Flashback # 10: Review und Analyse zum SummerSlam 1989

17.08.15, von Benjamin "Cruncher" Jung

Mittlerweile ist es fast schon zur Tradition geworden, dass im unmittelbaren Vorfeld zu einem der „Big-Three-Events“ der WWE (Royal Rumble, Wrestlemania und SummerSlam) zur Einstimmung auf diese Veranstaltung auch ein Flashback zum jeweiligen Event kommt. Dies soll auch dieses Mal so sein, daher gibt’s quasi als Vorspeise zum SummerSlam 2015 den Rückblick auf den SummerSlam aus dem Jahre 1989. Wer also mag, der sei hiermit herzlich eingeladen auf eine Reise 26 Jahre zurück in die Vergangenheit, in eine sagenumwobene Zeit, in der Hulk Hogan (damals noch frei von Rassismusvorwürfen jeglicher Art), Randy Savage, Mr. Perfect, Bret Hart, André the Giant und der Million Dollar Man allesamt noch unter den Lebenden weilten und die Geschicke der WWF mehr oder weniger prägend bestimmten. Also rein ins Getümmel…

Wie immer begann auch die Übertragung des SummerSlams 1989 mit einem Kameraschwenk durch die prall gefüllte Arena, in der die Fans ordentlich Stimmung verbreiteten – wir kennen solche Bilder, an dieser Art und Weise der Inszenierung wird sich auf künftig nie etwas ändern.
Die Kommentatoren waren dieses Mal Jesse Ventura (Hooooray!!!) und ein damals noch recht junger Mann namens Tony Schiavone, der gegen einen abgebrühten Vollprofi wie Ventura freilich wie ein 80er Milchbubi aussah – und leider auch so kommentierte. Bei der WWF trat er kaum in Erscheinung: Ab und zu durfte er mal ein paar Stars interviewen und den hier behandelten SummerSlam 1989 sowie den Royal Rumble 1990 kommentieren. Bei WCW wurde er danach zur Stimme von Nitro und trat dabei am 4.1.1999 während einer live ausgestrahlten Nitro-Show in das wohl größtmögliche aller Fettnäpfen: Schiavone kündigte doch (auf angebliche Weisung von Eric Bischoff) tatsächlich während der Nitro-Liveshow an, dass Mick Foley, damals als Mankind unterwegs, auf der parallel ausgestrahlten RAW-is-War-Show den WWF-Titel gewinnen würde (diese Info war im Vorfeld zur WCW durchgesickert), und sorgte somit dafür, dass 600.000 Haushalte von Nitro zu RAW switchten, um den besagtem Titelgewinn Foleys mitzuerleben. Gerade solche klassischen Eigentore machen die Wrestling-Geschichte zu einem für normale Menschen kaum mehr zu begreifendem Faszinosum (wie blöd konnte man auf Seiten von WCW eigentlich sein?). Die WWF schlug die WCW an diesem Tag übrigens mit einem Rating von 5.7 zu 5.0 (heute wäre für die WWE ein Rating von 5,0 schon ein Ding der Unmöglichkeit).

Doch zurück ins Jahr 1989. Worum ging es überhaupt beim SummerSlam in besagtem Jahr? Ausgangspunkt war natürlich Hulk Hogan, genauer gesagt die Fehde zwischen den einstigen Mega Powers, also zwischen Hulk Hogan und Randy Savage. Nachdem beide bei Wrestlemania V um die WWF-Championship gegeneinander antraten (natürlich gewann Hogan den Titel – siehe Flashback # 9) gab es auch danach immer wieder mal dicke Luft zwischen den beiden Platzhirschen. Ob das allerdings ein erneutes Re-Match beim SummerSlam gerechtfertigt hatte, kann dahingestellt bleiben, denn die WWF hatte eine viel bessere Idee, die zeigt, wie trashig dieser Laden damals schon war: Bekanntermaßen drehte Hogan in der Zeit vor Wrestlemania V den Spielfilm „No Holds barred“. Der Name war offenbar Programm, denn man warf für diesen Streifen ganz offensichtlich alle Regeln, die befolgt werden sollten, um einen halbwegs ordentlichen Film zu drehen, über Board (auch die deutsche Übersetzung des Filmnamens „Der Hammer“ ist offenbar Programm, ist der Film doch hammermäßig schlecht!). Wie dem auch sei, in diesem Machwerk (eine absolute Pflicht für SchlFaZ und daher zurecht in diese Reihe aufgenommen worden!!!) spielt Hogan einfach mal sich selber und verkörpert einen Herren namens Rip. Dieser ist ein erfolgreicher Wrestler, der allerhand belanglose Abenteuer erlebt. Im Film muss er gegen den bitterbösen und übermenschlich starken (und schwarzen) Wrestler Zeus antreten, den er am Ende natürlich auch besiegen kann.
Was liegt da näher, als die Filmfigur Zeus von der Leinwand ins reale Wrestlingleben der WWF zu holen und ihn gegen Hogan fehden zu lassen? Gesagt, getan: Zeus erlebte seine Real-Life-Inkarnation, griff Hogan und Brutus Beefcake immer mal wieder an, trank mit dem Macho Man (der sich seinerseits die sensationelle Sherrí an seine Seite geholt hatte) ein Bier – und schon war der Aufbau für den Main Event des SummerSlams 1989 (Hulk Hogan und Brutus Beefcake vs. Zeus und Randy Savage) perfekt. Das konnte doch nur ein Autounfall erster Güte werden – die Vorfreude stieg also verständlicherweise ins Unermessliche!

