Savage der Beste aller Zeiten ist, das wollte er auch nicht unerwähnt lassen. Als es wild an der Tür klopfte, suchte er dennoch sicherheitshalber das Weite…
Derweil feierte Slaughter seinen Titelgewinn, indem er alle Amerikaner als unfähig entließ und ankündigte, seinen Weg weiter zu beschreiten. Dabei trat er in feschem Kampfhelm auf, was seinem Auftritt die nötige Komik verlieh.
Es folgte das, was natürlich unvermeidbar war: Die WWF ließ in Videosegmenten den Mann von der Straße zu Wort kommen und Grußworte an alle US-Soldaten richten, die im Wüstensturm ihren Mann standen (Zitate: „Give em Hell, Brothers!“, „We are behind you 100%“, „Kick some butts!“ – noch Fragen?). Hier blieb mir eigentlich nur in Erinnerung, dass der männliche Vertreter des Mobs auf der Straße im Jahr 1991 erschütternd oft einen Oberlippenbart trug. Verstörend…
Es folgten Einspieler der Rumble-Teilnehmer, die allesamt wie immer nur Mist erzählten. Aber ein Mann muss dabei besonders erwähnt werden, da er hier zum ersten Mal im Flashback auftaucht: Der Undertaker! Die Legende schlechthin gab bei der Survivor Series 1990 sein Debüt in der WWF, als er im Team des Million Dollar Man antrat und eine starke Performance ablieferte. Es war für mich einfach etwas Besonderes, ihn dann auch im Rumble zu sehen. Wortgewandt trat er bereits damals auf (seinerzeit noch von Brother Love gemanaged – wer auch immer auf diese Dusselidee gekommen sein mag): „Rest in Peace“ – mehr gab der Deadman schon im Jahr 1991 nicht von sich!

Doch vor dem Royal Rumble Match stand noch ein weiteres Tag Team Match auf dem Zettel: Ted DiBiase und sein Scherge Virgil traten gegen Dusty Rhodes und seinen Sohn Dustin an. Das brachte mich schon wieder zum Schmunzeln, denn bei Dustin Rhodes handelt es sich bekanntermaßen um den auch 2016 noch aktiven Goldust, der seinerzeit natürlich noch deutlich jünger und ohne Make Up antrat (böse Zungen behaupten, dass er heute besser aussehen würde – zumindest erkannte man 1991 optisch ganz deutlich, dass er der Sohn seines Vaters war).

5. Match
Tag Team Match
Ted DiBiase und Virgil gewannen gegen Dusty Rhodes und Dustin Rhodes via Pin

Dieses Match lebte von den Spannungen zwischen Virgil und seinem Meister, dem Million Dollar Man, der ihn bezahlte, aber auch demütigte. Man sah (und sollte auch sehen), wie es in Virgil brodelte. Die Frage, die alle Marks beschäftigte (und demnach schon vorher beantwortet war), war daher auch: Würde sich Virgil alles gefallen lassen? Der Kampf selber war solide, wenn auch aus meiner Sicht nichts Außergewöhnliches. Virgil und Dustin waren technisch versierte Worker, aber viel zeigen durften sie nicht, da eben zu viel Aufmerksamkeit auf die Spannungen zwischen Virgil und DiBiase gelenkt wurde. Wrestlerische Schmankerl gab es vor diesem Hintergrund eigentlich keine, bestenfalls wurde Durchschnittliches geboten, daher halte ich mich diesbezüglich auch zurück und beschränke mich auf die Story des Matches: Nach starkem Beginn der Faces verletzte sich Dustin am Knie, das in der Folge von den Heels immer wieder bearbeitet wurde. Dabei traf Virgil dann versehentlich seinen Gebieter, der ob dieses Missgriffs not amused war und erst einmal auf seinen Diener einprügelte und ihn aus dem Ring warf. Dann konnte er sogar Dusty einrollen und den Sieg abstauben.
Das Wichtigste kam aber natürlich noch: DiBiase wollte von Virgil seinen Million Dollar Championship Gürtel um die Hüften gelegt bekommen. Der Gedemütigte rang innerlich mit sich, auch das Publikum animierte ihn dazu, sich auf seinen Stolz zu besinnen. Und dies geschah dann natürlich auch: Unter dem Jubel der Fans schlug er den Millionär mit dem Gürtel KO, wurde somit für fünf Minuten zu einem Liebling der Massen und versuchte in der Folgezeit einen Run als Single-Wrestler, der freilich in der WWF nie über wohlwollende untere Midcard hinausging.

