Kategorie | Flashback, W-I Specials

Flashback # 9: Review und Analyse zu WrestleMania V (1989)

24.03.15, von Benjamin "Cruncher" Jung

Pünktlich zur unmittelbar bevorstehenden Wrestlemania 31 passt sich auch der Flashback diesem Großereignis an: Denn auch die heutige Ausgabe unserer Rückblickkolumne beschäftigt sich mit einer Wrestlemania, bringt sie uns doch zurück zur letzten Mania der goldenen 80’er Jahre, zu Wrestemania V, der Show, bei der die legendären Mega Powers (bestehend aus Hulk Hogan und Randy Savage) explodieren sollten.
Am 2.4.1989 war es soweit: Im Trump Plaza in Atlantik City kam es vor um und bei 18.500 Fans zur fünften Ausgabe jener Show, die sich auch damals schon zum unbestrittenen Höhepunkt eines jeden Wrestlingjahres entwickelt hatte. Geprägt war das Event in allererster Linie vom eben bereits angedeuteten Aufeinandertreffen von WWF-Champion Randy Savage und dem Helden der Massen, Hulk Hogan. Beide dominierten zuvor über Monate als Tag Team die Liga, brachen aber kurz nach dem Royal Rumble (siehe dazu den letzten Flashback) endgültig auseinander.
Das, was an aufgebrochenen Storyline-Spannungen während des Royal Rumbles noch notdürftig gekittet werden konnte, brach sich am 3.2.1989 endgültig Bahn: In einem dramatischen Tag Team Match zwischen den Mega Powers und den Twin Towers (Big Boss Man und Akeem) wurde Savage aus dem Ring geworfen und traf beim Aufprall auf den Boden die ewig unnötige Miss Eilzabeth, die wie immer gar nicht wusste, wie ihr geschah und daher auch lieber sofort vorgab, ohnmächtig zu werden. Hogan setzte die Maske des sorgenvollen und frauenverstehenden Kumpeltyps auf und trug sie ungefragt hinter die Bühne (was der lüsterne gelbe Hulk da wohl mit ihr gemacht hatte?). Savage wurde derweil im Ring in Unterzahl von den Twin Towers auseinandergenommen. Irgendwann kam Hogan aber nach getaner Arbeit zurück und ließ sich wieder dazu herab, Savage beizustehen. Dieser gab ihm allerdings nur eine zurechtweisende Ohrfeige (richtig so!) und verzog sich daraufhin seinerseits hinter die Bühne. Hogan fertigte selbstredend dennoch beide Zwillingstürme im Alleingang ab – und begab sich danach schon wieder ungefragt backstage, um Miss Elizabeth am Krankenbett zu besuchen (dass dort eigentlich Savage rechtmäßiger als Ehegatte wohl eher das Bleiberecht für sich beanspruchen durfte, interessierte einen Hogan natürlich nicht). Dieser heuchelte, dass er doch nur helfen wollte, worauf Savage endgültig der Kragen platzte und Hogan heftig attackierte (wer kann da nicht mit dem Macho Man mitfühlen?). Damit war der Split vollzogen – und Hogans dreckiger Plan aufgegangen: Er forderte Satisfaktion und Savage daher um den Titel heraus. Dieser nahm an – und damit stand der (zugegebenermaßen langfristig und ordentlich aufgebaute) Main Event für Wrestlemania V fest! Dass daneben noch andere Matches auf der Card standen, die zumindest zum Teil ebenfalls einen interessanten Aufbau hatten, geriet dabei fast in Vergessenheit – aber keine Angst, hier werden alle Matches in der gebotenen Art und Weise zu ihrem Recht kommen (wobei – und das muss gleich vorweg geschickt werden – viel Gutes darüber nicht immer zu berichten ist).

So viel also zur Vorgeschichte. Das Event selber begann mit einem martialischen Intro inklusive einem für die ausklingenden 80’er Jahre typischem Feuerwerk.
Selbstverständlich wurde auch „America the beautiful“ wieder zum Besten gegeben. Dieses Mal durfte sich die Wrestlerin Rockin Robin an dem Stoff versuchen (war in Sachen Starappeal finanziell wirklich nicht mehr drin?). Sie erhielt vom Publikum in der Halle zwar einen freundlichen, aber enden wollenden Applaus. Jesse Ventura nahm indes kein Blatt vor den Mund und beerdigte sie on Air gewissermaßen im Vorbeigehen mit dem lapidaren Kommentar: „Sie solle lieber bei Wrestling bleiben.“ Das ließ kommentatorentechnisch gleich zu Beginn schon mal auf einiges hoffen…
Danach war das Vorgeplänkel auch vorbei und Wrestlemania V startete mit dem Opener.