Aber bevor dieses absolute wrestlerische Lowlight anstand galt es, sich duch die Matches der Under- und Midcard zu kämpfen. Aber wer tat dies bei der Aussicht auf eines der schlechtesten Wrestlingmatches aller Zeiten (SchleWraZ – wo ist Kalkofe, wenn man ihn mal wirklich braucht?) nicht ausgesprochen gerne?

1. Match
Tag Team Match
The Brain Busters (Arn Anderson and Tully Blanchard) (with Bobby Heenan) gewannen gegen The Hart Foundation (Bret Hart and Jim Neidhart) via Pin

Der SummerSlam 1989 begann mit einem Tag Team Match: Die Hart Foundation (dieses Mal modisch fesch komplett in pink) traten gegen die Brain Busters an. Leztere waren mittlerweile WWE Tag Team Champions, nachdem sie die Gürtel am 18.7.1989 (nach Eingriffen von Bobby Heenan und André the Giant) von Demolition gewannen und damit die Rekordregentschaft der Demolierer von 478 Tagen als Tag Team Champions beendeten.
Bei dem hier ausgetragenen Match zeigten Bret Hart und Arn Anderson eingangs viel Technik, aber auch die üblichen Haltegriffe (für meinen Geschmack war das stellenweise fast schon ein wenig zu viel es Guten), was durch eine „Armknabberattacke“ vom Anvil aber in erfrischender Weise aufgelockert wurde. In der Folgezeit ging ein mit zunehmender Zeit immer besser werdendes Match hin und her (wobei Anderson sogar eine Art Swagger-Bomb zeigte) und auch die Crowd war alles andere unzufrieden mit der Partie. Den humoristischen Höhepunkt hatte das Match für mich in einem Kick-Out von Neidhart nach einem Coverversuch von Anderson: Anvil kickte aus, Anderson wollte die Power des Kick-Outs entsprechend sellen und durch den Ring fliegen – aber leider sah jeder, dass er dabei eher unbeholfen und vor allem aus freien Stücken in die Luft hüpfte. Na ja, niemand ist vollkommen…
Gegen Ende des Matches gab es einige sehenswerte Spots – und nachdem der Ringrichter abgelenkt war, so dass er das angesetzte Cover von Bret nicht zählte, sprang Anderson von obersten Seil auf den das Cover durchführenden Hitman, traf ihn, pinnte ihn seinerseits und sorgte so für den Sieg der Brain Busters. Damit stand am Ende des Openers ein zwar nicht großartiges, aber doch ordentliches und professionell geführtes Match in den Büchern.

Es folgte ein Interview von Gene Ukerlund mit Dusty Rhodes, der sich siegesgewiss in Bezug auf sein Match gegen den Honky Tonk Man präsentierte. Über Dusty Rhodes, der hier sein Flashbackdebüt gibt, muss man wohl nicht viel sagen: Der immer etwas wabbelig wirkende Charismatiker, der seine die Legende formenden großen Jahre und Erfolge in den 70ern und 80ern hatte, kam Mitte 1989 in die WWF und war dort größtenteils in der Midcard aktiv. Große Matches oder Main Events blieben im dort weitestgehend versagt, von Titeln ganz zu schweigen. Dies alles änderte natürlich gleichwohl nichts an seinem Legendenstatus, der neben seinen Matches vor allem aufgrund seiner emotionalen und intensiv vorgetragenen Promos begründet wurde.

