Kategorie | Flashback, WWE News

Flashback # 11: Review und Analyse zum Royal Rumble 1990

14.09.15, von Benjamin "Cruncher" Jung

„It’s time to rumble, it’s time for the Royal Rumble“ – mit diesen Worten schwor einmal mehr Vince McMahon die Fans mit seiner unverwechselbaren Stimme auf den ersten Rumble des neuen Jahrzehnts ein. Mittlerweile war man in den 90ern angekommen: Politisch fiel die Sowjetunion auseinander, Deutschland wurde wiedervereinigt, Jugoslawien zerbrach und Amerika stürmte die Wüste im Irak. Musikalisch machte sich ein junger Mann namens Kurt Cobain in Seattle daran, innerhalb weniger Monate den Sleaze-Rock der 80’er Jahre aus Los Angeles nahezu völlig zu zerstören, die Ärzte feierten ihre Wiedervereinigung und Europop wurde im Verlauf dieser Dekade zum weltweiten Inbegriff der Popmusik. Die Welt drehte sich also weiter um die eigene Achse. Und was machte Hulk Hogan? Ja, der sollte in den Neunzigern (besonders deutlich wurde dies erstmals bei Royal Rumble zwei Jahre später) seine Götterdämmerung erleben. Doch soweit war man im Jahre 1990 noch nicht. Als der Royal Rumble am 21.1.1990 in Orlando vor ca. 17.000 Fans über die Bühne ging, stand eben jener Hogan noch im Zenit seines Erfolges und strahlte in vollem Glanz. Doch lest am besten wie immer selbst, wie die Dekade der 90er wrestlingtechnisch begann…

Die Kommentatoren waren wie auch schon beim SummerSlam 1989 wieder Tony Schiavone sowie der legendäre Jesse Ventura (der mit gewagtem Mickey-Mouse-Kopfschmuck grüßte und somit eindrucksvoll bewies, wie sehr ein Mann seiner Klasse sich mittlerweile von einem obligatorischen Dresscode emanzipiert hatte). Erfrischenderweise ging es nach der kurzen Begrüßung ohne viel Vorgeplänkel schon zum ersten Match.

1. Match
Tag Team Match
The Bushwhackers (Bushwhacker Butch and Bushwhacker Luke) gewannen gegen The Fabulous Rougeaus (Jacques and Raymond Rougeau) (with Jimmy Hart) via Pin