1. Match
Singles Match
Hercules gewann gegen King Haku (with Bobby Heenan) via Pin

Wie schon beim Rumble kam „King“ Haku auf seinem Thron sitzend und auf einer Sänfte getragen an den Ring. Sein Gegner Hercules erschien deutlich bodenständiger und trat dieses Mal wieder als Face an (der Junge vollzog in seiner Zeit bei der WWF tatsächlich den einen oder anderen Turn mehr).
Haku legte mit diversen Schlägen los, aber Herc konterte und gewann bald die Oberhand, ließ sich dann aber durch Bobby Heenan ablenken, so dass Haku wieder ins Match kam – also lief eigentlich alles wie gehabt und genau so, wie man es vorhersehen durfte. Leider kam dann auch der bei solchen Powerhouses unvermeidbare Bearhug, den solche Muskelpakete zur zwischenzeitlichen Pause wohl einfach brauchen.
Das Match bot zwar einige Impact-Moves (Power Slam etc.), aber eine wrestlerische Offenbarung war das alles freilich dennoch nicht, Standard eben.
Nach einer Mischung aus einem Side-, Back- und German-Suplex mit anschließender Brücke gewann Hercules ein Match, das weder sonderlich schlecht, aber auch alles andere als gut war. Nach meinem Dafürhalten kann der Opener am Ende trotz gewisser Längen zumindest für damalige Verhältnisse gerade noch als solide bezeichnet werden. Wer ihn nicht gesehen hat, hat allerdings auch nicht viel verpasst. Aus heutiger Sicht mutet das Ganze aber natürlich doch ziemlich langsam an…

Nach dem Match interviewte Gene Okerlund die Rockers (sie sahen eher aus wie die Vokuhilas), die wie kleine Jungs vor der Kameras herumhampelten und sich freuten, bei Wrestlemania dabei zu sein. Sie mussten im kommenden Match dann auch gegen die Twin Towers ran, die beim Royal Rumble noch für das Ausscheiden von Hulk Hogan verantwortlich waren.

2. Match
Tag Team Match
The Twin Towers (Akeem and The Big Boss Man) (with Slick) gewannen gegen The Rockers (Shawn Michaels and Marty Jannetty) via Pin

Bei den Twin Towers war Akeem modisch wieder weit vorne (landestypischer Trachtenhut kombiniert mit gewagtem Schlafanzug in Übergröße), die Rockers ihrerseits setzten auf bewährte 80’er Föhnfrisuren, waren bei der Crowd wieder unglaublich over und zeigten das, was sie ausmachte: Tempo, Technik und einige schöne Spots.
Aber auch die Twin Towers ließen sich nicht lumpen und gaben ihrerseits einige schöne Double Team Moves zum Besten, bei denen insbesondere Michaels seine Selling-Skills präsentierte.
Das Match war okay, aber nicht immer sauber geworked (bei den Rockers saß beispielsweise der Double Drop Kick vom obersten Seil nicht) und blieb letztlich hinter meinen Erwartungen zurück. Es endete nach einem Big Splash von Akeem an Michaels, also mit einem Sieg der Heels.
Wie gesagt: das Match war schon irgendwie gerade noch so in Ordnung, aber so richtig überzeugen konnte es eben auch nicht. Interessanterweise haben mir die Twin Towers stellenweise sogar etwas besser gefallen als die Rockers, die sonst eigentlich immer eine Bank waren. Zwar agierten die Rockers deutlich beweglicher, aber die beiden Big Guys machten aus ihren Möglichkeiten nach meinem Dafürhalten einfach etwas mehr. Das hätte ich in dieser Form vor dem Kampf selber nicht unbedingt erwartet. Und letztlich gilt auch hier: Wer das Match nicht gesehen hat, der hat nicht viel verpasst.

Es folgte ein Interview mit dem Million Dollar Man. Dieser tat kund, dass Donald Trump ein feiner Kerl sei, weil er Geld hat (ein Hoch auf die oberflächlichen kapitalistischen 80er! Übrigens, schaut euch mal die 53. Folge von Futurama an: Der dort auftretende „That Guy“ – Gekkohafter als Gordon es je sein könnte – ist die Personifikation all dessen, was auch und insbesondere durch Donald Trump und Wrestlemania V verkörpert und glorifiziert wurde. Es ist herrlich, wie die WWE immer wieder auch als ein Spiegelbild der Abartigkeiten ihrer Zeit gesehen werden kann – zumal „Wall Street“ nur zwei Jahre vor Wrestlemania V in die Kinos kam. Aber ich schweife ab…).