2. Match
Singles Match
Dusty Rhodes gewann gegen The Honky Tonk Man (with Jimmy Hart) via Pin

Wie gesagt, Dusty war bei seinem SummerSlam-Debüt nicht mehr der Jüngste (er stand in seinem 43. Lebensjahr). Und als ich ihn sah, fiel mir unweigerlich folgender Satz sein: Manchmal sind Torten besser als Steroide. Denn dieser Mann setzte anders als nahezu alle Worker zu dieser Zeit nicht auf einen gestählten Muskelkörper (es genügt ein einziger Blick, um das zu erkennen), sondern auf sein Können im Ring – und eben auch und vor allem auf sein Charisma.
Bei der WWF stand Dusty wie gesagt nie wirklich in der ersten Reihe, sondern spielte mehr die Rolle eines Comedy-Geeks. Natürlich wurde diese Rolle seinem Status in keiner Weise gerecht, aber mit seiner professionellen Einstellung und seinem nun bereits oftmals zitierten Charisma machte er auch aus dieser Situation das Beste. Dass auch das Match beim SummerSlam 1989 eher in Richtung Comedy ging, wurde recht schnell deutlich, hatte es doch seine besondere Note offenbar in dem Streit, wer von beiden Workern denn der bessere Tänzer ist. Nun denn…
Das Match selber war dann leider eher belanglos, obwohl Dusty für seine körperliche Masse sehr beweglich und engagiert war. Man kann das Ganze vielleicht am besten als Wrestling-Brawl der alten Schule bezeichnen: Viel Geprügel, viel Interaktion mit dem Publikum und viele Eingriffe vom bösen Manager (hier also von Jimmy Hart). Sogar der Referee wurde vom Honky Tonk Man umgeworfen, als er Dusty als Wurfinstrument zweckentfremdete und ihn gegen den Unparteiischen schleuderte. Und um dem Klischee die Krone aufzusetzen, kam es tatsächlich auch noch zum Einsatz der Gitarre von Honky: Jimmy Hart wollte gerade andere Saiten aufziehen (und nach diesem erbärmlichen Wortwitz hat der Verfasser dieser Kolumne auch das letzte Bisschen Rest von Selbstachtung verloren) und Dusty mit dem Streichinstrument ordentlich einen mitgeben, aber der American Burger-Nightmare konnte sich selbstredend wegducken, so dass der böse Honky Tonk Man Opfer seiner eigenen Hinterlist wurde (die Gebrüder Grimm hätten ihre wahre Wonne gehabt). Dusty setzte den Elbow Drop nach (was für ein erbärmlicher Finishing Move) und hatte das Ding in der Schachtel.
Wie gesagt, Freunde des klischeebehafteten Old School Wrestling werden hier sicher auf ihre Kosten kommen, Fans von Dusty verzeihen ihm ohnehin alles, alle anderen können sich immerhin an Dustys schwarzer Hose mit den gelben Punkten und einem großartigen Interview des Honky Tonk Mans unmittelbar nach dem Match erfreuen (bei dem er mit glasigem Gesichtsausruck etwas von einem Konzert faselte und Jimmy Hart mit Percilla Presley verwechselte – herrlich!).

Das darauf folgende Interview ließ die Erwartungen an ein im Laufe des Abends noch kommendes Match dann aber wieder steigen, denn Mean Gene lud zum Gespräch mit Demolition und einem merkwürdigen Troll, der nur aufgrund eines bemalten 2×4 und der obligarorischen USA-Flagge als Jim Duggan zu identifizieren war. Hätte man diese Assessoires gestrichen, so wäre eine verstörende Gestalt mit Krone und Hermelin übriggeblieben, die ganz offenbar die Maske von Jason aus „Freitag der 13.“ geklaut hatte (ehrlich, diesen Anblick sollte man einfach mal auf sich wirken lassen). Dem in nichts nach stand Smash, der mit avantgardistischem Schnurrbart antrat, um den herum die Demolitionschminke aufgetragen wurde – ein Bild für die Trash-Götter! Doch dieses Match stand, einen Spannungsbogen aufbauend, noch nicht als nächstes an. Zunächst traf vielmehr Perfektion auf Geflügel…

3. Match
Singles Match
Mr. Perfect gewann gegen The Red Rooster via Pin

Denn Mr. Perfect durfte gegen den Red Roster zeigen, was er kann. Während Mr. Perfect mit einer bis dato makellosen Matchbilanz schon im Ring auf seinen Gegner wartete, stolzierte der rote Hahn besser als jedes mit Flügeln ausgestattete Original aus der Tierwelt zum Ring (dass Mr. Perfect ihn während des Matches verhöhnend nachmachte war da ansatzweise nachvollziehbar).
Das Match selber war sehr kurz und hatte auch nicht allzu viel zu bieten: Nach wenigen Minuten setzte Mr. Perfect den Perfect Plex an – und schon war die Kiste gelaufen. Viel mehr gibt es über diese Paarung genaugenommen auch nicht zu sagen.