Den Beginn machten die allseits beliebten (und wrestlerisch mittlerweile ebenso limitierten) Bushwhackers gegen die von mir sehr geschätzten Rougeau Brothers. Dieses Match gab es schon bei Wrestlemania V, wo es ausgesprochen langweilig und schwach war. Es nun wieder als Opener beim Royal Rumble 1990 zu bringen, war daher schon etwas gewagt. Die WWE setzte dennoch voll und ganz auf die Comedy-Karte und hoffte wohl, dadurch gute Stimmung bei den Fans zu kreieren. Gelang dies auch? Na ja, diesbezüglich darf man zumindest geteilter Meinung sein…
Bereits nach wenigen Minuten verlegten die Worker den Fokus im Ring weg von den wresterischen Aktionen hin zu Alternativen im kulinarischen Bereich: So knabberte Butch das Bein von Raymond an und probierte kurz darauf auch gleich den Geschmack der Haxe des Ringrichters (die fällige DQ blieb freilich aus). Als Luke danach zeigen durfte, was er im Ring konnte (bzw. nicht konnte), biss er mit viel Herzblut Jaques in die Nase (wer muss da nicht an das Lied „Nazareth“ von den Ärzten denken?).
Schon durch diese einleitenden Ausführung dürfte eins deutlich geworden sein: Wrestlerisch blieb das alles natürlich einmal mehr sehr überschaubar – dennoch war es zumindest für mich nicht so schlimm wie bei Wrestlemania V. Das lag weniger an den knuddeligen Bushwhackers (die muss man irgendwie einfach mögen, aber irgendwann wiederholen sich die Späße etwas zu häufig) als vielmehr an Jaques Rougeau, den ich für einen der charismatischsten Heels in der Wrestlinggeschichte halte (wrestlerisch durchaus versiert, in der Interaktion mit den Fans ausgesprochen charismatisch): Nach jeder unglücklichen Aktion gab es Gruppenumarmung mit Jimmy Hart und Ramond, inklusive der typischen Gesichtskirmes.
Der Rest war wie gesagt eher schwach: Das Match lief nach dem üblichen Schema ab (die Heels lenken die Faces ab, es folgt das publikumswirksame Aufbauen des Hot-Tag und so weiter und so fort).
Da war man wieder froh um Jesse Ventura als Kommentator: Nachdem Tony Schiavone das ganze Match über stets bemüht (weil entsprechend gebrieft) war, sämtliche mehr oder weniger illegalen Bissattacken der Bushwhackers als tapfere Heldentaten darzustellen, den Rougeaus aber bei jedem Move eine regelwidrige Aktion unterzujubeln, rief er nach einem lang gezogenem Wechsel der Rougeaus mit dem anbiedernden Eifer eines Blockwartes, der etwas zum denunzieren entdeckt hat und nun kriechend zum Oberblockwart rennt, und einem Enthusiasmus in der Stimme, als wäre er Archimedes, aus: „Now here is an illegal move!“ Daraufhin konterte Jesse trocken und sich für seinen Kollegen schämend: „That’s a tag!“ Ach, das waren zumindest kommentatorentechnisch noch herrliche Zeiten…
Am Ende des Matches unterband Jimmy Hart nach dem Hot Tag der Bushwhackers deren Rammbock-Finisher und wurde deswegen danach publikumswirksam von den Faces auseinandergenommen. Zwar konnten die Rougeaus ihrem Manager noch zu Hilfe eilen, doch im anschließenden Gewusel setzten die Bushwhackers dann doch den Rammbock an, trugen den Sieg davon und leckten den Referee sowie Teilen des Publikum das Gesicht ab. #Truelove
Obwohl auch dieses Match alles andere als gut war bot es doch durch eine immerhin ordentlich erzählte Matchstory und war nach meinem Dafürhalten deswegen immerhin leicht besser als das Aufeinandertreffen der beiden Teams bei Wrestlemania V.

Nach dem Match interviewte Gene Ukerlund Ted DiBiase, der sich mit leicht genervtem Gesichtsausdruck den Fragen nach der diesjährigen Startnummer des Million Dollar Mans stellen musste. Wir erinnern uns: Im letzten Jahr zog DiBiase unter ominösisten Umständen die begehrte Nummer 30!
Ted BiBiase beklagte das totalitäre Regime in der WWE, welches es ihm im Jahr 1990 unmöglich machte, seine Nummer überhaupt selber ziehen zu dürfen. Gene lobte daraufhin mit der Begeisterung eines devoten McMahon-Untertanen die Sicherheitspolitik der WWF in den höchsten Tönen. Es lebe der vincige Bruder…
Für den Million Dollar Man lief es beim Rumble 1990 aber auch wirklich tragisch: Denn der zur Ziehung der Startnummer auserkorene Virgil brachte es nur zur Nummer 1. Das war DiBiase aber letzten Endes herzlich egal, da es nach seiner Aussage nicht wichtig sei, wer der erste im Ring ist – es komme vielmehr darauf an, wer als letzter übrigbleiben werde. Bei solchen Weisheiten hätte selbst ein Sepp Herberger einpacken können…