3. Match
Singles Match
Brutus Beefcake gegen Ted DiBiase (with Virgil) endete in einem Double-Countout

Im folgenden Match musste der eben interviewte Million Dollar Man dann auch selber ran. Und dies tat er als selbsternannter Million Dollar Champion (ein von ihm selbst kreierter Titel, der nichts bedeutete, aber Gegenstand einiger Storylines war).
Beefcake seinerseits erschien mit anbiedernder USA-Heckenscherentasche und modisch gewagtem goldenen Frack (ich weiß bis heute nicht, ob er sich wirklich auf einem Level mit Hogan sah oder ob er schon froh war, als Abklatsch des Originals zumindest etwas Höflichkeitsapplaus abzugrasen). Körperlich war er indes in glänzender Verfassung (ein Hurra auf das 80’er Müsli!!!).
Das Match selber war ziemlich durchschnittlich: Beefcake war bemüht, aber in seinen Fähigkeiten nun einmal limitiert (wenngleich ich ihn schon schlechter sah als in diesem Match). Und Ted Dibiase sellte wie immer klasse und führte das Mach so professionell, wie man es von ihm kennt. Das war alles okay, aber eben auch hier beileibe nicht mehr. Die Crowd war daher auch höflich, aber keinesfalls geflasht.
Ted setzte irgendwann den Million Dollar Dream an, aber Beefcake konnte das Seil erreichen. Danach setzte Brutus selber den Sleeperhold an, ließ sich aber von Virgil ablenken, so dass sich daraufhin beide außerhalb des Rings gegenseitig bearbeiteten. Dazu gesellte sich dann auch der Million Dollar Man, so dass (wie es sich gehört) beide ausgezählt wurden. Es folgte natürlich auch die obligatorische Abreibung für Virgil und Ted, so dass Beefcake als moralischer Sieger dargestellt wurde. Der Bearbeitung der Haare mit der Heckenschere konnten beide aber entgehen. Immerhin blieb uns dieser Mist erspart…

Anschließend sah man in einem Backstage-Segment die Bushwackers beim Verzehren einer Torte. Bei der Verrichtung dieser Nahrungsaufnahme sprachen sie mit vollem Mund mit Alfred Hayes über ihre Chancen im folgenden Match. Dass man sie dabei aber wegen des mit Torte gefülltem Mundes akustisch nicht verstand, war natürlich ein wahrer Schenkelklopfer!

4. Match
Tag Team Match
The Bushwhackers (Luke Williams and Butch Miller) gewannen gegen The Fabulous Rougeaus (Jacques and Raymond) (with Jimmy Hart) via Pin

Besagte (vom Publikum gefeierte) Bushwhackers traten dann (vom süßem Gebäck gestärkt) im folgenden Match gegen die Fabulous Rougeaus an. Die sympathischen Schafhirten betätigten sich hierbei erst einmal als Langfinger und klauten Jimmy Hart das Jackett im wahrsten Sinne des Wortes vom Leibe.
Danach gab es ein Comedymatch, wie man es kennt und wie es zu befürchten war: Zwar hatten die Bushwhackers das Glück, mit den Rougeaus klasse Partner zu haben, die sowohl vom Charisma als auch vom Selling her das Zeug hatten, die Neuseeländer gut aussehen zu lassen, aber leider genügte selbst das an diesem Abend nicht. Bei weitem nicht!!!
Da es einfach zu viele Pausen und kaum Wrestling gab, blieb das Mach schlicht und ergreifend langweilig und einfach nur schlecht (ich muss das so deutlich schreiben). Auch die Comedyelemente ließen sowohl die Crowd als auch mich ziemlich kalt. Da war es phasenweise wieder interessanter, Jesse Ventura dabei zuzuhören, wie er versuchte, die Bushwhackers auseinanderzuhalten (Butch war nach Jesse übrigens derjenige ohne Zähne).
Da es sich aber nicht vermeiden lässt – kurz zum Match: Nachdem die Rougeaus schon nach kurzer Zeit abgelenkt waren, gab es einen Rammbock der Schafhirten sowie einen ziemlich schlecht ausgeführten Double-Stomach-Breaker (oder so etwas ähnliches) – und das Match war vorbei. Bei aller Sympathie für die Bushwhackers und die Rougeaus bleibt hier nur ein Fazit: Das war schwach!