Danach gab Rick Rude zusammen mit Bobby Heenen dem guten Herrn Okerlund ein weiteres Interview. Rude, der seine Frisur mittlerweile vom 70er-Paul-Breitner-Look eher in Richtung zeitgemäße 80er-Föhnfrisur á la Bon Jovi und Europe geänderte hatte (ohne freilich seinen Schnurbart dabei zu opfern!), wusste zu berichten, dass er den Ultimate Warrior zum Lügner machen werde, da dieser versprochen hatte, den Titel beim SummerSlam 1989 von Rude zurückzuerobern. Das alles interessiert natürlich damals wie heute keine Sau, aber alleine wegen Rude’s Kuss in die Kamera am Ende dieses Interviews muss ich dieses Segment hier lobend erwähnen. Da kann jeder Softpornodarsteller (ebenso solche Größen wie John Holmes und Ron Jeremy) schlicht einpacken!

4. Match
6 Man Tag Team Match
Rick Martel and The Fabulous Rougeaus (Jacques and Raymond Rougeau) (with Jimmy Hart) gewannen gegen Tito Santana and The Rockers (Shawn Michaels and Marty Jannetty) via Pin

Zunächst stand aber ein Six Man Tag Team Match an, das seine Brisanz aus dem Split von Strike Force bei Wrestlemania V zog (Freunde der Chronolgie lesen am besten im Flashback # 9 nach).
Bei den Heels stimmte in diesem Match einfach alles, von den Managern außerhalb des Rings bis zum leicht ins Homoerotische gehenden Beschwören des Teamgeists (mögliche Idee für den kommenden Karneval: Geht doch mal als Teamgeist!) durch möglichst viel Kuscheln vor dem Match – die Jungs waren als Heels einfach ganz große Klasse.
Das Match selber begann so, wie ich es mir erhoffte: Mit schnellen und intensiven Spots der Rockers, die von den Heels klasse gesellt wurden. Aber auch der Rest des Matches war sehr kurzweilig, wobei gerade Rick Martel mit seinen Hampelmann-Einlagen, die dazu auch noch mit einem strahlend Grinsen vorgetragenen wurden, einiges retten konnte. Und wieder wurde ich davon überzeugt, wie technisch versiert die Rougeaus, die oft nur als Comedy-Geeks wahrgenommen wurden, wirklich waren: Sie setzen einige feine Aktionen und hatten nach meinem Dafürhalten ein wirklich gutes Matchverständnis.
Die Hauptstory dieses Matches bestand darin, dass Santana nach unfairen Aktionen auseinandergenommen wurde und versuchte, in seine Ecke zu kommen, was die Heels (mal legal, dann wieder illegal) zu verhindern suchten – alles wie gehabt also. Aber die ganze Kiste wurde mit Tempo und gut einstudiert vorgetragen, so dass ich hier nicht wirklich etwas zu kritisieren habe.
Beim Hot Tag mit Shawn Michaels drehte die Crowd regelrecht durch und Michaels deutete einmal mehr mit seinen Dropkicks und Sprüngen vom obersten Seil an, was er später für einen Legendenstatus in der WWE erlangen sollte. Am Ende des Kampfes gab es eine wilde Prügelei im Ring inklusive Cover-Marathon (wobei letztlich kein Mensch mehr eine Ahnung davon hatte, wer nun der richtige Mann im Ring war), an dessen Ende Rick Martel den Pin gegen Marty Jeanetty durchbrachte, so dass einmal mehr die Heels siegten (zu diesem Zeitpunkt schon das dritte Mal im vierten SummerSlam-Match – beachtlich…).

In einem Rückblick wurde dann noch einmal vorgetragen, wie es zum nun anstehenden Match zwischen dem Ultimate Warrior und Rick Rude um die Intercontinental Championship kam: Nach dem Super-Pose-Down beim Royal Rumble 1989, bei dem Rude den Warrior heftig attackierte (dazu Flashback # 8), gewann Rude bei Wrestlemania V nach einem Eingriff von Bobby Heenan den IC-Titel. Am 13.8.1989 attackierte Rude den Warrior abermals (der im anschließenden Brawl natürlich dennoch die Oberhand behielt, obwohl er schon ein Match gegen Haku in den Knochen hatte). Der Warrior seines Zeichens ließ sich auch nicht lumpen und griff während eines nachfolgenden Events den sanften Herrn Rude genau in dem Moment an, als dieser gerade eine typische 80er-Jahre-Tussi im Ring klarmachen wollte. Und um die Storyline zu komplettieren: Am Wochenende vor dem SummerSlam gab es noch einen Angriff von André the Giant gegen den Warrior, als dieser gerade einen armen Wrestler in seine Gorilla-Höhle verschleppen wollte (was er da wohl mit ihm vorhatte…). Heiliger Strohsack, das ist für manche starker Tobak…