2. Match
Singles Match
Brutus Beefcake gegen The Genius endete in einer Double Disqualification

Weiter ging es mit The Genius gegen Brutus Beefcake. In seinen Anfangstagen durfte der Genius bei der WWF tatsächlich auch mal in den Ring steigen und Match worken. Viel reißen konnte der Bruder von Randy Savage in der Liga dennoch nie. Rückblickend muss ich sagen: Zu Unrecht: Der Junge hatte Charisma, konnte sellen und wirkte auf mich wie eine gelungene Mischung aus dem Besten von Damien Sandow und Bo Dallas (und auch die Tatsache, dass Randy Savage sein Bruder war, konnte man immerhin erahnen). Dazu kamen Bewegungen, die leicht ins Elfenhafte übergingen (kennt jemand von euch noch die Serie mit Christian Ulmen „Mein neuer Freund“, die im Jahr 2005 auf Pro7 lief? The Genius hatte irgendwie auch was vom Charakter des „Veith“ – einige Ältere von euch wissen vielleicht wovon ich rede). Brutus war seinerseits eigentlich wie immer – und als Hogan-Abklatsch allererster Güte auch wieder unglaublich over beim Publikum (beim Ausziehen des Anzugs gab es sogar lautes Frauengekreische).
Das Match begann mit unsäglichen Comedy-Aktionen, bei denen Beefcake versuchte, cheap pops bei den belanglosesten Fans in der Halle zu ziehen, indem er die Bewegungen des Genius publikumswirksam nachmachte (natürlich war dieser peinliche Versuch auch noch erfolgreich). Der Kampf selber war recht solide, nicht mehr, nicht weniger. The Genius schaffte es sogar, clean aus dem Sleeperhold herauszukommen. Als unmittelbar darauf der Referee nach einem Whip-In umgerannt und ausgeschaltet war, gab es ein Gebrawle ohne Regeln im Ring, das am Ende wieder im Sleeperhold und mit einem ausgeschalteten Genius endete – aber der Referee war wie gesagt ebenfalls ausgeknockt. Nun war guter Rat natürlich teuer…
Beefcake griff daher zum Zeitvertreib erst einmal flink zur Schere und verpasste dem Genius einen individuellen Haarschnitt. Dies wiederum konnte Mr. Perfect nicht mit ansehen und eilte zur Rettung des Genies, schaltete Beefcake aus, setzte den Perfectplex an und verprügelte den Pseudo-Friseur mit einem Stuhl, dass es eine wahre Freude war. Eigentlich hatte somit ein Heel nur jemanden gerettet, der Opfer eines mehr oder weniger illegalen und willkürlichen Angriffes wurde (mir ging das Herz auf).
Dass am Ende sowohl The Genius als auch Brutus Beefcake disqualifiziert wurden, interessierte da irgendwie eh niemanden mehr.

Nach diesem irritierenden Match interviewte Sean Mooney die komplette Heenan-Family um Bobby Heenen (André the Giant, Rick Rude und Haku), die zwar allesamt mehrfach darauf hinwiesen, dass Familienbande auch im Rumble stärker sind als Wasser, aber am Ende dennoch darüber in Streit gerieten, wer denn für den Fall, dass nur noch sie im Rumble übrigbleiben sollten, gewinnen würde. Insbesondere der sanfte Riese André zeigte sich hier mental überfordert, aber entschlossen zugleich, während Heenen verzweifelt versuchte, den Teamgeist zu beschwören, und Haku und Rude gelangweilt sehnsüchtig das Ende des Segments herbeifieberten und nach einem kühlen Bier Ausschau zu halten schienen.