5. Match
Singles Match
Mr. Perfect gewann gegen The Blue Blazer via Pin

Im nächsten Match kam Mr. Perfect in giftgrünem Badeanzug, mit herrlich arrogantem Gesichtsausdruck und ohne Musik an den Ring. Der Blue Blazer dagegen erschien mit einer merkwürdigen Maske und 80’er Musik. Da fiel es zunächst gar nicht richtig auf, dass hier eine weitere große Legende ihr Wrestlemania-Debüt gab: Owen Hart, der jüngere Bruder von Bret Hart, trat zum ersten Mal und gewissermaßen inkognito auf der größten aller Wrestlingbühnen auf! Er sollte nach dem Willen von Vince McMahon zunächst nicht als Bret Harts jüngerer Bruder dargestellt und in Konkurrenz zu ihm aufgebaut werden, sondern erst einmal als maskierter Superheld sein Glück versuchen. Bei der Survivor Series 1988 durfte er im Team des Ultimate Warriors antreten, um beim Rumble auszusetzen und danach bis auf weiteres in der Midcard zu worken.
In Sachen technischer Fertigkeit deutete Owen aber schon bei Wrestlemania V an, was später noch aus ihm werden sollte: Diverse High-Flying-Aktionen und sauber ausgeführte Moves (Drop Kick, Belly-to-Belly-Suplex, Body Slam etc.) zeigten, was für ein Potential im jüngeren Brüder des Hitmans schon damals steckte (wenngleich noch nicht alles Gold war was glänzte).
Im Match selber setzte sich Mr. Perfect mit einem Perfect-Plex durch. Owen durfte wie gesagt zwar auch einiges zeigen, aber die Zeit war natürlich zu kurz, um mehr als nur ein ordentliches Match (das definitiv geboten wurde) zu erwarten.

Howard Finkel stellte danach Jesse Ventura beim Publikum vor, der sich einmal mehr unter dem Jubel der Fans feiern ließ (wie immer völlig zu Recht!).
Alfred Hayes zeigte danach, wie sich Mr. Fuji auf einen 5-Kilometerlauf vorbereitete, den er (natürlich im obligatorischen schwarzen Smoking und Melonenhut!) auch tatsächlich begann – und auch beendete. Er fungierte dabei nicht nur als Manager und Motivationscoach für das von ihm gemanagte Team der „Power of Pain“ (ein Manager vom Schlage eines Mr. Fuji geht mit gutem Beispiel immer da hin, wo es weh tut), sondern er machte sich offenbar auf diese Weise selber fit, denn im folgenden Match traten die Powers of Pain zusammen mit eben jenem Mr. Fuji gegen die Champions Demolition um den Tag Team Titel in einem Handicap-Match an.
Aber bevor diese Gaudi tatsächlich losging, gaben Run DMC im Ring alles und rappten ihre Begeisterung für Wrestlemania in einer Art und Weise durch die Gegend, wie es sich für die ausklinkenden Achtziger wohl gehörte (bis auf die Klamotten hat sich in diesem Genre bis heute nicht viel geändert: Goldene Ketten, merkwürdiges Rumgehampel, teure Sonnenbrillen und entsprechenden, na ja, Sprechgesang gab es damals wie heute. Von daher: Yo, Bitches – oder so ähnlich…).
Danach wurde nochmal in einer Rückblende auf die Survivor Series 1988 erklärt, wie es überhaupt zum Match kam: Mr. Fuji turnte gegen seine damaligen Schützlinge Demolition, die ihn daraufhin publikumswirksam auf die Matte slamten. In Konsequenz dessen verbündeten sich die Powers of Pain mit Mr. Fuji, Demolition wurden zu Faces und die Powers of Pain waren die neuen, bösen No. 1 Contender, die bei Wrestlemania mit Mr. Fuji zusammen um die Tag Team Titel antraten. Klar soweit?
Dieses Aufeinandertreffen war also langfristig (über Monate!) und ordentlich aufgebaut (so etwas wäre heute in der WWE leider völlig undenkbar).

6. Match
WWF Tag Team Championship (Handicap Match)
Demolition (Ax and Smash) (c) gewannen gegen The Powers of Pain (The Warlord and The Barbarian) and Mr. Fuji via Pin

Das Match selber begann mit Prügeleien und Haltegriffen – und ließ die Crowd daher auch eher kalt. Viel mehr wurde aber auch in der Folgezeit leider nicht geboten. Beeindruckend war allerdings der Auftritt von Mr. Fuji (damals immerhin schon fast 54 Jahre alt!). Der Junge war für sein Alter durchaus fit und zeigte, dass er einst ein begnadeter Wrestler der alten Schule war: Der ältere Herr sprang allen Ernstes vom obersten Seil (und seine „Arschbombe“ – oder was das auch immer sein sollte – ging auch noch mit Vollgas ins Leere) und steckte höchstpersönlich und klasse sellend den Finisher von Demolition ein (und diesen Decapitation zu kassieren ist auch kein Zuckerschlecken. Was für eine Leistung des alten Mannes, die mir einiges an Respekt einflößte). Wie gesagt, doll war auch dieses Match nicht, aber Mr. Fujis Leistung nötigte dem geneigten Fan durchaus Respekt ab und konnte einiges retten.