5. Match
Intercontinental Championship
The Ultimate Warrior gewann gegen Rick Rude (c) (with Bobby Heenan) via Pin

Nach so viel Vorgeschichte war man für das nun anstehende Match zwischen den beiden Protagonisten fast schon zu erschöpft, aber es musste ja weitergehen. Die Entrance von Rude inklusive der obligatorischen Publikumsbeleidigung garniert mit den Kommentaren von Jesse Ventura sorgten aber gleich wieder für Stimmung. Überhaupt: Rückblickend kann man wohl sagen, dass die Fehde zwischen den beiden zu den Highlights der WWF im Jahr 1989 gezählt werden muss – vielleicht war es sogar das Beste, was die Liga in diesem Jahr zu bieten hatte.
Und auch das Match beim SummerSlam war gut, nach meinem Dafürhalten sogar das beste zwischen den beiden. Mir hat schon das Aufeinandertreffen der beiden bei Wrestlemania nicht schlecht gefallen, aber dieses Match war noch etwas besser: Tempo, Impact, ein für den Warrior überraschend vielseitiges Moveset und ein gut aufgebautes Match. Rude hatte sich mittlerweile so weit entwickelt, dass er den Warrior über weite Strecken stark aussehen lassen konnte. Die Big Moments gab es auch (der Warrior konterte den Rude Awakening, Rude konterte den Big Splash des Warriors). Und durch den Ausfall des während des Matches umgerannten und daher ausgeknockten Referees gab es noch ein zusätzliches Stimmungsmomentum, das aus heutiger Sicht zwar zwar forciert wirken mag (wenngleich es auch in der Gegenwart immer wieder vorkommt), aber damals richtig für Trubel sorgte und auch gut zum Match passte. So war die Crowd zu jeder Sekunde in einem wie gesagt fein aufgebauten und von beiden Workern gut geführten Match, bei dem gegen Ende gerade Rude einige klasse Aktionen zeigte (besonders seinen Pile Driver finde ich einfach nur beeindruckend).
Zum Schluss erschien „Rowdy“ Roddy Piper, der Rude ablenkte und dem posierenden Rick den Hintern unterm Schottenrock entgegenstreckte (keine Angst oder Hoffnung: Er trug noch Shorts darunter). Der Warrior bekam somit wieder Oberwasser, setzte den Gorilla Press mit anschließendem Big Splash (gegen den auf dem Bauch liegenden Rude) an – und war der neue Intercontinental Champion.
Mein ganz persönliches Highlight des Matches setzte aber wieder einmal Jesse Ventura, der allen Fans eine Lektion in Sachen Regelkunde und Kollegenbloßstellung gab: Als der Warrior nämlich den rohen Rick außerhalb des Rings mit dem IC-Belt schlug, forderte Ventura lautstark die Disqualifikation (zu Recht!). Dumpfbacke Schiavone entblödete sich nicht, zu entgegnen, dass der Gürtel ja aber außerhalb des Rings eingesetzt wurde! Da musste sich bestimmt auch der gute Jesse extrem zusammenreißen, um nicht vor Lachen gleich loszubrüllen – stattdessen blieb er souverän und führte die Beweisführung von Schiavone erbost ad absurum: Denn wenn also der Warrior außerhalb des Rings jemanden erschießen würde, dann wäre das okay, solange dieses Geschehen sich eben außerhalb des Rings abspielen würde, habe Schiavone das so gemeint? Auf dessen „Naja, nicht wirklich…“ schrie Ventura dann nur noch: „Du bist noch dümmer als Monsoon – und ich dachte er wäre der dümmste Mensch unter den Lebenden!“ HERRLICH, warum kann es so etwas heute nicht mehr geben? Ventura und Schäfer als Kommentatren – ich würde jeden Preis dafür zahlen, wie Ventura ihn Minute für Minute auseinandernimmt… Nun ja, kommen wir lieber von absurden Wunschphantasien zurück zur harten 1989er-Realität, denn mit dem vorher bereits beworbenen 6 Man Tag Team Match stand schon das nächste Match bereits in den Startlöchern.