3. Match
Submission Match
Ronnie Garvin gewann gegen Greg Valentine (with Jimmy Hart) via Stipulation

Es ging weiter mit dem speziellen Submission-Match. Die Regeln dieses Matches waren einfach: Derjenige, der den Gegner zur Aufgabe bringt, gewinnt! Pinfall war nicht möglich!
Valentine und Garvin fehdeten seit Monaten miteinander, das Match beim Rumble sollte die Entscheidung bringen.
Genau genommen war der Kampf über weite Strecken ein reiner Schlagabtausch, der phasenweise ausgesprochen intensiv und mit viel Impact geführt wurde, was mich durchaus positiv überraschte. Technische Finessen waren selten, was aber auch nicht verwundern dürfte, da beide körperlich sehr kompakt nicht mehr die allerjüngsten Worker waren. Dafür wurde die körperliche Intensität wie gesagt umso mehr zelebriert (dass so ein intensiver Kampf in der schon damals auf Familienunterhaltung setzenden WWF ausgetragen werden würde, hätte ich nicht gedacht).
Etwas nervig waren vielleicht die immer wieder aufs Neue durchgeführten Pin-Versuche (die trotz des Wissens der beiden Worker, dass ein Pinfall in diesem Match nicht möglich war, mit einer an Dusseligkeit grenzenden Beharrlichkeit angesetzt wurden), die Art und Weise, in der Garvin voller Spott deutlich machte, dass er den von Valentine angesetzten Figure Four Leglock gar nicht spürte (weil er mit dem Hammer-Jammer einen besonderen Beinschoner am Start hatte) und die Tatsache, dass es in einem solchem Match von Aufgabegriffen nur so wimmeln musste.
Gleichwohl: Das Match war trotz des gemächlich wirkenden Fortgangs intensiv und dürfte für Freunde dieser Art von Kämpfen sicherlich auch noch heute kein totaler Fehlgriff sein. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann klaute Jimmy Hart dem erschöpft am Boden liegenden Garvin den Hammer-Jammer, Valentine setzte den Figure4 erneut an – aber Garvin konnte tatsächlich auch ohne Hammer-Jammer aus dem Finisher des Hammers herauskommen. Ein Titan!
Garvin drehte danach den Spieß einfach um, klaute also seinerseits von Valentine den Heartbreaker (dessen Beinschutz), so dass auch bezüglich der nicht mehr vorhandenen Beinschützer wieder Gleichheit hergestellt worden war. Am Ende der Kiste befand sich Valentine im Reverse-Figure-Four – und gab auf (auch wenn Jesse Ventura Stein und Bein schwor, dass eine Kapitulation seites Valentine gerade nicht vorlag – die Gelehrten streiten bis heute bzw. sind über diese Frage schlicht eingeschlafen).

Sei es wie es sei: Weiter ging es mit einem weiteren Interview von Mean Gene mit Mr. Perfect, der in juristisch nahezu perfekter Art und Weise die Nothilfesituation schilderte, in der sich The Genius während seines Matches gegen Brutus Beefcake befand, als der Hackfleischtortenfriseur dem genialen Dichter die Haare verunstaltete (nachdem Ukerlund vorher Mr. Perfect noch eines regelwidrigen Eingriffes bezichtigte). Mr. Perfect habe es nicht mehr ertragen können, dass Beefcake immer wieder seine bewusstlosen Gegner mit der Schere verunstalte und musste daher zur Nothilfehandlung schreiten (wer wollte diesem Handeln juristisch und moralisch entgegentreten? Die anschließende Stuhlattacke von Mr. Perfect auf Beefcake kann man da mit gutem Willen noch als erzieherische Maßnahme durchgehen lassen…).
Ach ja, im Rumble trat der perfekt gelockte Blondschopf ja auch noch an. Auf Genes Frage, welche Startnummer dieser denn gezogen hätte, kam die perfekte Antwort: Er habe die perfekte Nummer gezogen (also Nummer 30), so dass seine Siegchancen auch ziemlich perfekt stehen würden. Na, das waren doch nahezu perfekte Aussichten…