Danach scheiterte ein ziemlich schlecht inszenierter Interviewversuch mit einem emotional angespannten Macho Man, bevor es zum nächsten Match ging.

7. Match
Singles match
Dino Bravo (with Frenchy Martin) gewann gegen Ronnie Garvin via Pin

Hier musste Dino Bravo gegen Ronnie Garvin ran. Doch zuvor kam Jimmy Snuka an den Ring, der auf diese Weise sein Comeback gab. Na denn…
Garvin hatte bereits im Royal Rumble eher wenig zu melden – und auch gegen Dino Bravo zog er letztlich den Kürzeren. Das Match war mit gut drei Minuten eher knapp bemessen – und die Crowd war auch nicht wirklich dabei. Letztlich war es einmal mehr eines dieser Matches, bei denen man sich fragt, ob sie wirklich auf der Card einer Veranstaltung wie Wrestlemania stehen müssen.

8. Match
Tag Team Match
The Brain Busters (Arn Anderson and Tully Blanchard) (with Bobby Heenan) gewannen gegen Strike Force (Rick Martel and Tito Santana) via Pin

Weiter ging es mit den Brain Busters gegen Strike Force. Diese Kiste fing deutlich unterhaltsamer an, als das meiste, was vorher geboten wurde: Alle vier Protagonisten waren erfahrene Worker im Ring, die auch technisch einiges auf dem Kasten hatten. So gab es klasse gesellte Aktionen, Double Team Moves und ein wirklich ordentlich erzähltes Tag Team Match. Natürlich blieb auch der eine oder andere Haltegriff nicht aus, aber es blieb im Rahmen.
Die pikante Note bekam das Match, als Santana versehentlich Martel mit seinem Forearm traf. Santana stand danach lange Zeit mit ordentlichen Aktionen im Ring, aber als er wechseln wollte verweigerte Martel den Tag und zog sich zurück. Der Split von Strike Force war vollzogen! So wurde man Zeuge eines mehr oder weniger historischen Moments.
Danach hatte Santana für kurze Zeit gewissermaßen ein Handicap-Match zu bestreiten, bei dem er als verzweifelt kämpfender Held dargestellt wurde (was er auch publikumswirksam sellte), aber am Ende (nach dem immer wieder beeindruckenden Spike Piledriver) den Brain Busters in einem guten Match unterlegen war.

Nach der Partie interviewte ein emotional am Boden zerstörter und desillusionierter Gene Ukerlund Herrn Martel und fragte ihn empört, wie es Martel denn über sein Herz habe bringen können, seinen Partner derart im Stich zu lassen. Dieser entgegnete ebenso aufgebracht, dass er angewidert und genervt von Santana sei, da dieser ihm den Triumph gekostet habe und im Übrigen auch generell ein Loser sei. Da brachte auch das zum Fremdschämen vorgetragene Appellieren an den Teamgeist durch Ukerlund nichts mehr, Martel war definitiv zum Heel geturnt.

Im Anschluss an diesen unschönen Split ging es noch unschöner weiter, denn es gab eine Ausgabe von „Pipers Pit“. Unter der Musik von Roddy Piper kam ein im Schottenrock sowie üblichem Schweinchen-dick-Look (und mit herzinfarktverdächtigen Blutdruckgesicht) einlaufender Brother Love an den Ring, der zunächst erst einmal verkündete, dass er uns alle lieben würde (wie angenehm). Danach interviewte er erst einmal sich selber, indem er sich Fragen stellte, die er natürlich auch selbst beantwortete und dabei Roddy Pipers Stimme imitierte. So weit, so schlecht. Leider war damit noch lange nicht Schluss, denn die mehr oder weniger berühmte Talk-Show-Größe Morton Downey Jr. kam ebenfalls an den Ring und steckte sich erst mal eine Fluppe an, um danach zu sagen, dass er Brother Love absolut nicht lieben würde, da dieser fett sei (logisch). Zur Krönung des Ganzen gab sich dann Roddy Piper höchstselbst die Ehre, um das Trio zu komplettieren. Es folgte ein mehr oder weniger erbärmlich vorgetragener verbaler Schlagabtausch zwischen den dreien, an dessen Ende Roddy Piper den Zigarettenrauch versprühenden Downey Jr. mit einem Feuerlöscher bespritzte (zum Totlachen!!!). Das einzige, worüber ich rückblickend mit bösem Humor jedenfalls ein wenig schmunzeln musste, war Downeys Aussage, nachdem er Piper Zigarettenrauch ins Gesicht pustete: „It’s healthy!“ (das dürfte er einige Jahre später wohl ein wenig anders gesehen haben, denn als kleine Randnotiz sei an dieser Stelle kurz vermerkt, dass dieser Talkshow Host und einer der Pioniere des Trash-TV-Formats im Jahr 2001 ironischerweise an Lungenkrebs verstarb – kein Scherz!).