6. Match
6 Man Tag Team Match
Jim Duggan and Demolition (Smash and Ax) gewannen gegen André the Giant and The Twin Towers (Big Boss Man and Akeem) (with Bobby Heenan and Slick) via Pin

Erschütterndes wurde bei diesem Match schon vor dem Ertönen der Ringglocke in Form der Entrance von Andre the Giant geboten: Der sanfte Riese hatte mittlerweile wirklich ernsthafte Probleme, überhaupt noch normal zu gehen! Und irgendwie wirkte der Koloss auf mich sogar geradezu „schmächtig“, so komisch sich das jetzt anhören mag.
Hacksaw war mental indes schon ganz woanders, vertraute in Sachen Teamgeist ganz auf Sepp Herberger und lebte daher den Teamgedanken („Drei Freunde müsst ihr sein!“) konsequent dahingehend aus, dass er sich wie Demolition sein Gesicht bemalt hatte – natürlich in den Farben der USA-Flagge!
Gewrestlet wurde auch noch, naja, eigentlich wurde nur gebrawlt, was bei den im Ring stehenden Akteuren aber nicht wirklich verwundern sollte. Auch wenn ich mich wiederhole, aber es tat dieses Mal wirklich körperlich weh, André im Ring sehen zu müssen. Stellenweise war er nicht einmal in der Lage, aufrecht zu stehen (die meiste Zeit stand er vorne übergebeugt, weil er körperlich schon zu nicht viel mehr in der Lage war).
Am Ende dieser körperlichen und optischen Tortur stand einmal mehr ein illegaler Eingriff Hacksaws: Er zog Akeem eins mit dem 2×4 über, legte den benommenen Smash auf ihn, der Referee zählte durch – und das Match war vorbei (unbezahlbar war einmal mehr Jesses verbale Reaktion auf dieses Finale, hört einfach selber mal rein).

Im darauffolgenden Interview zeigte Virgil den Zuschauern einmal mehr, dass er sehr schön Spielgeldscheine in die Kameras halten kann. Nebenbei sagte der Million Dollar Man mit seinem herzerfrischenden und philanthropischen Lachen, dass er heute keinem geringeren als Jimmy Snuka (der nach vier Jahren bei AWA wieder zur WWF zurückkehrte) Saures geben werde. Hierbei ließ er es sich auch nicht nehmen, mit rassistischen Entgleisungen aufzufallen: Snuka sei ein primitiver Dschungelbewohner, der den ganzen Tag nur Bananen und Kokosnüsse essen würde (was mag da wohl Virgil gedacht haben?). Doch vorher stand ein weiterer Füller auf dem Programm:

7. Match
Singles Match
Greg Valentine (with Jimmy Hart) gewann gegen Hercules via Pin

Beim folgenden Match durfte Ronnie Garvin zwar nicht wrestlen, aber immerhin den Ring Announcer machen, wobei er versuchte, sich beim Publikum anzubiedern, indem er den in der Tat gut über den Sommer gekommenen Valentine und Jimmy Hart cheap-pops-ziehend beleidigte. Herzlichen Glückwunsch…
Das Match selber war ziemlich kurz und auch genauso belanglos. Valentine versuchte, sich mit Garvin anzulegen, und verlor dabei immer wieder Hercules aus den Augen. Dennoch schaffte er es, das Match zu gewinnen, nachdem er sich bei einem Cover mit beiden Beinen auf dem Seil abstützte.
Garvin gab daraufhin dem Publikum bekannt, dass der Sieger Hercules sei, wenn es nach ihm gehen würde (als ob das irgendjemanden interessiert hätte). Auch beim zweiten Mal kürte er Hercules nach DQ zum Sieger. Daraufhin gab es ein wildes Gewusel im Ring, an dessen Ende Valentine aus dem Ring geprügelt wurde (was, worauf Ventura nicht müde würde hinzuweisen, nichts daran änderte, dass Valentine der eigentliche Sieger war). Wer letztlich diesen belanglosen Kampf gewann, das war am Ende wohl jedem Zuschauer in der Arena und vor dem Fernseher so egal wie nur irgendwas (für Freunde der Statistik: Laut Wikipedia hat tatsächlich Valentine gewonnen).

Es folgte ein weiteres Interview vom nummermüden Gene Ukerlund, dieses Mal mit dem Macho Man, Sensationell Sherri und Zeus. Hier versuchte Sherri den gewagten Spagat zwischen Josephine Baker und einer Wahrsagerin im 5-Pfennig-Nutten-Kostüm (was ihr erstaunlich gut gelang) und hatte offenabar einen Heidenspaß daran, allen Beteiligten mit einem auf geistig völligen Tiefflug hinweisenden Gesichtsausdruck den aus einem Hexenkessel kommenden Disco-Nebel in die Gesichter zu fächern. Man muss eben auch an den kleinen Dingen des Lebens Freude haben… Der Macho Man seinerseits handelte stylingtechnisch einmal mehr nach der Devise „It’s never too dark to be cool!“ und hatte auch bei der im Zimmer vorhandenen Dunkelheit seine Sonnenbrille auf. Zeus schaute derweil dusselig durch die Gegend, suchte wohl die ganze Zeit über nach einem kühlen Bier und versuchte, dabei furchteinflößend auszusehen. Da konnte doch eigentlich schon gar nichts mehr schiefgehen!