Bevor der geneigte Fan vor so viel Perfektion den Überblick verlor wurde wieder in den Ring zu Brother Love geschaltet, der unter makelloser Softpornomusik allen Anwesenden mitteilte, dass er uns alle lieben würde (wie nett!). Danach lud er Sensational Queen Sherri zum Interview. Beide schütteten sich mit Komplimenten zu, bevor die von den beiden als hässlich bezeichnete Managerin von Dusty Rhodes, Sapphire, ebenfalls dazustieß. Bei Sapphire handelte es sich um eine zum damaligen Zeitpunkt 55 Jahre alte Dame mit dem Style einer Sängerin aus dem Gospel-Chor von nebenan, die ihr Leben lang als Referee und Wrestlerin in diversen Ligen unterwegs war, bis sie ab November 1989 als Managerin von Dusty Rhodes in der WWF fungierte.
In Bezug auf die optischen Reize dieser Dame waren die Kommentatoren eher uneins, wobei Schiavone seine wohlwollende Ansicht in Bezug auf Sapphire allerdings nicht in letzter Konsequenz durchzuziehen vermochte und von Ventura einmal mehr erbarmungslos bloßgestellt wurde, wie der folgende Dialog zeigt: Ventura sagte zum heuchelnden Schiavone, der die inneren Werte von Sapphire in den Vordergrund stellen wollte: „Also, wenn Du bei einem Date die Wahl zwischen beiden Damen hättest, welche würdest Du wählen?“ Tony: „Äh, lass mich darüber nachdenken.“ Jesse: „Du musst darüber wirklich nachdenken???“
Nun denn, nach diversen langweiligen Beleidigungen Sherris in Richtung Sapphire und einigen Unterbrechungen von Brother Love, die immer dann kamen, wenn die gute Sapphire etwas sagen wollte, teilte Sapphire natürlich die fällige Ohrfeige aus. Daraufhin erschien der Macho King, der die Damen mores lehren wollte, aber Dusty Rhodes eilte natürlich auch dazu und rettete mit tatkräftiger Unterstützung von Sapphire unter zugegebenermaßen großem Hallo der Crowd die Situation. Dabei steckte er freilich meist nur ein und wurde nur dank des beherzten Eingreifens der Offiziellen nicht völlig von Savage verprügelt. Nachdem sich der Macho King und Sherri aus taktischen Gründen zurückgezogen hatten, verhöhnte Brother Love noch Herrn Rhodes, der somit ein dankbares Opfer für seine Aggressionen fand, dem Bruder der Liebe Saures gab und ihn schließlich aus dem Ring schmiss (wobei die rosa Schwabbelbacke grandios gesellt aus dem Ring flog). Am Ende dieses unrühmlichen Schauspiels blieben somit nur Rhodes und Sapphire übrig, die sich im Ring die Seele aus dem Leibe tanzten und sich freuten…
Bei manchen Segmenten fühle ich mich manchmal wie Majestix, einfach nur unglaublich müde… Auf Vordermann brachte einen da einmal mehr wieder einzig und allein Jesse Ventura: „Haben wir nicht ein Interview oder sonst irgendwas, damit ich mir das Getanze nicht länger anschauen muss?“ Dieser Mann findet einfach für jede Situation die richtigen Worte!

Das von Jesse geforderte Interview kam dann auch: Sean Mooney hatte Jim Duggan zu Gast, der sich über sein Match über den Big Boss Man äußerte, dabei aber intellektuell schnell an seine Grenzen stieß und der Herausforderung der fehlerfreien Artikulation seiner Sätze wie gehabt nicht immer gewachsen war.

4. Match
Singles Match
Jim Duggan gewann gegen The Big Boss Man (with Slick) via Disqualification

Wie auch immer, genau dieses Match stand als nächstes an. Und wer Duggan-Matches kennt, der weiß, was einen erwartet: Viel Stimmung, viel Hooo, viel Gebrawle, viel USA – und wenig Wrestling. So war es auch dieses Mal: Duggan machte das, was er am besten kann – und der Boss Man sellte klasse. Natürlich griff ab und zu auch mal Slick von außen ein, aber viel mehr gibt zu diesem Match eigentlich nicht zu sagen – nur, dass es länger ging, als ich ursprünglich dachte, stellenweise doch recht intensiv aussah und somit am Ende auch besser war, als ich es zunächst befürchtete (richtig gut ist natürlich trotzdem anders).
Nachdem der Boss Man im Kampf seinen Schlagstock gegen den USA-Troll Duggan eingesetzt hatte, wurde er disqualifiziert und Duggan zum Sieger erklärt. Dieser räumte daraufhin publikumswirksam mit dem 2×4 im Ring auf und und war in seiner kleinen Welt einfach glücklich.