Danach faselte Gene Ukerlund noch etwas über den bevorstehenden Film von Hulk Hogan mit dem Namen „No Holds barred“ zusammen. Erschütternd war hier vor allem Okerlunds Prognose, dass der Film sicher ein Blockbuster werden würde. Noch erschütternder ist allerdings die Tatsache, dass er mit dieser Einschätzung gar nicht einmal so falsch lag, da besagtes Machwerk bei geschätzten 8 Millionen Dollar Produktionskosten immerhin das Doppelte einspielte. Oh, diese widerlichen 80’er…

Mit nervigen Videoeinspielungen war allerdings auch danach noch lange nicht Schluss, denn es wurde noch einmal ausführlich gezeigt, wie es zum Match zwischen Hogan und Savage kam (manche Sachen kann man wohl einfach nicht oft genug sehen).

9. Match
Singles Match with Big John Studd as the special guest referee
Jake Roberts gewann gegen André the Giant (with Bobby Heenan) via Disqualifikation

Irgendwann ging es dann aber tatsächlich doch noch weiter mit Wrestling, na ja, nicht wirklich mit Wrestling im eigentlichen Sinne, denn als nächstes musste eine gesundheitlich stark angeschlagene Legende noch einmal ran: Der arme André the Giant wurde auch 1989 noch einmal in den Ring geprügelt, dieses Mal gegen Jake Roberts, der seinerseits bei allem Charisma auch nicht als derjenige bekannt war, der einen schwachen Gegner zu einem guten Match ziehen konnte (über kränkelnde Riesen wollen wir lieber gar nicht sprechen…). Als spezieller Guest Referee fungierte Big John Studd (der auf dem Weg zum und auch im Ring irgendwie gesundheitlich angeschlagen und mental abwesend aussah). Die Reaktionen für André waren kaum vorhanden, Jake wurde immerhin mit freundlichem Jubel begrüßt.
Na ja, das Match selber ging zwar immerhin fast zehn Minuten, viel war freilich nicht zu sehen: Schläge, Headbutts und Würgegriffe von Andre und gutes Selling von Jake. Leider reichte so etwas auch 1989 nicht annähernd für ein gutes Match, zumal man mittlerweile sehr deutlich erkennen konnte, dass André kaum noch in der Lage war, wenigstens aufrecht zu gehen – von seinem Selling wollen wir lieber gar nicht erst reden. So zog sich dieses sogenannte Wrestlingmatch unglaublich in die Länge, man spürte schmerzlich jede Sekunde dieser Tortur. Und es tat fast schon am eigenen Leib weh, sehen zu müssen, wie André sich durch dieses Veranstaltung quälte.
Als sich André und Big John Studd nach einer Attacke von André im Ring miteinander anlegten, wollte sich der Million Dollar Man als Reptiliendieb betätigen und Schlange Damien klauen. Dies verhinderte Jake aber elegant, André wurde disqualifiziert (ob für den Angriff auf Studd oder den Eingriff des Million Dollar Mans blieb offen, interessierte am Ende aber auch niemanden wirklich) und das Match war (Gott sei Dank!) vorbei.

10. Match
Tag Team Match
The Hart Foundation (Bret Hart and Jim Neidhart) gewannen gegen The Honky Tonk Man and Greg Valentine (with Jimmy Hart) via Pin

Das kommende Match bot dann wieder von Technik geprägtes Tag Team Wrestling, denn die Hart Foundation trat gegen den Honky Tonk Man und Greg Valentine an. Gerade Bret Hart prägte einmal mehr auch diese Partie: Er begann mit seinem üblichen Repertoire, um danach viel einzustecken und gut zu sellen. Das war alles nicht wirklich neu, aber nicht zuletzt auch Dank der Gegner solide und professionell geworked. Die Crowd blieb gleichwohl eher verhalten, was ich im Ansatz nachvollziehen kann, weil trotz allem der letzte Pepp fehlte. Am Ende setzte Bret Hart wieder einmal die Flüstertüte von Jimmy Hart gegen die Gegner ein, nachdem vorher Honky seinerseits erfolglos versuchte, selbige zu benutzen – und das Match vor vorbei. Wie gesagt, die Ansetzung war ordentlich, ohne aber überragend gewesen zu sein (komisch, das liest man in diesem Flashback öfter…)..