Vor dem anstehenden Royal Rumble Match durfte die Wrestlingwelt wie in den Jahren zuvor noch einmal den Worten des Hulksters lauschen, der sich ohne falsche Bescheidenheit doch zumindest Außenseiterchancen nicht ausreden lassen wollte. Außerdem stünden ja noch die Army, die Navy, die Airforce und die Marines hinter ihm, so dass Hulkamania stärker sei, als jemals zuvor (zumindest hier sollte sich Hogan irren, wie die kommenden Monate zeigen sollten, vielmehr war das Jahr 1991 so etwas wie das letzte Hurra von Hogan in der WWF für eine sehr lange Zeit). Um dieses üble Segment noch schlimmer zu machen, brachte Mean Gene der Welt zu Gehör, das Sergeant Slaughter soeben die US Flagge entehrt haben würde. Gut, dass da ein Hulk Hogan in unmittelbarer Nähe war, der ankündigte, die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken. Herrlich war dabei nur, mit anzusehen, wie Hogan gegen Ende seiner Ansprache seinen Text vergaß und sich bei der Promo großartig verhaspelte…

6. Match
Royal Rumble Match
Hulk Hogan gewann, indem er als letzten Gegner Earthquake eliminierte

Dann ging endlich das Royal Rumble Match los. Als erster Teilnehmer kam unter dem Jubel der Fans Bret Hart an den Ring, der es mit Dino Bravo zu tun hatte. Diese beiden durften also den Rumble im Jahr 1991 eröffnen. Zu ihnen gesellte sich dann Greg Valantine, der es gleich auf Bravo und dessen Manager Jimmy Hart abgesehen hatte und Bravo auch schnell eliminierte (bei der Gelegenheit verpasste er Jimmy Hart auch gleich noch eine Ohrfeige). Als Nr. 4 kam Paul Roma von Power and Glory in den Ring, der sich diplomatisch sowohl mit Hart als auch mit Valentine anlegte, danach wurde die Entrance des Texas Tornados von der Crowd gefeiert und als Nr. 6 Rick Martel ausgebuht. Als siebter Teilnehmer durfte der bullige Saba Simba in den Ring. Hinter dem ugandischen Stammeskrieger verbarg sich niemand anderes als der spätere WWE Hall of Famer Tony Atlas. Der brachte es in seiner Karriere lange vor dem Rumble 1991 immerhin zum WWE Tag Team Champion, bekam dann aber Drogenprobleme und geriet nicht zuletzt dadurch nach eigener Aussage doch deutlich neben die Spur. Das ging sogar so weit, dass Atlas auf Parkbänken schlafen musste, ehe Ende 1990 der Anruf von Vince McMahon kam, der ihn mit dem Simba-Gimmick in die WWE zurückholte. Das Gimmick selber war (positiv gesehen) eher unpopulär, andere sagen, dass es (negativ gesehen) deutliche rassistische Züge aufwies (wen wundert das bei Vince wirklich?). Wie dem auch sei, auf Simba folgte Bushwhacker Butch. Der Schafhirte lief wie immer knuddelig im Ring herum, konnte zwar nicht wirklich etwas ausrichten, durfte aber immerhin miterleben, wie sich Simba mehr oder weniger selber eliminierte, als er versuchte, Martel aus dem Ring zu werfen. Als Jake Roberts die Nummer 9 in den Ring kam, wusste die Halle, was passieren würde: Er krallte sich sofort Rick Martel (mit dem er seinerzeit fehdete), der aber flüchtete, als der DDT kommen sollte. Mi dem Eintritt von Hercules in dem Rumble waren Power and Glory vereint und arbeiteten erst einmal zusammen. Ansonsten passierte dennoch nicht viel, so dass die Entrance von Tito Santana als Nr. 11 das erwähnenswerteste Ereignis war. Das wiederum brachte wohl Paum Roma dermaßen aus dem Konzet, dass sich dieser ebenfalls mehr oder weniger selber aus dem Rumble beförderte. So weit lief also alles wie es zu erwarten war. Doch dann kam er: Der Undertaker persönlich! Blass wie eh und je, dafür mit furchteinflößender Vokuhila schritt er (begleitet von Brother Love) an den Ring – und räumte auf: Wie eine lästige Fliege wurde zuerst Bret Hart aus dem Rumble geklatscht, dann sämtliche Schläge und ein Discus Punch des Texas Tornados „no-gesellt“ und auch Butch über das oberste Seile geworfen. Da gingen die Entrances von Jimmy Snuka, dem British Bulldog und Smash fast unter. Der British Bulldog kehrte im Jahr 1990 tatsächlich in die WWF zurück, nachdem die British Bulldogs nach internen Querelen 1988 die Liga verließen. Allerdings kam es irgendwann zwischen den Bulldogs selber zu Spannungen, so dass sich Davey Boy von Dynamite Kid trennte, der mittlerweile körperlich stark abbaute und emotional immer unberechenbarer wurde. Davey Boy workte seitdem als Single-Wrestler und versuchte es erneut aus Vince McMahons Showbühne. Doch zurück zum Deadman: Für mich war der Auftrit des Takers beeindruckend und deutete an, was später noch aus ihm werden sollte.