5. Match
Royal Rumble Match
Hulk Hogan gewann gegen 29 andere Superstars

Bevor dann die große Battle Royal anstand gab es erst einmal diverse Einspieler über die im Rumble antretenden Athleten, die allesamt keines weiteren Kommentars würdig sind (interessant ist nur die Tatsache, dass die WWE nachträglich tatsächlich in den Interviews bei jeder Nennung des Namens WWF das F herausgeschnitten hat – achtet mal drauf). Dann kam endlich das lang erwartete Rumble-Match.
Hier wies Howard Finkel zunächst noch einmal darauf hin, dass im Rumble jeder für sich selber kämpfen würde (wieder was gelernt), dann trat als Nummer 1 Ted DiBiase in den Ring, gefolgt von der Nummer 2, dem Birdman Koko B. Ware.
Der Million Dollar Man verlor keine Zeit und attackierte den Vogelmenschen, noch bevor dieser richtig im Ring angekommen war (das nenne ich mal taktisch kluges Vorgehen!). Nachdem Koko im Folgenden kurz die Oberhand gewann, flog er allerdings schon wieder aus dem Rumble, noch bevor Nummer 3 erschien. Diese Nummer 3 war Marty Jeanetty, der unter riesigem Jubel und zu den Klängen des (einfach nur verdammt coolen) Rockers Entrance-Themes einlief und publikumswirksam erst einmal ordentlich loslegte und auch genauso fein sellte – aber trotzdem ebenfalls schon ausschied, bevor der nachfolgende Teilnehmer mit der Nummer 4 auftrat. Dies war Jake Roberts, der unter den Klngen seines Themes einlief und ebenfalls große Reaktionen bekam. Überhaupt: Die Idee, jeden Worker unter seinem Thema einlaufen zu lassen (was in den Jahren danach zunächst wieder fallengelassen wurde, dann aber zu einer bis heute haltenden Tradition geworden ist) fand ich große Klasse. Leider war Roberts der letzte Worker, dessen Musik bei der Entrance gespielt wurde.
Da Roberts und DiBiase in den Wochen vor dem Rumble storylinemäßig aneinandergerieten, kam es hier zu dem von den Fans herbeigesehnten Showdown zwischen den beiden. Und den verlegten sie zunächst außerhalb des Rings, wo DiBiase auch versuchte, seinen Million Dollar Dream anzusetzen, den Roberts aber kontern konnte. Wieder im Ring angekommen konterte DiBiase seinerseits den DDT von Roberts, bevor als Nr. 5 der Macho King (in modisch einwandfreiem neontürkisen Outfit und Sherri im Schlepptau) in den Rumble kam. Da war nun ordentlich Starpower vertreten – und beide Heels nahmen sich den Schlangenmann vor. Als Nr. 6 stellte Roddy Piper als Face als Gleichgewicht zwischen bösen Buben und strahlenden Helden wieder her und tat sich naturgemäß mit Roberts zusammen. Die Heels gewannen zahlenmäßig wieder die Oberhand, als der Warlord als siebter Starter einlief (und dieses Mal seine Teilnahmezeit aus dem Vorjahr locker verbesserte!). Auch das typische Rumble-Feeling stellte sich nun langsam ein – und die Stimmung war die ganze Zeit über großartig. Als Bret Hart als Nummer 8 dazukam, wurde sie sogar noch etwas besser. Bad News Brown als Nr. 9 zog da eher verhaltene Reaktionen. Jake Roberts schaffe es übrigens nicht mehr, den DDT gegen DiBiase anzusetzen, denn er wurde von Savage rausgeworfen, als sich Roberts gerade mit dem Million Dollar Man beschäftigte. Für Jubel sorgte dann wieder Dusty Rhodes, der sich gleich auf den Macho King stürzte und ihn sogar in hohem Bogen aus dem Rumble schmiss (die Flugkurve von Savage war dabei durchaus beeindruckend). Als Nummer 11 schlurfte André the Giant an den Ring, der (mittlerweile 43-jährig) immer mehr Probleme hatte, überhaupt normal zu gehen (im Jahr 1993 verstarb er bekanntlich), aber mit dessen tatkräftigen Unterstützung sofort den Warlord ausschaltete. In der Folgezeit hielt sich unser aller Lieblingsriese meist bei den Ringseilen auf, da diese immerhin einen festen Halt boten (ich wiederhole mich da mittlerweile in jedem Flashback: Armer André). Dort hantierte er die ganze Zeit mit Piper und Rhodes herum, die sich ihrerseits schon fast rührend um den kränkelnden Riesen kümmerten (das meine ich in keiner Weise ironisch). In der Zwischenzeit kam der Red Rooster hinzu, dafür wurde Bad News Brown von Piper eliminiert. Das sah Brown gar nicht ein – und zog Piper ebenfalls über das oberste Seil aus dem Rumble, woraufhin sich beide in Richtung Umkleide prügelten. Ax von Demolition kam als nächster, zeitgleich wurde der Rooster von André hinausgeworfen. Als weitere Starter folgten Haku (der sofort André beistand), Smash (der umgehend mit Ax gemeinsame Sache machte) und Superwusel Akeem. Während Bret Hart vom Publikum eher unbemerkt durch die Hand von Rhodes ausschied, wurde André publikumswirksam von Demolition eliminiert (und das gar nicht mal sooo gestellt aus). Man konnte André