11. Match
WWF Intercontinental Championship
Rick Rude (with Bobby Heenan) gewann gegen The Ultimate Warrior (c) via Pin

Manche von euch können sich vielleicht noch an den unsäglichen Posing Wettbewerb zwischen Rick Rude und dem Ultimate Warrior beim Royal Rumble 1989 erinnern, an dessen Ende Rude den Warrior angriff. Diese Fehde mündete in einem Match um die Intercontinental Championship zwischen den beiden bei Wrestlemania V.
Rude zeigte in dem Match, das flott losging, klasse Selling (wie eigentlich immer). Allerdings kam ziemlich schnell der Bearhug des Warriors, und es wurde erst einmal zäh. Später bot Rude einen schönen Drop Kick vom obersten Seil (der sah echt klasse aus), bis der nächste Bearhug des Warriors kam. So ging das Match weiter: Haltegriffe wechselten sich mit schnellen Aktionen ab – und ich muss gestehen, dass ich das Match gar nicht so schlecht fand, wie ich es zunächst befürchtete (auch wenn ich den einen oder anderen Haltegriff weniger lieber gesehen hätte).
Nach einem Eingriff (Heenen hielt nach einem Suplex die Beine des Warriors von außen fest, so dass Rude das Cover durchziehen konnte) wechselte am Ende tatsächlich der Titel vom Warrior an Rude! So endete ein Kampf, der unterhaltsamer war, als ich dachte. Dass Heenan nach dem Match noch eine Abreibung vom Warrior bekam, sollte sich dabei von selbst verstehen.

12. Match
Singles Match
Jim Duggan gegen Bad News Brown endete in einer Double-Disqualification

Weiter ging es mit Hacksaw (inklusive 2×4 und US-Flagge) gegen Bad News Brown. Hier wurde eigentlich nur gebrawlt (der arme Hacksaw konnte es eben nicht viel besser, versuchte aber aus vollen Lungen, seine wrestlerischen Defizite mit vielen Hoooos wettzumachen – immerhin). Duggan konnte sogar dem Ghetto-Blaster ausweichen und seinerseits seinen Finisher (die Three-point stance clothesline) anbringen, am Ende setzte es dennoch eine Doppel-DQ, nachdem es beide offenbar lustiger fanden, sich mit Stuhl und 2×4 eine Art Schwertkampf zu liefern, anstatt regelkonform zu worken. Was bleibt als Erkenntnis nach dem Match? Ein 2×4 ist kein Lichtschwert – und manchmal ist ein Taschentuch mehr wert, als man denkt…

13. Match
Singles Match
The Red Rooster gewann gegen Bobby Heenan (with The Brooklyn Brawler) via Pin

Im nächsten Match trat der allseits beliebte Bobby Heenen gegen den Red Rooster an (ja, der hatte allen Ernstes das Gimmick eines krähenden Hahns mit rotem Kamm!!!). Bei dem Red Roster handelte es sich um Terry Taylor, der zwar in diversen Ligen Erfolge feierte, aber trotz vorhandenem Könnens bei der WWF nie richtig in Fahrt kam (wen wundert das bei dem Gimmick? Dann doch lieber Mighty Mouse…).
Bobby Heenan wurde zwar vom Brooklyn Brawler an den Ring begleitet, konnte aber den Squash nicht verhindern: Nachdem Bobby mit voller Wucht in die Ringecke knallte, wurde er nach 31 Sekunden gepinnt. Der Brawler versuchte zwar noch, den Hahn anzugreifen, aber dieser behielt die Oberhand. So kam es also zu dem, was man rückblickend wohl fast schon als Highlight in der Karriere des Red Rosters (der bei den Fans gar nicht mal so schlecht ankam) in der WWF bezeichnen kann: Zu einem Sieg bei Wrestlemania!

Vor dem Main Event gab Miss Elizabeth einmal mehr mit schlecht geschauspielertem Gesichtsausdruck bekannt, dass sie immer noch für beide sei und ihr Herz sowohl für Hogan als auch für Savage schlagen würde (sicher ist eben sicher…). Meine Güte, was hatte diese Frau überhaupt in der WWF verloren???