Irgendwann verabschiedete sich dann auch Jake Roberts, und das eher beiläufig, dafür kam Hawk von der Legion of Doom dazu. Ja, die Legion of Doom (oder vielen besser bekannt als die Road Warriors) gelten in der Originalbesetzung als eines der ganz großen Tag Teams im Wrestling. Charisma, Power und eine unglaubliche Beliebtheit beim Publikum machten sie in jeder Liga, in der sie antraten, zu einer ganz großen Nummer. Auch in der WWF waren das Team eine Bank: Zweimal waren die beiden Tag Team Champions. Leider verstarb Hawk, das Rückgrat des Teams, im Jahr 2003 mit 46 Jahren an einem Herzinfarkt. Zurück zum Rumble: Auf Hawk folgte dann Shane Douglas. Und um mal wieder etwas Übersicht herzustellen, wurden dann der Texas Tornado und Jimmy Snuka eliminiert. Als Nr. 18 sollte eigentlich Randy Savage kommen, aber der glänzte letztlich dann doch durch Abwesenheit. Anders machte es Animal, die zweite Hälfte der Legion of Doom, der zusammen mit seinem Partner Hawk nach einer Double Clotheline sogar den Undertaker aus dem Ring beförderte. Allerdings konnte sich Hawk darüber nicht wirklich lange freuen, da er kurz danach von Hercules und Martel selber rausgeschmissen wurde. So waren die Legion of Doom – kaum vereint – schon wieder getrennt, dafür gab es die Reunion von Demolition zu bewundern, denn Crush kam als Nummer 20 in die Massenkeile. Ihm folgte Publikumsliebling Jim Duggan, der unter großem Hallo der Crowd kurz im Ring aufräumte, dem dann aber doch recht schnell gezeigt wurde, wo der Hammer hing. Mittlerweile hatte ich auf aufgehört zu zählen, wie oft Gorilla Monsoon „Every man for himself“ sagte. Lieber habe ich mir die Entrance von Earthquake angeschaut, der auch gleich Animal aus dem Ring warf und sich dann gegen Hacksaw zur Wehr setzen musste. Mr. Perfect kam als nächstes in den Rumble, wobei mir hier beim Entrance vor allem die Art und Weise in Erinnerung blieb, wie Bobby Heenan hinter dem Rücken das von Mr. Perfect über die Schulter geworfene Handtuch elegant so auffing, als wäre das für ihn die leichteste Übung der Welt. Grandios, dieser Heenan. Mr. Perfect selber machte im Ring angekommen auch gleich deutlich, was er an diesem Tag vorhatte, denn er schmiss umgehend Hacksaw über das oberste Seil und freute sich. Als Nummer 24 gab sich der Unsterbliche persönlich der Ehre: Hulk Hogan stürmte in den Ring und machte das, was man als Lichtgestalt eben so macht: Den Ring von unwürdigem Gesocks säubern! Als erster musste Smash dran glauben, dann nahm sich Hogan Earthquake vor, stieß da aber zunächst an seine Grenzen und musste sich sogar gegen das Ausscheiden wehren. Hakus Entrance interessierte da kaum einen, genauso wenig das Ausscheiden von Valentine, der immerhin recht lange im Rumble verweilte. Martel machte dann den Schritt zum Fortschritt, riss Hogan sein gelbes Shirt vom Leid und würgte ihn damit – das war doch mal innovativ. Das Publikum war allerdings noch nicht so weit, diese avantgardistische Leistung des Models anzuerkennen, sondern reagierte eher beleidigt-konservativ mit „Hogan, Hogan“-Sprechchören. Spielverderber…
Die Ankünft von Jim Neidhart wurde mit höflichem Applaus bedacht, interessierte aber kaum jemanden, gleiches gilt für die Eliminierung von Santana. Langsam kam man dann auch zum Ende, da nur noch vier Worker ausstanden – und das waren größtenteils Jobber. Den Anfang macht Butch der Bushwhacker, der, kaum im Ring angekommen, schon von Earthquake wieder herausbefördert wurde. Luke schien das aber gar nicht mitbekommen zu haben, sondern ging im Bushwhacker-Style fröhlich um den Ring herum. Das ist doch mal Sportsgeist – oder doch eher geistige Umnachtung? Man weiß es nicht…