8. Match
Singles Match
Ted DiBiase (with Virgil) gewann gegen Jimmy Snuka nach Countout

Zeit für den Main Event war es aber immer noch nicht, denn zunächst wurden die Zuschauer mit dem Million Dollar Champion und „Superfly“ Jimmy Snuka erfreut. Leider zog der damals bereits 46-jährige Snuka nicht die Reaktionen bei der Crowd, die er nach meinem Dafürhalten verdient hatte. Aber für sein Alter war er körperlich wirklich gut in Schuss!
Das Match war grundsolide, sicher nicht viel mehr. Vor dem Main Event war das aber wohl genau das Richtige. Beide zeigten einige ordentliche Aktionen, aber leider bekam man während des Matches nicht den Superfly Splash vom obersten Seil zu sehen – der wurde zwar angesetzt, aber durch Virgil unterbrochen. Deswegen prügelte Snuka auf Virgil ein und wurde nach einer Attacke von DiBiase außerhalb des Rings letztlich auch ausgezählt.
Snuka zeigte sich danach als fairer Verlierer, räumte (wie es sich für echte Faces gehört) mit beiden Heels auf – und zeigte tatsächlich doch noch den Superfly Splash gegen Virgil. Ich bitte bei diesem Mark-Out-Moment um Verständnis: Was für ein saucooler Move von dem 46-jährigen Snuka!!! Alleine dafür lohnte sich das Match!

Leider wurde der Zuschauer danach wieder auf den Boden der traurigen Realität geholt, denn man sah nur noch Hogans Oberarme, einen wie wild mit der Heckenschere herumfuchtelnden und die Augen aufreißenden Brutus Beefcake und einen armen Mean Gene, der das doppelte Elend irgendwie interviewen musste.
Und nach einem weiteren Einspieler, der uns nochmals erklärte, wie es zu diesem Main Event überhaupt kam, ging dieser dann auch endlich los.

9. Match
Main Event
Tag Team Match
Hulk Hogan and Brutus Beefcake (with Miss Elizabeth) gewannen gegen Randy Savage and Zeus (with Sensational Sherri) via Pin