anmerken, dass er an diesem Rumble extrem zu knabbern hatte (ich bin immer wieder überrascht, dass er in diesem Zustand überhaupt antreten durfte). Danach folgten Jimmy Snuka (er schmiss sogleich Akeem raus) und Dino Bravo, bevor mit Earthquake ein Schwergewicht sein Flashback-Debüt gab. Dieser über 2 Meter große und gut 210 Kilogramm schwere Worker ist ein durchaus interessanter Charakter: In seiner Jungend trat er in Japan professionell beim Sumo-Ringen an, um Anfang der Neunziger in der WWE als Bösewicht für Hogan herhalten zu müssen. Mit Typhoon durfte er er später einmal die Tag Team Gürtel halten, bevor er zur WCW wechselte, wo als „Shark“ antrat, aber in einem Interview betonte, dass er kein Fisch sei. Später folgte eine Rückkehr zur WWF und im Jahr 2004 sein Rücktritt aufgrund von gesundheitlichen Problemen. Drei Jahre später verstarb er an Krebs.
Earthquake wurde aber im Jahr 1990 sofort als die starke Naturgewalt, die er verkörpern sollte, dargestellt – und schmiss daher gleich mal Dusty Rhodes und Ax aus dem Rumble. Als Nummer 20 kam Jim Neidhart, der Earthquake angriff und ihn zusammen mit allen (!) anderen Teilnehmern (sechs an der Zahl) auch tatsächlich eliminieren konnte. Als der Ultimate Warrior mit Startnummer 21 kam, drehte die Halle geradezu durch. Der so euphorisch begrüßte Warrior ließ sich auch nicht lumpen und warf mir nichts, dir nichts Dino Bravo aus dem Rumble. DiBiase war derweil übrigens immer noch im Rennen…
Als Nummer 22 erschien Rick Martel, als Nummer 23 kam (wer sonst?) Tito Santana, der wegen des Splitts von Strike Force und allem, was danach geschah, noch ein Hühnchen mit Martel zu rupfen hatte. Beide legten sich auch gleich miteinander an, während sich Smash aus dem Rumble verabschiedete. Danach wurde es rythm-and-blueslastig, denn der Honky Tonk Man gesellte sich dazu, während der Warrior unter großem Jubel Ted DiBiase ausschaltete (auch Jim Neidhart flog in diesem Zusammenhang raus). Und dann war es soweit: Als Nummer 25 kam auch Hulk Hogan in den Rumble – die Halle drehte durch! Dieser schmiss umgehend Snuka und Haku übers oberste Seil, bevor Martel seinen alten Partner Tito Santana aus dem Rumble beförderte.
Mit der Nummer 26 erschien Shawn Michaels, der unter großem Hallo in den Rumble stürmte. Danach schieden innerhalb kürzester Zeit Honky, Michaels und Martel aus, so dass nur noch Hogan und der Warrior im Ring waren, die sich erstmal einen Staredown lieferten, um dann aufeinander loszugehen und sich per Double Clotheline gegenseitig auf die Bretter schickten (was für Bratzen!). Hier wurde das Aufeinandertreffen bei Wrestlemania VI bereits publikumswirksam immerhin vorsichtig eingeläutet. Der Barbarian störte kurz danach dieses Treffen der Giganten und räumte mit beiden auf. Unterstützt wurde er dabei von Rick Rude, der mit Nummer 28 in den Ring kam, ohne dass vorher der Countdown gelaufen wäre. Beide machten sich am Warrior zu schaffen, den sie schon im Seil hatten. Aber es bedurfte eines Hulk Hogans, der letztlich den finalen Anstoß zur Eliminierung des Warriors gab (und es so aussehen ließ, als ab er die anderen beiden per Clotheline eliminieren wollte – was allerdings schon physikalisch gar nicht ging, ohne dabei auch den Warrior auszuschalten). Dieser schied daher dank Hogan aus, sah sich betrogen, drehte daraufhin durch, kam in den Ring zurück, prügelte auf Rude und den Barbarian ein, nur um dann wie ein besengter Depp aus der Halle und in seine Höhle zu stürmen. Jesse Ventura fasste wieder einmal alles perfekt zusammen: „Was ist der Warrior doch für ein Idiot! Hogan schmeißt ihn raus – und er prügelt auf die falschen Jungs ein.“ Wie auch immer, die Crowd war nach dieser Aktion zunächst völlig ruhig.
Es folgten Hercules als Nummer 29 und (wie bereits bekannt) Mr. Pefect als letzter Teilnehmer. Hercules schmiss prompt den Barbarian raus, so dass die Final Four aus Hogan, Mr. Perfect, Rick Rude und Hercules bestanden. Als erster dieser vier ging Herc, so dass Hogan heldenhaft gegen zwei Heels zu bestehen hatte. Aber das ist für einen Superhelden etwas, was man vor dem Frühstück erledigt: Zuerst schmiss Hogan daher gemütlich Rude raus, um dann gegen Mr. Perfect alleine im Ring zu stehen. Nachdem der blonde Perfektionist die Oberhand gewann und sogar der Pefect-Plex gekommen war, kam Hogans unvermeidbare zweite Luft: Er dominierte Mr. Perfect und schmiss ihn schließlich aus dem Ring, um somit den Rumble zu gewinnen und danach mit den Fans zu feiern. Die Stimmung war gut, richtig gut sogar – aber nach meinem Dafürhalten nicht mehr so euphorisch, wie man das aus den 80ern kannte….