14. Match
WWF-Championship
Hulk Hogan gewann gegen Randy Savage (c) (with Miss Elizabeth) via Pin

Dann war endlich Main-Event-Zeit. Hier musste der Macho Man als Champion natürlich zuerst einlaufen (wieso sollte auch Hogan als Herausforderer so etwas tun müssen?). Vor Hogan erschien aber allen Ernstes noch Miss Elizabeth mit einem eigenen Einzug (ich konnte es nicht glauben!!!). Jesse Ventura sprach deutlich an, was alle dachten: dass sie es sich ja sehr einfach machen würde, sich für den Gewinner aufzusparen. Gorilla Monsoon nannte das „sehr smart“. Jesse konterte überragend, dass Monsoon genau das gleiche Verhalten bei Bobby Heenan noch als heuchlerisch bezeichnete. Treffer, versenkt!
Dann endlich gab sich auch Hogan persönlich die Ehre, so dass die Partie tatsächlich noch losgehen konnte. Sowohl Hogan als auch Savage waren körperlich sehr gut austrainiert und hatten offenbar auch nicht vergessen, ihr tägliches Müsli mit den notwendigen Substanzen anzureichern. Das Match selber kam aber dennoch lange Zeit nicht wirklich in die Gänge. Vieles war zu sehr darauf ausgerichtet, Savage als Feigling zu präsentieren, der Elizabeth entweder als Schutzschild benutzte oder einfach nur beschimpfte. Hogan selber war zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus bemüht, stieß aber doch recht schnell an seine Grenzen. So war das Match über weite Strecken ziemlich mau, wenngleich die Crowd, man muss es so sagen, voll drin war – jede gelungene Aktion von Hogan wurde frenetisch bejubelt (ob meine DVD nachträglich bearbeitet wurde, weiß ich nicht, daher gehe ich erst einmal davon aus, dass der Jubel echt war). Bis auf einige feine Spots, die meist von Savage kamen, plätscherte das Ganze gleichwohl mehr oder weniger vor sich hin und blieb jedenfalls hinter meinen Erwartungen und Hoffnungen zurück. Ich habe daher mehr auf Venturas Kommentare geachtet, der immer mal wieder mit für einen gelungenen Ausspruch zu haben war und das Ende von Hulkamania auf seine ganz eigene Weise heraufbeschwor: „Pukemania is running out!“
Und schließlich kam das, was kommen musste: Savage setzte den Flying Elbow an, Hogan kickte aus und holte sich mit Unterstützung der Fans seine berühmte zweite Luft, zeigte seinen Led Drop – und war wieder WWF Champion. Na ja, wir wussten, dass es so kommen würde… Es war eben einmal mehr eine Blaupause eines jeden Hogan-Matches im Zeitraum von 1985 bis 1990 – was soll man dazu also noch viele Worte verlieren? Ich weiß, dass viele Fans dieses Match rückblickend klasse fanden, mir persönlich war es (auch wenn es auch nach meiner Auffassung eines der besseren Matches von Hogan in der 80’ern war) dennoch über weite Strecken einfach zu langatmig, da konnte auch ein Randy Savage nichts dran ändern…

Fazit: Auch bei Wrestlemania V dachte man innerhalb der WWF wohl, dass mehr Masse auch mehr Klasse bedeutet. Wie schon bei Wrestlemania IV ging das allerdings eher daneben. Die Card war eindeutig überfüllt, die Matches stellenweise zu kurz und einfach zu schwach (also letztlich unwürdig), um bei einem Event wie Wrestlemania auf der Card zu stehen.
Die ganze Show wirkte wie eine Aneinanderreihung von Matches und nicht wie eine in sich geschlossene Veranstaltung. Alles war wie gehabt auf Hogan ausgerichtet. Das funktionierte ja auch im gewissen Sinne, aber als Event war Wrestlemania V sicherlich eine der schwächeren Wrestlemanias – unter einigen Experten gilt diese Ausgabe sogar als die schwächste überhaupt (wobei das natürlich immer auch Geschmackssache ist).

 

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3 Antworten zu “Flashback # 9: Review und Analyse zu WrestleMania V (1989)”

  1. Martin sagt:

    Muss ich später mal durchlesen.

  2. DaleCooper sagt:

    Wie immer: klasse und mit der nötigen Portion Humor geschrieben.

  3. Phunk_The_System sagt:

    Sehr schön geschrieben. Wer dazu gerne mal einen Videopodcast sehen möchte (SEHR zu empfehlen) der kann gerne mal bei den Iren von OSW Review reinschauen.

    http://oswreview.com/media/oswreview13/

    Ich hoffe diese „Werbung“ ist okay. Die Jungs (vor allem Jay Hunter) verdienen mit ihren Videos wirklich jeden Klick den sie bekommen.

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