Aber zuerst gab The Genius ein Gedicht zum Besten (ich konnte nicht anders und musste beim Anblick des Bruders des Macho Mans sofort wieder an „Damien Sandow meets Bo Dallas“ denken – verdammt, diese Ähnlichkeit!).
Einmal mehr – ich muss es leider so deutlich sagen – waren die Reaktionen beim Einzug von Hogan schlicht und einfach überragend, die Crowd ist fast durchgedreht beim Einzug des Hulksters, der nach wie vor DIE große Nummer in der WWF war.
Der erste Tiefpunkt kam dann leider schon vor dem Match, denn Miss Elizabeth wurde von Hogan allen Ernstes ebenfalls an den Ring geholt. Jesse „The Truth“ Ventura wies vor diesem Hintergrund einmal mehr auf den Wanderpokal-Status der Dame hin: „Als Macho noch der Champion war, war sie bei ihm – seit Hogan Champion ist, ist sie an dessen Seite.“ Was soll man da noch ergänzen?
Ach ja, ein Match gab es dann doch noch. Dessen Aufbau war eigentlich wie so oft bei Hogans Matches: Die Gegner waren eigentlich zunächst übermächtig (insbesondere Zeus wurde als Wrestling-Übermensch mit Titanenimage präsentiert, der die normalen Schlage gar nicht spürte und daher auch no-sellte), aber wie durch ein Wunder schaffte Hogan natürlich am Ende doch noch die Wende.
Und sonst? Zeus beschränkte sich auf böses Gucken und langweilige Bearhugs (allen Ernstes, viel mehr kam von ihm nicht!). Savage musste daher in die Bresche Springen, was ihm immerhin ganz ordentlich gelang (er war wie gehab der mit Abstand beste Mann im Ring) – aber zaubern konnte auch er nicht.
Obwohl der Matchaufbau ausgesprochen langweilig war (Hogan unterbrach innerhalb von drei Minuten gleich dreimal ein Cover von Savage, Zeus bearhugte und würgte sich mehr erbärmlich als erträglich durch das Match) muss ich sagen, dass ich es trotz allem nicht so schlimm fand wie die meisten übrigen Hogan-Matches. Das lag natürlich in erster Linie an Savage, aber auch an der putzigen Art und Weise, wie der Macho King immer wieder den Götterbändiger für Zeus spielte. Irgendwie hatte das was und wurde im Ring auch klasse von Savage rübergebracht.
Das alles hatte so lange etwas Amüsantes, bis Savage den Flying Elbow gegen Hogan ins Ziel brachte, Hogan wie aufs Stichwort aus dem anschließenden Cover auskickte, unmittelbar darauf seine berühmte zweite Luft zelebrierte (ich ertrage diesen Augenblick einfach nicht mehr so gut) und Savage aus dem Ring beförderte, um danach im ultimativen Eins-gegen-Eins mit Zeus abzurechnen.
Dann wurde es aber wieder unfreiwillig erheiternd, denn Hogan schaffte es allen Ernstes nur mit einer von Sherri entwendeten (Diebstahl!) Handtasche (die er einmal mehr illegal einsetzte) den gottgleichen Zeus auszuknocken (!!!). Es folgte der übliche André-Gedächtnis-Bodyslam mit dem obligatorischen Legdrop – und das Match war vorbei.
Hogan deutete danach – ganz gentlemanlike – einen Faustschlag gegen die gute Sherri an, entschloss sich aber dann doch zu einem Atomic Drop (!!!!!!!) gegen die viel Bein zeigende Dame, nur damit Vereinsmatratze Elizabeth (Oh Mann, ich persönlich kann diese Frau noch weniger ertragen als alle Smarks heutzutage einen John Cena) die dadurch schachmatt gesetzte Sherri auch mal hauen durfte (mutig!). Und um die Erbärmlichkeit zu vollenden, schnitt Brutus der armen Sherry unter dem Jubel der Massen dann auch noch ihre Haar-Extensions ab (mit denen Hogan danach versuchte, seine Platte zu bedecken – zum Schießen komisch).
Alles in allem blieb der Main Event wrestlerisch zwar über weite Strecken bestenfalls durchwachsen (Respekt geht hier nur an Savage und in Sachen Show auch noch an Sherri), aber dennoch war der Aufbau des Matches (ich wiederhole mich da) wirklich nicht übel, so dass ich mich nicht annähernd so schlecht unterhalten gefühlt habe, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Das war eben Wrestling-Trash wie er sein musste – und wie er wohl auch heute immer noch ab und zu in der WWE sein muss. Der Chef des Ladens hieß eben damals wie heute Vince McMahon…

Fazit: So ging ein SummerSlam zu Ende, der noch einmal die ganze Dekadenz der ausklingenden 80er aufzeigte und ins Feld führte. Gutes Wrestling sah man nur selten, dafür aber alles andere, was für diese Zeit steht. Unbedingt empfehlenswert ist dieses Event m.E. daher nur für beinharte Wrestling- und Hogan-Fans – oder für Leute, die drauf stehen, wenn Männer Frauen körperlich Gewalt antun…
Freunden des guten In-Ring-Wrestlings sei das Match zwischen dem Ultimate Warrior und Rick Rude ebenso ans Herz gelegt wie die Paarung zwischen den Rockers und Santana gegen die Rougeaus und Martel. Der Rest ist nichts, was man gesehen haben muss. Mit Ausnahme eben des Main Events, den sich kein Trash-Liebhaber entgehen lassen sollte…

 

Ihr seid neugierig auf die vorangegangenen Flashbacks geworden? Kein Problem: KLICKT EINFACH HIER!!!!





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3 Antworten zu “Flashback # 10: Review und Analyse zum SummerSlam 1989”

  1. Martin sagt:

    Cool. Werde ich mir dann später mal durchlesen. 🙂

  2. some_dude sagt:

    @JME, ZackAttack, Silentpfluecker: Ich würde mich über eine „Flashback AUDIO REVIEW“ freuen :))! Ich habe mir schon alle RAW und PPV Podcasts angehört und einige male habt ihr von früher geschwärmt (war vielleicht nicht alles besser aber für die damalige Zeit gut!). Wie wäre es wenn ihr ab und zu eine Nostalgie Audio Review für bestimmte PPV´s machen würdet, dazu die Storylines zusammenfasst und auf die Matches an sich eingeht.

    Das wäre ein Traum :D!!!

  3. Silentpfluecker sagt:

    @some_dude:
    Das haben wir schon mal besprochen. Kann gut sein, dass wir so was irgendwann mal bringen werden… 😉

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