Fazit: Auch der Royal Rumble 1990 ist sicher einen Blick wert. Die Undercard-Matches waren zwar bestenfalls solide (manchmal nicht einmal das). Aber der Rumble selber bot wieder einen professionellen Aufbau, wurde sicher nicht uninteressant erzählt und lebte wie immer auch und gerade von einer großartigen Stimmung im Publikum. Rumble-Fans machen hier bestimmt nichts verkehrt, und das nicht nur, weil die Stardichte bei diesem Rumble doch ausgesprochen hoch war. Die ganze Kiste war daher letztlich zwar kein Meilenstein der Wrestling-Geschichte, aber zumindest in Bezug auf die Battle Royal schlicht und einfach unterhaltend – besser als nix, oder?

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7 Antworten zu “Flashback # 11: Review und Analyse zum Royal Rumble 1990”

  1. Silent – wie immer top! XD

  2. Quacki sagt:

    Außer das mit dem LOLHOGANWINS! 😉

  3. AudioReview sagt:

    Ein Audio-Review bittttttte :)))

  4. JONNY (Jm-Rules sagt:

    wer ist hull cogan?

  5. DaDaDa sagt:

    Hogan als Sieger bleibt seit damals einfach ekelhaft

  6. Die Wiedervereinigung der Ärzte war allerdings erst 1993, mit Release des damaligen Albums „Die Bestie in Menschengestalt“. Das mal nur so bisschen off-topic …

  7. Silentpfluecker sagt:

    @TheGreatOne:

    Das mit den Ärzten sollte jedes kleine Kind wissen. Ich sprach in diesem Zusammenhang auch von „den 90ern“ bzw. der „Dekade“. Das beinhaltet nach Adam Riesling den Zeitraum 1990 bis 1999.
    Deutlich wird dies neben der eben aufgeführten sprachlichen Gestaltung auch durch die anderen Beispiele: Grunge wurde erst ab 1991 (nach Nirvanas Nevermind) richtig groß. Europop wurde gar erst in den Jahren 1998 – 1999 zum Inbegriff.

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