Es folgte Brian Knobs von den Nasty Boys. Die Nasy Boys waren seit Dezember 1990 ein Teil der WWF und dürften wohl ebenfalls zu den bekanntesten Tag Teams der jüngeren Vergangenheit zählen. Ich für meinen Teil habe die Jungs immer unglaublich gemocht, egal ob als geekige Heels oder als Faces. Sie waren charismatisch, konnten brawlen, aber (vor allem Knobbs) auch ordentliche Matches zeigen (wenngleich ihr In-Ring-Style manchmal etwas unbeholfen wirkte und nach Aussagen von diversen Workern auch für andere nicht immer ganz ungefährlich war). Im Rumble 1991 jedenfalls durfte Knobs sogar Hercules übers oberste Seil befördern, na immerhin! Als nächster Teilnehmer folgte der Warlord, der zwar im Steve-Austin-Look auftrat, aber sonst wenig zu bestellen hatte und daher auch früh ausschied. Das gleiche Schicksal ereilte auch Crush, bevor als Nr. 30 Tugboat kam. Der trat zu Beginn seiner Karriere in der WWF zunächst als Hogan-Freund auf, durfte später mit den Natural Disatsers Tag-Team-Gold erringen, um am Ende seiner Karriere bei der WCW als Shockmaster legendär zu werden, indem er das wohl peinlichste Debüt aller Zeiten hinlegte – und danach dankend zurücktrat. Im Ernst, wer den „Shockmaster Incident“ nicht kennt, hat ein absolutes Highlight verpasst!!! Wie auch immer, beim Rumble 1991 legte sich Tugboat als Hogans Kumpel standesgemäß mit Earthquake an, zoffte sich dann aber überraschend auch mit Hogan – und wurde deswegen auch von ihm eliminiert. Emotionale Tragik pur!
Doch sei es wie es sei: Damit waren alle Startnummern durch, so dass es nun nur noch darum ging, wer am Ende das Rennen machen würde.
Nacheinander wurden Mr. Perfect, Jim Neidhart und Haku rausgeworfen, so das als Faces Hogan und Davey Boy gegen die Heels Earthquake, Martel und Knobs übrig blieben. Zuerst schmiss Davey Boy den Kollegen Martel raus, der mit beeindruckenden 52 Miunten und 17 Sekunden einen neuen Rekord für die Durchhaltedauer im Rumble aufstellte.
Dann nahmen Knobs und Earthquake den Britisch Bulldog auseinander und schmissen ihn aus dem Rumble, so dass Hogan gegen die beiden Heels allein auf weiter Flur stand. Der Unsterbliche musste natürlich irgendwann das Erdbeben einstecken, feierte aber seine wundersame Wiederauferstehung, schmiss mit einem Big Boot Knobs aus dem Ring und widmete sich dann dem bösen Earthquake. Es kam wie es kommen musste: Erst ging Hogans Bodyslam daneben und der Held der Massen wurde von Earthquake abgefertigt – aber es folgte wundersame Wiederauferstehung, Teil 2, Big Boot, Body Slam und die Eliminierung Earthquakes. Hogan gewann damit zum zweiten Mal in Folge den Royal Rumble – und wer genau hinhörte, der wird vielleicht auch zum ersten mal den einen oder anderen leisen Buhruf gehört haben. Langsam wurde es eben zu vorhersehbar…

Fazit: Als Event war der Royal Rumble auch im Jahr 1991 wieder durchaus unterhaltsam. Die Matches waren vertretbar bis stark (auch wenn natürlich der eine oder andere Ausfall zu beklagen war), aber leider nervte die Ausschlachtung des Irakkrieges einmal mehr ungemein!
Auch das Royal Rumble Match war im Jahr 1991 für mein Dafürhalten eher durchschnittlich, da kaum etwas Ungewöhnliches passierte und viele Tag Teams und Midcarder am Start waren. Dennoch kann man am Ende wohl noch zu folgendem Fazit gelangen: Der Royal Rumble war auch im Jahre 1991 zumindest nicht schlecht.

 

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2 Antworten zu “Flashback # 14: Review und Analyse zum Royal Rumble 1991”

  1. MusSan sagt:

    Krass wie WWE die Kriege missbrauchte, bzw bis heute missbraucht um ihre Storys zu pushen. Unglaublich!

  2. Lordcold sagt:

    War damals mein erster rumble!

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